Betreiber noch nicht identifiziert

Zwei Millionen Nutzer weltweit: Große Pädophilie-Plattform ausgehoben - 79 Festnahmen

Alicia Kohl

Redakteurin

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02.04.2025, 15:15 Uhr
Zahlreiche PCs, Mobiltelefone und Datenträger wurden beschlagnahmt.

© imago stock&people Zahlreiche PCs, Mobiltelefone und Datenträger wurden beschlagnahmt.

Die Darknet-Plattform „KidFlix“ bietet neben dem Download von Bildern, anders als andere ähnliche Seiten, vor allem Videodateien zum Streamen, die teilweise schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen. Nach Registrierung und Bezahlung eines Zugangs mit Kryptowährungen hatten internationale User Zugriff auf mehr als 91.000 Videos in hoher Bildqualität mit einer Gesamtlaufzeit von 6288 Stunden. Pro Stunde wurden im Schnitt rund 3,5 neue Videos hochgeladen. Bayerische Ermittlerinnen und Ermittler beschäftigen schon seit Anfang 2022 mit dieser Plattform und konnten nun einen internationalen Schlag ausführen. Das berichten die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das Bayerische Landeskriminalamt in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Gemeinsam mit den Behörden in den Niederlanden und der Schweiz richteten die deutschen Behörden die Ermittlungen gegen die Betreiber und insgesamt etwa 190.000 Nutzer der Plattform, die von April 2022 bis jetzt registriert waren. In diesem Zeitraum waren rund 1.800.000 Personen weltweit zumindest zeitweise angemeldet. Obwohl viele versuchten, ihre Identität zu verschleiern, konnten weltweit bislang 1393 Tatverdächtige ausfindig gemacht werden, vor allem über die Nachverfolgung der Bezahlwege über Kryptowährungen.

Europol übernahm laut Pressemitteilung die Koordination der Operation, am 10. März kam es dann zum gemeinsamen Action Day. In diesem Rahmen wurden in Bayern neun Durchsuchungen bei neun Tatverdächtigen durchgeführt, in den Städten Augsburg, München, Nürnberg und in den Landkreisen Landsberg am Lech, Regen, Rosenheim, Oberallgäu, und Neumarkt. Insgesamt zwölf Tatverdächtige hatten ihren Wohnsitz in Bayern. Deutschlandweit fanden in 13 Bundesländern gesamt 96 Durchsuchungen statt, gegen 103 Tatverdächtige wird ermittelt.

Mehrere Kinder in Obhut genommen

An diesem Tag wurde auch ein 52-Jähriger in Hannover festgenommen, bei dem bei einer Durchsuchung mehr als 70 Datenträger, eine Sex-Puppe, die den Körper eines kleinen Mädchens nachahmte, diverse Betäubungsmittel und Hinweise auf das Betreiben einer Darknet-Handelsplattform für Betäubungsmittel gefunden wurden. Am 11. März 2025 wurde der Server, auf dem sich laut Pressemitteilung zu diesem Zeitpunkt 72.000 Videos befanden, schließlich beschlagnahmt, die Webseite ist nun nicht mehr erreichbar und mit einem Beschlagnahmebanner versehen.

In der Pressemitteilung wird betont, dass die Ermittelnden während des gesamten Verfahrens sofort eingriffen, wenn Gefahren für Kinder erkannt wurden. Sobald beispielsweise bekannt wurde, dass Kinder bei Tatverdächtigen wohnten, wurden entsprechende Maßnahmen zum Wohle dieser eingeleitet. „Die Identifizierung von missbrauchten Kindern war wesentlicher Bestandteil der Arbeit: So konnten unter anderem Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden waren in Nordrhein-Westfalen in Schutz genommen und in Brandenburg identifiziert werden“, heißt es.

Schon Mitte Januar 2024 war ein 36-Jähriger im Bereich der Kriminalpolizei Chemnitz festgenommen, der auf der Plattform Kinder zum schweren sexuellen Missbrauch gesucht haben soll. Nach seiner Identifizierung und dem erlassenen Haftbefehl wurde sein minderjähriger Sohn in die Obhut des Jugendamtes gegeben, da Hinweise auf sexuellen Missbrauch vorlagen. Ein Jahr später durchsuchten die Behörden die Wohnung eines 30-Jährigen in Mittelfranken, auch seine beiden Kinder wurden in Obhut genommen.

Die Ermittlungen dauern an

Auf Grundlage der Ermittlungen durch das Bayerische LKA und den zur Verfügung gestellten Kryptowährungsdaten konnte auch in den USA ein mutmaßlicher Missbrauchstäter verhaftet werden. Er soll Widerholungstäter sein und wird wegen anhaltenden Missbrauchs eines ihm bekannten Kindes und möglichen weiteren Opfern beschuldigt.

Vom 10. bis zum 23. März beteiligten sich insgesamt 38 Staaten an der konzentrierten Operation zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet. Eine Vielzahl von elektronischen Datenträgern, Mobiltelefonen und PCs wurden sichergestellt. Die Ermittlungen im Gesamtkomplex dauern aber weiter an, da insbesondere die Betreiber der Plattform bislang nicht identifiziert werden konnten.


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