Digitale Einreisegenehmigung
Abzocke und Betrug bei ETA-Anträgen: Darauf müssen Sie bei der nächsten Großbritannien-Reise achten
01.04.2025, 15:55 Uhr
Die Reise nach Großbritannien wird noch etwas komplizierter - und wer nicht aufpasst, für den ist künftig schon vor der Zollkontrolle Schluss. Ab dem 2. April, also kommendem Mittwoch brauchen deutsche Reisende, für die keine Visumpflicht gilt, eine elektronische Reisegenehmigung für Flüge und Fahrten ins Vereinigte Königreich. Die Electronic Travel Authorisation (ETA) wird mit dem Reisepass verknüpft - und kostet umgerechnet gut zwölf Euro. Aus dieser Summe kann aber ganz schnell deutlich mehr werden, wenn man nicht ganz genau hinschaut. Wir verraten Ihnen, worauf Sie beim Erstellen des ETA-Antrags unbedingt achten sollten, damit aus der nächsten Reise nach Großbritannien kein Horror-Trip wird.
Vorsicht ist geboten: Teure Vermittler und Datendiebe unterwegs
Seit dem 5. März ist das offizielle ETA-Portal in Großbritannien freigeschaltet. Und wie so oft, ob online oder analog: Wo online mit sensiblen Daten hantiert wird, lauern Kriminelle oder dreiste Abzocker auf ihre Chancen. Bei einer Reisegenehmigung, für die, ähnlich wie bei einem Visum, nahezu alle persönlichen Daten, wie Adresse, Lichtbild und Passinformationen, sowie Bankdaten angegeben werden müssen, ist das besonders gefährlich.
Gibt man in die Online-Suchmaschine beispielsweise die Schlüsselbegriffe „ETA Großbritannien“ ein, ist leider nicht die offizielle Website der britischen Regierung unter den ersten Treffern, sondern diverse Websites von Anbietern, die den Anschein erwecken, dass es sich dabei um eine offizielle Stelle handelt, doch der Schein trügt: Oft stecken hinter den täuschend seriös wirkenden Portalen entweder Datenkraken, die gar nicht in der Lage sind, eine Genehmigung auszustellen und lediglich an die sensiblen Informationen und das Geld argloser Menschen gelangen wollen. Die Kriminellen könnten mit den gestohlenen Daten beispielsweise einen Reisepass fälschen, welcher dann auf dem Schwarzmarkt landet.
Mit persönlichen Informationen wie Adresse und Bankdaten des geprellten Antragstellers könnten die Betrüger hohen finanziellen Schaden anrichten oder weitere Straftaten begehen. Doch selbst wenn das Worst-Case-Szenario nicht eintritt und es sich bei den Webseiten tatsächlich um echte Dienstleister handelt, die eine Reisegenehmigung im Auftrag des Reisenden bei der britischen Regierung beantragen, drohen Kostenfallen: So können aus den rund 12 Euro, die eine ETA derzeit kostet, schnell weit über 100 Euro werden.
So werben Anbieter beispielsweise mit „zusätzlichen Vorteilen“ wenn man eine Reisegenehmigung über ihr Portal beantragt und erklären damit die hohen Kosten. Zu diesen gehören demnach sofortige Bestätigungen per Mail, einfache Anwendung auf dem Tablet und Smartphone oder einer Verschlüsselung persönlicher Daten.
Das klingt auf den ersten Blick zwar verlockend - der Haken an der Sache ist jedoch: All diese „Vorteile“ sind Standards beim offiziellen Portal der britischen Regierung. Diese bietet neben einer Website auch eine App an, mit welcher man innerhalb weniger Minuten sicher und einfach auf dem Handy oder Tablet an die ETA gelangt und das für 12 Euro, anstatt für 100 oder mehr. Die App ist, im Gegensatz zu den meisten Online-Vermittlern, in der Lage mithilfe des Smartphones den integrierten Chip im Reisepass zu scannen, sodass nicht mal eine manuelle Eingabe aller Daten nötig ist und somit Zeit gespart und eine potenzielle Fehlerquelle vermieden wird, die bei einer Grenzkontrolle für Probleme sorgen könnte. Mehr Vorteile gibt es also über den offiziellen Weg.
