Denglisch im "Workflow"

Fluch oder Segen? Neue Studie geht Anglizismen im Arbeitsalltag auf den Grund

Stefan Besner

Online-Redakteur

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27.07.2023, 20:40 Uhr
Von den analysierten Anglizismen gab es einen ganz klaren Gewinner

© imago stock&people Von den analysierten Anglizismen gab es einen ganz klaren Gewinner

“Montagmorgen haben wir immer einen coolen Teambuilding-Call, bei dem das Team Feedback geben kann.“ Fünf Anglizismen haben sich in diesen Satz gesneakt - pardon, geschlichen. Für die einen bedeuten die dem englischen entliehenen Worte nicht weniger als den Niedergang der deutschen Sprache, für andere sind sie ein Zeichen der Modernisierung. In jedem Fall sind Anglizismen ein Indikator dafür, dass Sprache sich stetig verändert. Wie sehr diese Veränderung inzwischen auch auf der Arbeit vorangeschritten ist, das hat eine neue Preply-Studie untersucht. Hierfür wurde eine Gruppe von 1001 Probanden in Vollzeitarbeit zu ihrer Nutzung und Meinung zu Anglizismen im Berufsalltag befragt.

Von den analysierten Anglizismen gab es einen ganz klaren Gewinner: Das "Meeting" wurde von mehr als der Hälfte der Probanden als das Wort ausgewählt, welches ihnen im Arbeitsalltag am häufigsten unterkommt. Andere häufig auftretende eingedeutschte Begriffe waren "Feedback", "Multitasking", "Newsletter", "Workshop" und "Full-time".

Anglizismen.

Anglizismen. © Preply

Fast alle Anglizismen, die vor dem Hintergrund der Studie zur Auswahl standen, wurden häufiger von Frauen als von Männern als Worte identifiziert, die in ihrem Arbeitsumfeld benutzt werden.

Die Gruppe der 16 bis 24-Jährigen wählte zudem zahlreiche Anglizismen weniger häufig aus als die 35 bis 44 sowie die 45 bis 54-Jährigen. Ob das daran liegt, dass es den älteren Probanden stärker auffiel, wenn Anglizismen im Arbeitsumfeld benutzt wurden oder ob es andere Gründe hierfür gibt, wurde in der Studie nicht untersucht.

Anglizismen.

Anglizismen. © Preply

Bei der Frage nach der Häufigkeit der Nutzung von Anglizismen lag der Mittelwert bei etwa elf Mal pro Tag. Die meisten Leute verwenden Anglizismen sechs bis zehn Mal am Tag und lediglich drei Prozent aller Befragten gaben an, dass Anglizismen in ihrem Arbeitsumfeld nie benutzt würden. Die höchste Anzahl der Anglizismen pro Tag lag bei Personen, die im Bereich IT arbeiten mit einem Mittelwert von 13 Anglizismen am Tag.

Immerhin 32% der Umfrageteilnehmer gaben an, Englisch für ihren Beruf nicht zu benötigen – Anglizismen werden folglich selbst dann gebraucht, wenn Englisch für den Beruf nicht notwendig ist.

Am häufigsten werden Anglizismen während Meetings und in direkten Gesprächen verwendet, gefolgt von E-Mails und Telefongesprächen. Am wenigsten werden sie in Präsentationen und Berichten verwendet.

Auch hier gab es eine Tendenz, dass Frauen Anglizismen in allen Kommunikationsformen häufiger wahrnehmen und dass höheren Altersgruppen Anglizismen eher in ihrem Umfeld bemerken.

Wahrnehmung von Anglizismen

Obwohl 28% angaben, dass Sie denken, dass der deutsche Begriff benutzt werden sollte, sofern er existiert, finden noch mehr Menschen, dass die Verwendung von Anglizismen normal für sie ist und sie sich wohl dabei fühlen, diese im Berufsalltag zu verwenden (43%). Dabei fühlen sich die weiblichen Befragten öfter wohl dabei, Anglizismen zu benutzen (45%) als männliche (40%).