Start mit Schubkarre und Schaufel
03.08.2011, 15:29 Uhr
Nicht zuletzt aus dem Absturz eines Flugzeugs aus Prag am 28. März 1961 im Flurgebiet von Oberrüsselbach, bei dem 52 Menschen ums Leben kamen, sei der Gedanke zu einem THW-Stützpunkt in Kirchehrenbach geboren worden. „Denn unser Gebiet ist damals wie heute eine Einflugschneise für den Nürnberger Flughafen“, machte Wolfgang Schneider bewusst.
Mit den Ausbildern kamen die ersten Gerätschaften aus Forchheim, im damaligen Gasthaus Zimmermann wurde die Ausbildung gelehrt, in der Schulscheune stand das erste Mannschaftsfahrzeug – ein in Forchheim ausgemusterter Borgward.
1966 wurde aus dem Stützpunkt ein von Otto Kraus geführter, eigenständiger Ortsverband. Die Gemeinde stellte dafür das Erdgeschoss des Feuerwehrhauses mit drei Garagen zur Verfügung. „Aus dem einstigen „Luftschutzhilfsdienst“ hervorgegangen, hatten es die THWler nicht leicht: „Wir wurden als ,Nazibuben‘ beschimpft und bald prangte an der Unterkunft ein Hakenkreuz“, erinnert sich Wolfgang Schneider. Aber die maßgeblichen Männer wie der erste Bergungszugführer Josef Dietz, Gruppenführer Georg Gebhardt oder Kraftfahrer Georg Amon hätten sich davon nicht irritieren lassen.
Auch Schirrmeister
Schneider war für die Führungsaufgabe im Ort sowie das „Schirrmeisteramt“ auch im THW Forchheim prädestiniert: Auf Verbandslehrgängen in Bergungseinsätzen geschult und mit drei Fahrzeugen sowie allen Gerätschaften ausgestattet, erreichten die rund 40 Helfer durch den Aufbau einer Zeltstadt bei der Olympiade 1972 in München, nach Einsätzen bei Sturmschäden wie 1977 in Oberlindach, mehreren Brückenbauten zum Beispiel nach dem Eisregen von 1986 sowie Rettungsaktionen bei Verkehrsunfällen und Hochwasser bald hohes Ansehen.
1986 wurde der Übungsplatz an der Wiesent fertig gestellt, eine THW-Jugendgruppe im gleichen Jahr gegründet. Sehr enge Verbindungen pflegte Schneider zu Franz Georg Turek und dessen Betreuungsleitzug in Dürrbrunn; Transportdienste für den unmotorisierten Zug gehörten zum Dienstbetrieb. Tureks Draht zum Landratsamt war wiederum bei „Freistellungsgesuchen“ von Wehrpflichtigen hilfreich.
1991 machte der Ortsbeauftragte Platz für seinen Nachfolger Thomas Albert: „Junge Leute denken, reden und handeln anders wie wir“, begründete Wolfgang Schneider seinen Rückzug. Die Verbindung zum THW jedoch ist nie abgerissen. „Das Technische Hilfswerk ist heute wichtiger denn je, denn es gibt immer breitere Launen der Natur.“ Die Hände in den Schoß zu legen, das ist nicht die Einstellung des inzwischen 73-Jährigen: Vom Stützpunkt Nürnberg aus geht Wolfgang Schneider seit 28 Jahren als Wetterbeobachter in die Luft. Während der Trockenheit war er heuer schon zweimal über der Fränkischen Schweiz im Einsatz.