Zu viele Fehler: Sony entfernt "Cyberpunk 2077" aus Playstation Store

18.12.2020, 16:53 Uhr
"Cyberpunk 2077" wurde von Sony aus dem Playstation Store entfernt.

© CD Projekt, dpa-tmn "Cyberpunk 2077" wurde von Sony aus dem Playstation Store entfernt.

"Die nächste Generation des Open-World-Abenteuers" - so hat das polnische Entwicklerstudio CD Projekt Red "Cyberpunk 2077" angekündigt. Und genau das erwarten viele Fans, die dem neuen Spiel der Macher von "The Witcher" seit Jahren sehnsüchtig entgegenfiebern. Kann ein Spiel solche Erwartungen überhaupt erfüllen?

Die Antwort lautet: Eher nicht - zumindest nicht zu Beginn. Denn während viele Kritiken der Fachpresse eher positiv ausfielen, waren die sozialen Medien noch in der Release-Nacht voll von Aufnahmen diverser Spielfehler. Spielerinnen und Spieler berichteten von unzähligen Grafikfehlern gerade auf Playstation 4 und Xbox One.

Die Sony-Tochter Sony Interactive Entertainment hat nun Konsequenzen gezogen und "Cyberpunk 2077" bis auf weiteres aus dem Playstation Store entfernt. Man biete ab sofort allen Spielern, die "Cyberpunk 2077" im Playstation Store bereits gekauft haben, eine vollständige Rückerstattung an, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Man sei stets bestrebt, eine hohe Kundenzufriedenheit zu gewährleisten, erklärte das Unternehmen seine Entscheidung, das Spiel aus dem Digitalshop zu nehmen und Käufer auf Wunsch zu entschädigen.

Cyberpunk 2077: Bugs schmälern den Spielspaß

Doch nicht nur die betagten Konsolen haben mit dem ambitionierten Spiel Probleme. Auch im Test auf dem PC gab es immer wieder kleinere und größere Probleme, die das Erlebnis schmälern. Darunter waren in der Luft hängende Gegenstände, im Kreis laufende Charaktere, Grafik-Stotterer oder Aufträge, die sich nicht abschließen lassen.

Die aktuelle Verfassung des Spiels will also nicht so recht zur Entwickler-Ankündigung "Wir veröffentlichen, wenn das Spiel fertig ist" passen - umso größer ist die Enttäuschung bei vielen Fans.

Nun folgt also - kurz vor Weihnachten - erstmal die Herausnahme aus dem Playstation Store. Disc-Versionen aus dem Handel sind weiter erhältlich und funktionieren wie gewohnt. Immerhin ist davon auszugehen, dass Bugs in den kommenden Wochen und Monaten laufend mit Updates behoben werden. So war es auch bei "The Witcher 3", dem letzten großen Spiel der Entwickler, das zum Start ebenfalls alles andere als fehlerfrei war. Auch für die Playstation-Version von "Cyberpunk" soll es nach Angaben von CD Projekt weiter Patches geben.

Cyberpunk 2077: Viele kleine Fehler - und große Ambitionen

Der technische Zustand dieses Spiels kann also vor allem mit einem Wort beschrieben werden: schade. Denn klammert man die Bugs aus, ist "Cyberpunk 2077" ein gigantisches Spiel, das den Spielenden enorme Freiheiten lässt und riesige Ambitionen hat.


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Das beginnt bereits bei der Charaktererstellung. Der Hauptcharakter, schlicht V genannt, lässt sich komplett selbst gestalten - angefangen bei Haar- und Hautfarbe, über Gesichtszüge und sichtbare Cyber-Implantate bis hin zum Geschlechtsteil. Ob V eine weibliche oder männliche Stimme hat, lässt sich unabhängig davon wählen. Die Stimme - nicht das Geschlechtsteil - bestimmt auch darüber, ob V von anderen Charakteren als männlich oder weiblich angesprochen wird.

Wirklich frei sind die Spielenden auch darin, sich die Aufgaben zu suchen. V ist eine Art Kleinkriminelle, die von sogenannten Fixern Aufträge bekommt. Zwar gibt es eine Haupt-Geschichte. Doch das Spiel lebt noch mehr von seiner überwältigenden Anzahl an Mini-Aufgaben und Nebenquests, die überall in der Welt verteilt sind.

Stadt Night City ist der eigentliche Star

Diese Welt, die Stadt Night City, ist auch der eigentliche Star von "Cyberpunk 2077". An jeder Ecke wirkt die Metropole belebt und authentisch. Sie ist voll von Neonlicht und aufdringlicher Werbung, Mega-Konzernen und Straßengangs, Luxushotels und Underground-Clubs. Und auch, wenn es Night City heißt, scheint hier tagsüber die Sonne. Manchmal regnet es auch - für Kalifornien, wo die Stadt liegt, vielleicht etwas zu oft.

Das kann auch damit zusammenhängen, dass "Cyberpunk" in einem Parallel-Universum spielt, das in den 1980ern entwickelt wurde. Hier gibt es die Sowjetunion noch, Japan hat enormen wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss und die Welt befindet sich in einer Art Endzeit-Kapitalismus, in der alles vermarktet wird und Konzerne über dem Staat stehen.

Wenn "Cyberpunk" funktioniert, sieht es fantastisch aus, zumindest auf einem leistungsstarken PC. Auch das Sound-Design, die Musik, die Sprecherinnen und Sprecher sowie die deutsche Übersetzung: Alles hat höchstes Niveau.

Cyberpunk 2077: Viele Wege zum Ziel

Spielerisch gibt es allerdings kaum Innovationen, beim Spielfluss liegt "Cyberpunk" irgendwo zwischen "Skyrim" und "Grand Theft Auto", die Aufträge erinnern dazu an "Deus Ex" und "Watch Dogs". Oft führen viele Wege ans Ziel, um eine Mission zu erledigen: Ein Lager voller Gegner lässt sich beispielsweise hackend erobern, heimlich infiltrieren oder mit roher Gewalt in Grund und Boden ballern.

Positiv: Oft haben scheinbar kleine Entscheidungen der Spielenden später Auswirkungen, die den Spielverlauf und sogar das Ende der Hauptgeschichte stark beeinflussen können. Das animiert dazu, "Cyberpunk" nicht nur einmal durchzuspielen.

Eine echte Enttäuschung ist "Cyberpunk 2077" also nicht, auch wenn der Hype darum übertrieben scheint. Wer mit dem Spielen noch etwas wartet, verpasst also nichts - und wird für seine Geduld hoffentlich mit einem fehlerfreien Spielerlebnis belohnt.

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