Wichtiges Standbein

27.03.2010, 00:00 Uhr
Wichtiges Standbein

© Bernd Böhner

Hintergrund der jetzt gestarteten Aktion ist nicht nur die beständige Nachfrage von Eltern, deren Wünsche das Angebot von etwa 120 Plätzen im Stadtgebiet deutlich überschreiten. Beweggrund ist vor allem der von staatlicher Seite aus angeschobene Ausbau der Kleinkind-Betreuung, um die bislang oft beklagte Unvereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Bekanntlich wird es ab 2013 einen Rechtsanspruch für die Betreuung der unter Dreijährigen geben, ebenso wird derzeit der Krippenbau mit hohen staatlichen Zuschüssen gefördert.

Zugleich will man die Position der Tagesmütter und wenigen Tagesväter stärken, die künftig weitaus mehr als bisher in die Betreuung eingebunden werden sollen. Will heißen: Die Kommunen sind gehalten, zusätzliche Kräfte zu werben, um bereits über die Tagespflege ein gewisses Kontingent an Plätzen abdecken zu können - zumal die Arbeit der Tagesmütter und -väter längst der Betreuung in Krippen und Kindergärten gleichgestellt worden ist.

Modellstandort Erlangen

Dazu hat man in Berlin das von EU-Mitteln unterstützte »Aktionsprogramm Kindertagespflege« gestartet und im vergangenen Jahr 162 Kommunen als Modellstandorte für eine effektive Werbeaktion in der Tagespflege ausgewählt. Zu diesen Modellstandorten zählt seit Mitte 2009 auch Erlangen.

Die Hugenottenstadt will - so ihr ehrgeiziges Ziel - bis 2013 weitere 500 Plätze für unter Dreijährige schaffen, um auf eine Betreuungsquote von 35 Prozent zu kommen. Ein Drittel dieser Plätze soll die Tagespflege übernehmen; das Endziel sind somit etwa 180 Plätze.

Der in der Michael-Vogel-Straße 1d beheimateten Koordinationsstelle für Tagespflege stehen über das Berliner Aktionsprogramm 45000 Euro zur Verfügung, die für die jetzt angelaufene Werbeaktion verwendet werden, für eine befristet eingestellte Mitarbeiterin sowie unter anderem für die Qualifizierung neuer Tagesmütter.

»Diese Qualifizierung ist uns sehr wichtig«, betont Brigitte Bakalov, Leiterin der Koordinationsstelle. Wer Kleinkinder nicht nur betreuen, sondern auch altersgemäß fördern möchte, muss eine 160-stündige Grund- und Aufbauschulung durchlaufen, ehe er eine Pflegeerlaubnis erhält.

Ziel ist es, bis Oktober etwa 20 bis 25 neue Tagesmütter und -väter zu gewinnen. Dafür steht der Koordinationsstelle sogar eine Werbeagentur zu Seite, die auf verschiedensten Wegen Kontakt zu potenziellen Interessentinnen und Interessenten sucht.

Große Werbekampagne

Mittlerweile gibt es eigens entwickelte Internet-Seiten, Faltblätter, Großplakate, Anzeigen in den hiesigen Medien, ein Bodenplakat im Rathaus-Foyer sowie die gezielte Werbung über Infostände, die sich in den kommenden Monaten auf allen größeren Stadtteilfesten und Veranstaltungen finden werden, komplettieren die Werbekampagne. Zudem hat man Kontakt zur Agentur für Arbeit gesucht, um auf diesem Weg arbeitslose, pädagogisch geschulte Frauen und Männer ansprechen zu können.

Brigitte Bakalov sieht mit der groß angelegten Werbeaktion jedoch noch eine weitere Zielsetzung realisiert: »Damit können wir würdigen, was diese Frauen und Männer leisten. Wir können ihnen so auch eine Lobby geben.«

Weitere Informationen gibt es unter www.erlanger-tagesmutter.de und unter www.erlangen.de/Kinderbetreuung, sowie per Telefon unter 09131/861712 (Projektbüro, Fr. Bakalov) und unter 09131/861214 (Fachdienst Kindertagespflege, Fr. Brokmeier)