Streit treibt SC Eltersdorf in den Abgrund

06.10.2014, 18:48 Uhr
Streit treibt SC Eltersdorf in den Abgrund

© Klaus-Dieter Schreiter

Dass die Zusammenarbeit zwischen der Jugendleitung und der Abteilungsleitung seit langem gestört ist, pfeifen in Eltersdorf die Spatzen von den Dächern. Der sportliche Leiter Seniorenfußball, Joachim Uhsemann, macht Fußball-Jugendleiter Jörg Markert für die schlechte Stimmung verantwortlich. Der habe sogar dafür gesorgt, dass der langjährige und verdiente zweite Vorsitzende Joachim Besgen durch den Markert- Treuen Heinz Peter Fischer ersetzt worden sei. Die Wahl sei zwar demokratisch erfolgt, jedoch sei sie durch Neumitglieder entschieden worden, die teilweise nach der Wahl wieder ausgetreten seien, sagt Uhsemann. Die Abwahl Besgens sei mit sechs Stimmen Mehrheit erfolgt. Der Streit gehe bereits so weit, dass die Kommunikation zwischen den beiden Lagern nur noch schriftlich erfolge und die Schriftstücke von Rechtsanwälten abgesichert würden.

Gespräch abgelehnt

Nun soll offenbar auch Fußball-Abteilungsleiter Manfred Klier, der seit 37 Jahren im Amt ist, abgewählt werden. Klier bestätigte gegenüber den Erlanger Nachrichten, dass der ehemalige Chef der Kirchweihburschen, Stephan Brehm, bei ihm gewesen sei, um ihm mitzuteilen, er werde bei der Neuwahl gegen ihn antreten. „Ich habe dem jungen Burschen gesagt, er sei doch nur ein Strohmann von Markert, da ist er wieder gegangen“.

Einige Tage später hätten dann Markert und Brehm ein Sechs- Augen-Gespräch mit ihm gewollt. Das habe er abgelehnt, erzählt Klier. Markert betonte gegenüber den EN, er habe nur davon gehört, dass Brehm antreten werde. Es gebe auch noch einen weiteren Kandidaten. Aus seiner Sicht herrscht im Verein „eine Diktatur“, die Mitglieder wollten nicht mehr ruhig sein, es seien nur noch die Alten da, die nichts verändern wollten. „Wenn das nicht bald ein Ende hat, dann geht aus meiner Sicht der Verein den Bach runter“. Der Verein sei in den letzten zehn Jahren „kaputt“ gemacht worden, nur um in der Regionalliga oder Bayernliga spielen zu können. Die Jugend sei die einzige Abteilung, die mit ihren über 400 Mitgliedern Geld einbringe, dieses Geld aber werde anderswo ausgegeben. Von einem Vorstand sei nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung „wegen finanzieller Schwierigkeiten“ gefordert worden.

Die Reibereien bei den Fußballern sind auch für Außenstehende ersichtlich. So gibt es offenbar keine Durchlässigkeit zwischen der U23 und der Bayernligamannschaft. Dabei sollte die Nachwuchsmannschaft wie in anderen Vereinen üblich der Unterbau sein für das höherklassige Team. Auch bei der Zuteilung der Plätze für das Training scheinen die Belange der Bayernligamannschaft oft hintenan zu stehen.

Was aber schlimm ist für das Image des SC Eltersdorf: Die Fußball- Jugendleitung wirbt, wie von Vereinen aus der Nachbarschaft des SCE zu hören ist, junge Kicker bei ihnen mit großzügigen Geschenken ab. Darum sei das Verhältnis zum SCE „gestört“, meint ein Vereinsvorstand aus der Nähe. Es gebe sogar eine schriftliche Beschwerde über das Auftreten der Jugendleitung, sagt Spielleiter Peter Dürl. Jugendleiter Markert sei im Übrigen vor drei Jahren vom dritten Vorsitzenden Ottmar Lunemann entgegen den Satzungsvorschriften „installiert“, aber nicht gewählt worden, behaupten Dürl und Uhsemann. Ihnen kommt auch die soziale Komponente im Jugendfußball zu kurz. Die Anzahl der Nachwuchskicker habe sich in den letzten Jahren zwar von 150 auf 350 erhöht, doch würden viele Jugendliche nicht mehr aus Eltersdorf kommen. Etliche Nachwuchskicker aus dem Vorort würden bereits in anderen Vereinen spielen, weil beim SCE nur noch der Leistungsgedanke zähle. „Dabei möchten wir, dass der Verein auch über die Jugend und deren Eltern in den Ort eingebunden ist“, klagt Uhsemann.

Etliche Austritte

Bislang habe man die Querelen von der Bayernligamannschaft fern halten können, die zuletzt schlechten Spielergebnisse seien nicht auf die Streitereien zurückzuführen, meint Uhsemann. Er sagt aber auch, dass alle Spieler der Bayernligamannschaft Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen haben und den Verein im Winter verlassen könnten. „Wenn die Leitung abgewählt wird, werden Spieler gehen“. Darüber hinaus, so Uhsemann, hätten etliche wichtige Sponsoren ihren Abschied für den Fall angekündigt, dass die Abteilungsleitung abgewählt wird. Sogar eine komplette Abteilung hat angeblich schon den Abgang nach Tennenlohe vorbereitet. Offenbar wegen der Querelen.

Zudem hat es bereits etliche Austritte auch von langen und verdienten Mitgliedern gegeben.

In einem Schreiben an alle Vereinsmitglieder, das den EN vorliegt, kündigen der Vereinsvorsitzende Andreas Berlet und sein Kassier Hans Hörner sogar ihren sofortigen Rücktritt an, falls die derzeitige Abteilungsleitung nicht bestätigt wird. Weil offenbar beide Lager ihre Anhänger motiviert haben, werden auf der Abteilungsversammlung um die 200 Mitglieder erwartet.

Joachim Uhsemann blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft: „Ich plädiere dafür, Gespräche mit dem FSV Bruck zu führen, um eine Spielgemeinschaft zu bilden und mittelfristig gemeinsam in der Regionalliga zu spielen“, sagte er den EN. „Bruck ist ein Vorbild was die Jugendarbeit angeht“. Beim FSV Bruck scheint man auch bereits an eine Spielgemeinschaft mit dem SCE zu denken. Das jedenfalls klang auf deren Außerordentlichen Mitgliederversammlung letzte Woche durch.

 

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