Ein Blasentee mit klebriger Nebenwirkung
24.05.2012, 00:00 Uhr
FORCHHEIM — Moritz hat sich diesmal Mango gekauft. Jetzt sitzt er mit seinen Kumpels auf einer Bank am Forellenbrunnen, nur ein paar Meter vom Bubble-Tea-Shop entfernt, und hat den extra-dicken Strohhalm lässig im rechten Mundwinkel stecken.
Drei Euro hat er für den Plastikbecher-Spaß hingelegt. „Der Preis geht“, findet der Junge, dessen richtiger Name hier nicht erscheinen soll. Man muss kein Mathegenie sein, um auszurechnen, wie viel Taschengeld ihm bleibt, wenn er 15 Euro im Monat erhält und sich einmal pro Woche das In-Getränk leistet.
Seit einigen Tagen hat die unscheinbare Tee-Bar unter asiatischer Leitung in Forchheim geöffnet. Das Schaufenster in der Hornschuchallee ist schmucklos, ein handgeschriebener Zettel weist darauf hin, dass das vorherige Nagelstudio umgezogen ist. Keine Auslage, keine Werbung. Doch auf Facebook schnellen die Daumen junger User für den Shop nach oben.
Der Innenraum des Ladens ist vor allem orange und leer. Eine Tafel mit den Angeboten, eine Bar, Kasse – das war’s. Preis: zwischen drei und 3,50 Euro je Becher. Wer unter der Woche bis kurz nach 13 Uhr wartet, der merkt schnell, wofür die kahle gekachelte Fläche gut ist: Die Schüler drängen in den Shop, der Platz reicht kaum mehr. „Und? Welchen probierst du heute?“
Gestartet hat das intensive Getränk seinen Siegeszug in Taiwan, schwappte dann in die Großstädte und kam über Berlin nach ganz Deutschland. Nun tropft es in die Kleinstädte. Und die Kritik lässt nicht auf sich warten.
„Gesunder“ Drink?
Zwar geben sich die Hersteller alle Mühe, ihre Mischung als gesunden Drink zu verkaufen, doch die Krankenkassen schlagen Alarm: Leere Kalorien und Zucker über Zucker – ein ungesunder Dickmacher.
Moritz und seine Kumpels lassen sich davon den Spaß nicht verderben. Kurz bevor der Becher ausgeschlotzt ist, folgt Teil zwei des Bubble-Vergnügens – und der geht auf Kosten der benachbarten Geschäftsinhaber.
Die übrigen „Tapioka-Perlen“ werden mit dem Trinkhalm aufgespießt. Dann: anlegen, zielen, pusten – Treffer! Die heidelbeer-großen Kugeln landen auf ihrem Ziel, beispielsweise an der Schaufensterscheibe des „Messer, Scher und Licht“.
„Eine schöne Sauerei ist das“, sagt die Verkäuferin Walburga Pieger und reibt mit dem Fingernagel an dem klebrigen Fleck an der Fensterscheibe. Jeden Tag darf sie die hartnäckigen Bubble-Reste wegwischen. Auch die Fensterscheibe des Handyladens hat eine Tapioka-Zierde erhalten.
Moritz und seine Freunde haben ausgetrunken und alle Kugeln verschossen — die Plastik-Becher landen im Brunnen. Lediglich ein Mädchen aus der Fünfer-Gruppe geht zum Papierkorb und entsorgt den Becher.
Der Müll ist ein weiterer Nebeneffekt. „In den ersten Tagen habe ich ständig die Plastikbecher und Trinkhalme vor dem Laden weggeräumt“, sagt Walburga Pieger.
Den Plasikmüll habe sie dann auch mal den Inhabern vor den Laden gestellt. Dort wurde er kommentarlos entsorgt. Jede weitere Kommunikation mit den asiatischen Inhabern scheiterte bislang an sprachlichen Barrieren.
Hinweis für die jungen Kunden
Keiner der betroffenen Geschäfte will den neuen Nachbarn Böses. „Die haben ja auch erst angefangen“, zeigt etwa Rüdiger Krehl vom O2-Handy-Laden Verständnis. Doch wenn die Situation anhält, wollen einige darauf drängen, dass es im Shop einen Hinweis gibt: Die Kundschaft habe die Reste zu entsorgen und die Kugeln nicht als Munition zu nutzen.
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