Dehnberger Hoftheater feiert Comeback
30.09.2020, 16:23 Uhr
Denn zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie dürfen auf den Sitzen im Saal wieder Gäste Platz nehmen - allerdings nur 50 statt der gewohnten 200. Doch die Freude darüber, endlich wieder ins Theater gehen zu können – auch wenn bis zum Erreichen des Platzes ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss, ist bei den Gästen spürbar groß.
Reise mit digitalen Helfern
Rund 70 Minuten lang begleiten diese Protagonist Udo (Florian Elschker) dabei, wie er immer tiefer mit seinen digitalen Helfern, der Sprachassistentin Miri (Larissa Bader), Psychologieprogramm Eliza (Veronika Conrady) und Navigation "Sven" (Tristan Fabian) ins Gespräch kommt. Vor allem wegen der Verständigungsprobleme zwischen Udo und Miri entlockt das Stück dem Publikum so einige Lacher.
So ist Protagonist Udo wegen der Probleme mit seiner Freundin Sabine verzweifelt und bittet die Sprachassistentin, diese anzurufen: "Ruf Sabine an, Herrgott nochmal!", schimpft er. Mit freundlicher Stimme entgegnet Miri, sie würde keine "Sabine Herrgottnochmal" im Adressbuch finden und treibt Udo damit fast zur Weißglut.
Probleme mit der Freundin
In langen Monologen erzählt er dem Psychologieprogramm Eliza von den Problemen mit seiner Freundin Sabine. Während Udo Miri oft wegen ihrer angeblichen Dummheit beleidigt, gefällt ihm seine digitale Psychologieassistentin Eliza immer mehr. Schließlich antwortet diese ihm stets mit "Ich verstehe dich, Udo" oder "Es geht hier nur um dich, Udo".
Auch Navigation Sven, der zur Berechnung der Route Fernrohr und Straßenkarte auspackt und ab und an eine beleuchtete Weltkugel bemüht, kommt beim Publikum gut an. Sven und Sprachassistentin Miri, die damit angibt, wegen ihres großen Speicherplatzes die Schlaueste zu sein, kommen sich später näher. Während Udo das Auto kurz verlässt, können die Zuschauer auch an den Unterhaltungen der drei künstlichen Intelligenzen teilhaben.
Menschen werden zu Geräten
Obwohl sich die Protagonisten während der 70 Minuten kaum vom Fleck bewegen, schaffen sie es dennoch, das Stück spannend und kurzweilig umzusetzen. Vor allem durch die Intonation in ihren Stimmen und die leicht abgehackten Bewegungen erwecken sie den Eindruck von realen digitalen Geräten.
Obwohl das Theater zur Premiere mit rund 35 Besuchern noch nicht voll ausgelastet ist, freut sich Leiter Ralf Weiß dennoch über den gelungenen Neustart: "Ich habe das Stück im Deutschlandfunk gehört und mir gedacht, es ist perfekt für die Bühne", sagt Weiß. Das futuristische Bühnenbild - ein Design seiner Tochter - solle so wenig wie möglich an die Realität erinnern, so Weiß.
Und tatsächlich braucht es nur einen abstrakten, beleuchteten Umriss eines Autos und Motorgeräusche, um dem Publikum klarzumachen: Nun begleitet man Protagonist Udo auf einer Autofahrt.
Anregung zum Nachdenken
Die Kostüme der Assistenten tun ihr Übriges zum Verständnis, denn Navigation Sven trägt Fliegerbrille und Fliegermütze, Psychologin Eliza Brille und Arztkittel und Sprachassistentin Miri ein futuristisches Gewand.
Dass das Stück gut ankommt, zeigt sich nach der Vorstellung. Viele Gäste diskutieren über was wäre wenn - wenn die eigenen digitalen Assistenten doch schlauer sind, als sie vorgeben, zu sein? "Ich überlege mir auf jeden Fall, wie ich ab jetzt mit meinem Navi spreche" scherzt eine Frau, bevor sie sich auf den Nachhauseweg macht.
Das Stück läuft noch einmal am Freitag, 30. Oktober. Da das Dehnberger Hof Theater seine Spielpläne derzeit nur einen Monat im Voraus herausgibt, bittet es, sich vorab online unter www.dehnbergerhoftheater.de über weitere Termine zu informieren.
Keine Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen