Gegenrede bei der "New York Times"
Böhmermann warnt vor Rückkehr Nazi-Deutschlands - und teilt gegen Musk und AfD aus
21.02.2025, 15:58 Uhr
Der Satiriker Jan Böhmermann hat nach AfD-Wahlempfehlungen durch Elon Musk eine Gegenrede auf der Webseite der US-amerikanischen Zeitung "New York Times" veröffentlicht.
Böhmermann ("ZDF Magazin Royale") erläuterte in dem satirisch angelegten, fast neun Minuten langen Beitrag auf Englisch in einer Art Erklär-Video die Nazi-Vergangenheit Deutschlands. Er leitete in dem Meinungsstück wenige Tage vor der Bundestagswahl über zur AfD und platzierte Aussagen von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke aus Thüringen. Böhmermann sprach an einer anderen Stelle des Videos im Kontext der AfD von Geschichtsvergessenheit. Die AfD steht in Umfragewerten aktuell auf Platz zwei hinter CDU/CSU.
Verbindung zu Elon Musk
Gleich zu Beginn des Videos stellte er eine Verbindung zu Tech-Milliardär Musk her, der in der Regierung von US-Präsident Donald Trump eine wichtige und umstrittene Rolle spielt. Böhmermann sagte auf Deutsch übersetzt: "Guten Tag aus Deutschland, dem Land, das laut Elon Musk gerettet werden muss."
Musk hatte vor kurzem mit der Aussage, nur die AfD könne Deutschland retten und einem späteren Live-Gespräch mit Parteichefin und Kanzlerkandidatin Alice Weidel viel Unruhe in den deutschen Wahlkampf gebracht. Kritiker werfen ihm vor, mithilfe seiner enormen Reichweite auf seiner Plattform X den Ausgang der Bundestagswahl beeinflussen zu wollen. Große Diskussionen löste auch ein Meinungsstück von Musk in der Zeitung "Welt am Sonntag" aus, in dem er sich auch für die AfD ausgesprochen hatte.
Böhmermann platzierte in seinem Video eine Aufnahme einer Hitlergruß-ähnlichen Geste durch Musk, die rund um Trumps Vereidigungszeremonie im Januar für Empörung und Kritik gesorgt hatte. Musk hatte sich auf X über die Kritik lustig gemacht - mit Wortspielen, die mit einflussreichen Nationalsozialisten und Gefolgsmännern Adolf Hitlers zu tun hatten.
So reagiert die AfD
Der ZDF-Moderator zeigt in seinem Video zahlreiche Mahnmale, die Deutschland an das Motto "Nie wieder" erinnern sollen. Dieses steht im Zusammenhang mit dem Holocaust und bedeutet, dass Deutschland nie wieder ein solches Weltbild haben darf. "Leider kam ‚Nie wieder‘ ohne eine Anleitung". Auf die Frage, ob die Welt deswegen besorgt sein sollte, vor der Rückkehr eines faschistischem Deutschlands, sagt Böhmermann: "Jawohl. Aber hallo. Und zwar so richtig". Grund dafür sei, dass es in Deutschland eine Diskrepanz zwischen dem kollektiven Erinnern und individuellem Schuldgefühl gebe.
Ein Sprecher von AfD-Chefin Alice Weidel äußerte auf dpa-Anfrage als Reaktion auf den Video-Beitrag, dass Böhmermann die Wähler und "eifrigen Gebührenzahler" - die AfD kritisiert scharf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für den auch Böhmermann mit seiner ZDF-Satiresendung tätig ist - vermutlich nicht davon abhalten werde, am Sonntag das Kreuz "an der richtigen Stelle" zu setzen.
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