Blühflächen

So kann Bienen geholfen werden: In der Praxis ist das nicht immer einfach

Anna Franck

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09.07.2021, 06:00 Uhr
Wo es möglich ist, sollen Pflanzen auch mal wachsen dürfen, finden Mathilde Bätz und Reinhold Weber.  

© Helmut Hintermeier, NN Wo es möglich ist, sollen Pflanzen auch mal wachsen dürfen, finden Mathilde Bätz und Reinhold Weber.  

Seit Jahrzehnten wird die landwirtschaftliche Wirtschaftsweise intensiviert. Eine Folge: Die Artenvielfalt schwindet. Beispielsweise Feldränder insektenfreundlich zu pflegen, dafür gaben Wildlebensraumberaterin Mathilde Bätz und Pflanzenbau-Fachberater Reinhold Weber, beide vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim, den Rathauschefs in der Bürgermeisterdienstversammlung Tipps. Mut ist dabei ein entscheidendes Stichwort.
Fast 600 Wildbienen-Arten leben in Bayern, die Hälfte sei laut Bätz mehr oder weniger vom Aussterben bedroht. Mit Steigerung der Nutzungsintensität und Flurbereinigungen seien kleinere Strukturen wie Wald- oder Wegränder, Hecken oder Säume „sukzessive weniger“ geworden. An ihnen hänge aber das Vorkommen von Tieren und Pflanzen, diese hätten einen kleinen Aktionsradius, Wegränder seien ein „Vernetzungselement“.
Optische Gründe sollten bei der Pflege eine sekundäre Rolle spielen, erklärte Reinhold Weber – zumindest in der Theorie. Der Fachberater appellierte, Mut zur Unordnung zu haben, bestimmte Bereiche nicht oder später zu mähen. „Da geht die Welt nicht unter, da erhalten wir unsere Natur und Umwelt.“ An knapp 400 Kilometern Kreisstraße müsse gemäht werden, erklärte Landrat Helmut Weiß, um fertig zu werden, müsse man zeitnah beginnen. Alles wuchern zu lassen sei wegen der Verkehrssicherheitspflicht nicht möglich, erklärte Weiß. „So wenig wie möglich, so viel wie unbedingt nötig“ sei die Devise, sagte Weber. Bei der Grabenpflege müsse differenziert hingeschaut werden, erläuterte Weber, um beispielsweise „Nester“ von für Tier und Mensch giftigem Jakobskreuzkraut zu bemerken.
„Zwei Fronten“ sah Werner Stöcker, Bürgermeister in Uehlfeld: Naturschützer und Bürger, die sich direkt beschweren, wenn „Grashalme an den Beinen kitzeln“ aus Angst vor Zecken. „Die Gratwanderung bleibt“, sagte Reinhold Weber.

Fördertöpfe öffnen

Ein Mähkonzept hatte man in Emskirchen verabschiedet, sagte Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht, sich für einen Balkenmäher interessiert. Aber aufgrund der Flächengröße hätte man die Arbeiten gerne an einen Dienstleister vergeben. 40 000 Euro für 50 Kilometer: Das war der Gemeinde dann zu teuer. „Naturschutz kostet immer Geld“, erklärte Weber. Günstig wäre, es in „bäuerliche Hand“ zu geben. Er appellierte an die Politik: „Landwirte könnten solche kommunalen Flächen auch pflegen. Warum sollte da kein Geld fließen?“ Der Freistaat stehe in der Pflicht, Fördertöpfe zu schaffen.

Bienen sind auf blühende Pflanzen angewiesen.

Bienen sind auf blühende Pflanzen angewiesen. © Soeren Stache, dpa

Tipps gaben die Experten den Bürgermeistern ebenfalls mit auf den Weg. Der Zeitpunkt der Maßnahme sei laut Weber entscheidend, eine „kleine Katastrophe für die Biodiversität“ sei, wenn alle Flächen zur selben Zeit gemäht werden. Er empfahl eine gestaffelte Mahd. Die Pflege solle sich an den Arten orientieren. Ein Mulcher bedeute oft den Tod für Insekten, besser sei ein Balkenmäher mit niedrigerer Geschwindigkeit und mehr Abstand zum Boden. Das Mähgut solle abgefahren werden, verstopfe es doch bei Regen Durchlässe. Weiterverwertung in Biogas, Kompost oder Futter wäre ideal. „Vielleicht haben wir da nicht schnell genug gehandelt“, meinte Weiß, wurde doch vor einigen Jahren erst ein neues Mulchgerät angeschafft.
„Es wird nicht alles möglich sein, aber wir wollen schon versuchen, das Möglichste rauszuholen“, sagte Weiß. An die Bürgermeister appellierte er, in der kommunalen Familie für Akzeptanz zu werben. „Schritt für Schritt in die richtige Richtung. Es muss halt praktikabel sein. Anders geht es nicht.“

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