Kläranlage kurz vor der Klärung

19.08.2009, 00:00 Uhr

Umso erstaunter waren die Mitglieder des Marktgemeinderates Hiltpoltstein und die anwesenden Zuhörer, als Gemeinderätin Petra Maderer den Antrag stellte, die Beschlussfassung noch einmal zu vertagen. Aber damit fand sie keine Zustimmung aus dem Gremium und auch Bürgermeisterin Gisela Bauer lehnte eine weitere Verzögerung rundweg ab.

Der anwesende Planer Helmut Resch erläuterte noch einmal das angewandte «Drei-Los-Verfahren», das eine Aufteilung nach Bau-, Maschinen- und Elektrotechnik vorgesehen hatte. Für das erste Los, die Ausführung der Bauarbeiten, hatte sich eine Firma aus Pegnitz mit einem Angebotspreis von rund 742 000 Euro qualifiziert. Bei der Maschinentechnik hatte eine Firma aus Sonneberg mit 502 000 Euro das günstigste Angebot abgegeben und die Vergabe der Elektrotechnik fiel mit 251 000 Euro an eine Firma aus Cham.

Aber Planer Resch hatte noch einen Trumpf, die «Biocos-Anlage» einer Bayreuther Firma. Zunächst die Firma aus Sonneberg: Sie hatte eine konventionelle Membranfilteranlage angeboten, die durch geringe Porengröße feinste Partikel aus der Flüssigkeit herausfiltert. Die Membran hält diese Stoffe zurück, ohne sie physikalisch oder chemisch zu verändern.

Vorteil: wenig Platzbedarf

Die Anlage erfüllte die hohen Qualitätsanforderungen und erzielt eine Badewasserqualität nach der neuesten EU-Richtlinie. Die Vorteile liegen im geringen Platzbedarf, kompakter Bauweise, einem Verzicht auf ein Nachklärbecken und hervorragender Ablaufqualität.

Das Biocos-Verfahren ist eine einfache und wirkungsvolle Weiterentwicklung des klassischen Belebtschlammverfahrens und der Einbeckentechnologie. Diese Anlage nach dem Durchlaufverfahren zeichne sich durch eine kompakte Bauweise, geringen Platzbedarf bei hoher Reinigungsleistung, einen problemlosen Winterbetrieb und eine bewährte Maschinentechnik aus. Die Mehrkosten in Höhe von rund 37 000 Euro für die Biocos-Version werden, wie der Ingenieur den Marktgemeinderäten vorrechnete, durch eine günstigere jährliche Wartung - um knapp 15 000 Euro - in weniger als drei Jahren ausgeglichen.

Hinzu komme, dass die Zahl der Verschleißteile geringer sei. Die Bürgermeisterin sprach sich für die Biocos-Anlage aus, weil sie, nach ihren Worten «den Bürgern nicht mehr an finanziellen Lasten aufbürden möchte, als ohnehin auf sie zukommen».

Viele Fragen an den Planer Resch ließen noch Unsicherheiten bei den Mitgliedern des Marktgemeinderates erkennen. Bei der anschließenden Abstimmung votierten die vier Mitglieder der CSU-Fraktion geschlossen sowie Karl-Heinz Braun (SPD), Petra Maderer (BfH) und Gerhard Prütting (FW) mit insgesamt sieben Stimmen gegen die Stimme der Bürgermeisterin und vier weiterer Ratsmitglieder für die Lösung und das Angebot der Firmen aus Pegnitz und Sonneberg.