Verbraucherzentrum warnt
Die Masche ist inzwischen so weit verbreitet und die Betrugsseiten optisch so seriös gestaltet, dass in den vergangenen Wochen tausende Menschen weltweit darauf hereingefallen sind. Auf dem Social-News-Aggregator „Reddit“ finden sich zahlreiche Threads zum Thema ETA-Betrug. Nutzer klagen über horrende Summen, fehlende ETA-Bestätigungen oder nicht autorisierte Abbuchungen von ihren Konten.
Selbst bei vielen, die den Schwindel noch in letzter Sekunde bemerkt haben, weil ihnen die geforderte Summe von 75 oder 99 Dollar zu hoch vorkam, sind besorgt: Denn auch wenn ein finanzieller Schaden vielleicht gerade noch abgewendet werden konnte, sind die potenziellen Betrüger bei diesem Schritt schon längst im Besitz aller Daten ihrer Opfer, inklusive Adresse, Telefonnummer, Foto, Anschrift und Bankverbindung. Ob diese trotz des Abbruchs des Vorgangs von den Vermittlern gespeichert wurden oder nicht, weiß man nie. Wer also auf diese Masche hereingefallen ist und auf Nummer sicher gehen möchte, dem bleibt nichts anderes übrig als ein neues Bankkonto, Kreditkarte, sowie einen neuen Reisepass zu beantragen.
Inzwischen warnt sogar das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) vor teuren Vermittlern und Betrug im Internet: „Nutzen Sie für den Antrag NUR die offiziellen Wege über die Webseite oder App! Denn über Vermittler fallen meist höhere Gebühren an. Im schlimmsten Fall können Sie an Betrüger geraten und erhalten am Ende gar keine ETA. Dem EVZ liegen bereits Fälle vor, bei denen Verbraucher für die ETA über einen Vermittler einen wesentlich höheren Preis zahlen mussten. Vorsicht: Diese tauchen insbesondere auf, wenn man nach der ETA googelt. Prüfen Sie daher genau, ob es sich um die offizielle Stelle handelt oder einen Dienstleister.“
Tatsächlich ist das, das einzige, das Reisende für ihre Sicherheit tun können. ETA ausschließlich über die offizielle Website oder App der britischen Regierung beantragen. Den sicheren Link finden Sie hier oder auf über das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland.
Reisende, die in näherer Zukunft nach oder über Großbritannien reisen, sollten sich zeitnah um die ETA kümmern. Zwar teilte das britische Innenministerium auf Nachfrage mit, bei der „großen Mehrheit“ der Anträge werde innerhalb von Minuten automatisiert entschieden. Offiziell wird aber eine Bearbeitungszeit von bis zu drei Tagen angegeben.
Kleiner Tipp: Laut offizieller Ankündigung hebt die britische Regierung, die ETA-Gebühr ab 9. April von 10 Pfund - umgerechnet rund 12 Euro - auf 16 Pfund an. Die Einreisegenehmigung kostet somit dann rund 19 Euro. Das heißt, auch wenn Sie eine Reise ins Vereinigte Königreich erst später im Jahr planen, lohnt es sich jetzt schon das Dokument mit einer zweijährigen Gültigkeit ausstellen zu lassen.
Was ist die ETA - wofür ist sie gut?
Im Kern ist die ETA eine digitale Sicherheitsüberprüfung derer, die ohne Visum nach Großbritannien reisen. Für touristische Aufenthalte von bis zu 90 Tagen reichte bislang der deutsche Reisepass. Abgefragt werden unter anderem mögliche Vorstrafen. Die britische Regierung verspricht sich davon, dass „bessere Sicherheitskontrollen stattfinden, um einen Missbrauch unseres Einwanderungssystems zu verhindern“. Ein weiterer Effekt für die britische Regierung: Weil die ETA für etliche Länder Pflicht ist, wird mit zusätzlichen Einnahmen in Milliardenhöhe kalkuliert.
Wie lange ist die ETA gültig?
Eine erfolgreich beantragte ETA berechtigt zu mehreren Reisen und Aufenthalten von bis zu sechs Monaten in einem Zeitraum von zwei Jahren. Der Reisepass muss in dieser Zeit gültig sein. Übrigens: Auch in der EU soll in diesem Jahr die Reisegenehmigung ETIAS eingeführt werden.
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