Glasfaser für schnelles Internet
12.04.2011, 17:47 Uhr
Weitsichtige Planung zahlt sich aus. In Kunreuth gibt es bereits seit Jahren ein ehrenamtliches Internet-Team. Seit etwa drei Jahren beschäftigt es sich mit der Umsetzung einer schnellen Datenversorgung. „Die datenmäßig hochleistungsfähige Erschließung ist ein zentraler Standortfaktor für die Gemeinden, entscheidend für Bürger und Gewerbetreibende, vor allem auch für Neuansiedlungen, eine Chance für unsere Dörfer, für unseren ländlichen Raum“, umreißt Bürgermeister Hermann Ulm die Brisanz des Themas.
Ein entscheidungsfreudiger Gemeinderat und der Experte Harald Freund aus dem Internetkreis schafften im Team das, womit sich der ganze Landkreis Forchheim schwer tut. Freund wurde vom Gemeinderat zum Breitbandpaten ernannt und wickelte das Thema beispielhaft ab. Konsequent sorgte er für die nötigen Schritte, wie die Ist-/Bedarfsanalyse, Machbarkeitsuntersuchung, Ausschreibungen, Markterkundungs- und Auswahlverfahren. Er nahm an Gesprächen mit der Regierung teil, wirkte bei der Erstellung der Förderanträge mit.
Bürgermeister Ulm und Harald Freund stellten ihr Konzept im Herbst 2010 der Bezirksregierung vor. Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Telecom im Wettbewerb mit Privatanbietern präsentierte ein attraktives Angebot. Anfang Dezember stellte die Gemeinde den Antrag für „Zuwendungen nach dem Zukunftsinvestitionsgesetz, Konjunkturpaket II“, der sich auf die „Richtlinie zur Förderung der Breitbanderschließung in ländlichen Gebieten“ stützt. Wenig später kam der positive Bescheid für die Mittel des Bundes aus Bayreuth. Knapp 90000 Euro werden fließen, knapp 38000 Euro bringt Kunreuth auf.
„Kabelsalat“ liegt parat
Die zweiwöchigen Bauarbeiten am Ortsausgang Kunreuth in Richtung Weingarts werden von der Firma Fernleitungsbau Niebler aus Roth ausgeführt. Von Mittelehrenbach kommend sieht man jetzt auf dem Gelände des Funkturms der Telecom, am Netzknoten vor Kunreuth, das angelieferte Material, bunte „Speedpipes“, wie die Leerrohre heißen. Dahinter liegen in großen Rollen schwarze Leerrohre mit sieben Zentimeter Durchmesser.
Vor Ort erläuterte Bauleiter Robert Ultsch die Vorgehensweise. Sieben Speedpipes sollen später zusammen in den schwarzen Rohren Platz finden. Nur eines davon wird mit dem Glasfaserkabel belegt. Alle anderen sind als Reserve gedacht für spätere Erweiterungsmöglichkeiten. Harald Freund nimmt das begehrte Kabel zufrieden in die Hand. „Die Gemeinde ist damit gut gerüstet für die Zukunft“, ist er überzeugt. Freund, Bürgermeister Ulm und der Bauleiter verfolgen den Spatenstich am Abzweig nach Ermreus vor einem Fachwerkgebäude. Vom Netzknoten bis hierher liegt bereits ein Leerrohr der Telecom, das erleichtert einiges, das Dorf bleibt weitgehend von Grabarbeiten verschont.
Vom Straßenabzweig nach Ermreus bis auf die Höhe des Kindergartens begleitet das Kabel später die Straße, um dann links der Verbindungsstraße auf einer vormarkierte Strecke zum Kabelverzweiger (KVz) in Weingarts, zwei Kilometer entfernt, verlegt zu werden. Dieser KVz wird nun mit schneller DSL-Technik ausgebaut. Die Gemeinde schafft zudem die Grundlage für eine künftige Erweiterung der Bandbreite durch VDSL-Technik.
Kunreuth hatte bisher schon eine schnelle Verbindung. Ermreus partizipiert durch seine Nähe. Weingarts bekommt jetzt den schnellen Anschluss. Regensberg wird als relativ kleiner Ort über Funktechnik, bekannt als LTE, ebenfalls hochleistungsmäßig erschlossen. Kurzfristig kann die Gemeinde Kunreuth von sich behaupten, für die Zukunft optimal gerüstet zu sein. 70 Prozent, maximal jedoch 100000 Euro, sind an Zuschüssen zu erwarten. 62 von 214 Gemeinden im Bezirk, so Thomas Engels, zuständiger Abteilungsleiter der Regierung von Oberfranken, haben bisher die Förderzusage erhalten. 20 positive Bescheide wird es im April geben. Das Förderprogramm, das bis Ende 2011 läuft, sei insgesamt ein schöner Erfolg.