Ägyptische Demonstranten stürmen Gebäude der Staatssicherheit

06.03.2011, 15:45 Uhr
Ägyptische Demonstranten stürmen Gebäude der Staatssicherheit

© dpa

Den Sicherheitsbehörden werden schwerste Übergriffe beim Vorgehen gegen Dissidenten während Mubaraks fast 30-jähriger Herrschaft vorgeworfen. In Kairo drangen am Samstag hunderte Demonstranten in ein von Soldaten umstelltes Gebäude der Staatssicherheit ein, wie ein Teilnehmer der Aktion berichtete. Sie wollten Unterlagen sichern, die vermutlich vernichtet werden sollten, sagte Mohammed el Saffani. Am Freitagabend stürmten fast 1.000 Menschen ein Bürogebäude in der Stadt Alexandria, nachdem Sicherheitskräfte von dort aus das Feuer eröffnet hatten.

Mindestens vier weitere Gebäude der 500.000- Mitarbeiter-Behörde wurden ebenfalls gestürmt. Ein Militärvertreter in Kairo erklärte, die Streitkräfte beschlagnahmten Unterlagen. Aus einem Gebäude der Sicherheitsbehörden stieg nach Angaben eines Gewährsmannes Rauch auf, offenbar versuchten Mitarbeiter dort Akten zu verbrennen.

Beamte verprügelt

In Alexandria belagerten die Demonstranten stundenlang ein Bürogebäude und verprügelten später die dort eingeschlossenen Beamten, wie ein Augenzeuge berichtete. In den Büros seien etliche zerrissene Dokumente zu sehen gewesen, sagte Kotb Hassanein. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden mindestens 20 Beamte verletzt ins Krankenhaus gebracht. Kotb zufolge erlitten vier Demonstranten Verletzungen, einem von ihnen wurde in den Bauch geschossen.

Langjähriger Behördenchef vor Gericht

Der langjährige Behörden- und Polizeichef und frühere Innenminister Habib el Adli musste sich am Samstag erstmals vor Gericht verantworten. Ihm werden Machtmissbrauch und Geldwäsche vorgeworfen. Außerdem wird El Adli vielfach für das brutale Vorgehen der Bereitschaftspolizei gegen Demonstranten verantwortlich gemacht, die ab Ende Januar gegen Mubarak auf die Straße gingen. Mehrere hundert Menschen versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude, darunter Angehörige der rund 300 bei den Unruhen getöteten Demonstranten. In der Nähe war eine ausgestopfte Puppe mit El Adlis Namen aufgehängt. Der ehemalige Minister wies alle Vorwürfe zurück und erklärte, er habe “Ägypten viel gegeben und den Terror bekämpft“. Die nächste Anhörung wurde für den 2. April angesetzt.

Suezkanal-Beschäftigte drohen mit Hungerstreik

Am Sonntag drohten mehrere hundert Mitarbeiter der Suezkanal-Behörde mit einem Hungerstreik, falls ihre Forderung nach Beförderungen nicht erfüllt würden. Die Aktion solle möglicherweise am (morgigen) Montag beginnen, erklärten die Demonstranten, die sich vor dem Hauptsitz der Behörde in der Stadt Ismailija versammelt hatten. Seit Mubaraks Sturz kommt es in Ägypten vermehrt zu Arbeiterunruhen.

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