Zahnpatienten in Erlangen dringend gesucht
27.01.2018, 07:00 UhrAn ihren ersten "echten" Patienten vor gut einem Jahr kann sich Nathalie Breidebach noch gut erinnern: Es war eine Füllung, erzählt die junge Frau, die an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Zahnmedizin im neunten Semester studiert. Alles sei gut gelaufen, die Betreuung durch einen anleitenden Arzt sei gut und der Patient zufrieden gewesen.
"Das positive Feedback des Patienten war mir mit das Wichtigste", sagt Breidebach. "Weil es schön und spannend ist, mit Menschen zu arbeiten."
Umgang wird geübt
Noch stärker als zumindest bisher bei der Humanmedizin, wird eben dieser Umgang mit den Patienten im Zahnmedizinstudium schon sehr früh geübt: Die Studenten bekommen ein Gespür für das Arzt-Patienten-Verhältnis und sammeln Erfahrungen.
Zudem sind die Sitzungen mit Patienten im Studium zwingend vorgeschrieben: Jeder Studierende muss pro Semester eine bestimmte Anzahl von Behandlungen vorweisen. In der Prothetik, also beim Zahnersatz, können das etwa die Versorgung mit Kronen und/oder Brücken sein.
In den vergangenen Jahren war es für Universität und Zahnkliniken auch nicht schwer, ausreichend Freiwillige mit Problemen zu finden. Nun aber schlagen die Zahnmedizinstudenten ("Zahnis") mitsamt ihrer Fachschaft und den Zahnmedizinern des Universitätsklinikums Alarm: Die Studierenden finden immer weniger Patienten, die sich in den Zahnkliniken des Uniklinikums in der Glückstraße 11 behandeln lassen.
Die Folge: Die Studenten, die "leer" ausgehen, bekommen keinen Nachweis und müssen den Kurs wiederholen, dann aber stehen meist schon andere Behandlungen an.
"Es bildet sich bei den betroffenen Studenten ein Rückstau an Kursen", berichtet Fachschaftssprecher Zied Chaabane, "es wird von Semester zu Semester zeitlich enger." Sogar das Examen könne sich so verzögern.
Ein Grund für diesen Rückgang könnte die längere Dauer sein, die die Patienten in Kauf nehmen müssen. Die Studierenden brauchen für die Eingriffe mehr Zeit als fertige Zahnärzte. Zudem schauen Assistenz- und Oberärzte sich (fast) jeden Handgriff noch einmal genau an. Dieser Ablauf aber war früher auch schon so.
Weit wichtiger ist wohl jener an sich positive Gesichtspunkt, den der Leitende Oberarzt der Zahnklinik 2 — Zahnärztliche Prothetik, Prof. Stephan Eitner, nennt: "Die Prophylaxe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte zeigt Wirkung". Das heißt: Jüngere haben heutzutage bessere Zähne als noch vor 20, 30 Jahren und brauchen deshalb erst später im Alter Behandlungen des Zahnersatzes. Das zeige sich auch bei den eigenen Studierenden: "Unsere Studenten sind fast kariesfrei", sagt der 53-Jährige.
Dabei gibt es für Patienten der zahnärztlichen Prothetik neben der medizinisch hochwertigen Versorgung auch noch finanzielle Anreize: Bei abgeschlossener Behandlung erhalten die Patienten beim Eigenanteil einen Kostennachlass von zehn Prozent.
Zudem bieten die verschiedenen Zahnkliniken (etwa Kieferorthopädie) spezielle Sprechstunden und Ambulanzen an. Eine Versorgungslücke am Abend gibt es in Erlangen damit nicht: Der Notdienst der Zahnkliniken des Universitätsklinikums (Glückstraße 11) ist werktags (Montag bis Freitag) von 8 bis 21 Uhr über die Telefonnummer (0 91 31) 85-34 201 (Pforte) erreichbar.
Bei Unfall oder starker Blutung
Für schwere Verletzungen durch Unfall oder Gewalteinwirkung, starke Blutungen oder ausgedehnte entzündliche Prozesse im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich mit deutlicher Einschränkung des Allgemeinzustands (zum Beispiel Fieber, Schüttelfrost, Schluckbeschwerden) gibt es eine weitere Anlaufstelle.
Hierfür ist die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik in der Chirurgischen Notaufnahme (Krankenhausstraße 12) rund um die Uhr da, Tel.: (0 91 31) 85-33 260/-33 255.
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