Trommeln gegen verkaufsoffenen Sonntag

18.04.2011, 18:22 Uhr
Trommeln gegen verkaufsoffenen Sonntag

© Mark Johnston

Kirchen, Gewerkschaften und andere Sozialverbände haben den verkaufsoffenen Sonntagen den „Kampf“ angesagt. Die SPD Forchheim lud in Kooperation mit Allianz für einen freien Sonntag – einem Bündnis aus Sozialverbänden, Gewerkschaften und den beiden großen Kirchen— jüngst zu einem Podiumsgespräch in den Klostersaal ein, wo Gegner des verkaufsoffenen Sonntags ihre Argumente für eine Abschaffung solcher Aktionen vorbrachten.

Julia Velten von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) Bamberg stellte im Rahmen des Podiumsgespräches die Ergebnisse einer Fragebogenaktion vor, die von der KAB unter den Forchheimer Geschäftsleuten gemacht wurde. Man habe dazu 100 Fragebögen an Geschäftsleute in Forchheim verteilt; der Rücklauf lag bei 67. 33 Prozent der Fragebögen wurden von den Geschäften aus der Fußgängerzone zurückgeschickt; 46 Prozent aus dem Randgebiet der Fußgängerzone und 15 Prozent von Geschäften die von der Fußgängerzone weiter entfernt sind.

Sechs Tage reichen

Die Kernbotschaft der Antworten: „Deutlich wird, dass die Mehrheit der Geschäftsleute verkaufsoffene Sonntage überflüssig findet, lediglich 37 Prozent der zurückgeschickten Bögen finden diese gut.“ Viele der Befragten seien der Meinung, dass sechs Tage pro Woche eigentlich reichen sollten, um alle Einkäufe zu erledigen. Geschäftsleute, die ein Fachgeschäft besitzen, äußerten, dass die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten ihnen schadet, da sie nicht mit „billigen“ Arbeitshilfen arbeiten können.

Die Mehrheit der Befragten wünscht lediglich ein bis zwei Sonntage und nicht vier, wie es in Forchheim derzeit Praxis ist. 63 Prozent finden ein bis zwei, 35 Prozent drei bis vier verkaufsoffene Sonntage gut. Auf die Frage nach der betriebswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit von verkaufsoffenen Sonntagen, äußerte sich die Mehrheit der Einzelhändler, dass diese verkaufsoffenen Sonntage sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht gelohnt hätten. „Jeder kann den Euro nur einmal ausgeben“, so Velten.

Die Mehrheit der Angestellten (59 Prozent) komme nur, weil sie verpflichtet sei. 30 Prozent gehen davon aus, dass ihre Angestellten gerne kommen. Gründe dafür sind in den meisten Fällen jedoch ein doppelter Lohn oder doppelter Freizeitausgleich. Von Seiten der Gewerkschaften war von Ausbeutung und Erpressung die Rede.

2009 hat der Stadtrat beschlossen vier verkaufsoffene Sonntage, also die momentan gesetzlich zulässige Höchstzahl, zu erlauben. Laut Ausführungsbestimmungen zum Ladenschluss müsste dieser Beschluss jährlich bestätigt werden; der Verweis „bis auf Widerruf“ sei nicht zulässig. „Kirchen und Gewerkschaften müssten ebenfalls mit gehört werden“.

„Bei uns wird durchgewechselt“

Die NN haben sich einmal bei Geschäftsinhabern und Angestellten in Forchheim umgehört. Christine Witzigmann (44) aus dem Steigerwald arbeitet als Gartenbautechnikerin im Gartencenter Samen Hoffmann in Forchheim. „Bei uns wird durchgewechselt, so dass nicht jeder an allen vier Sonntagen dran kommt“, so Witzigmann. „Wir dürfen dafür ein anderes Mal frei nehmen und das aufgebaute Zeitguthaben aufbrauchen“. Gut findet sie, dass auch von der „Chefetage“ an den verkaufsoffenen Sonntagen mitgearbeitet wird.

Hans-Peter Sigle, Hausleiter im Möbelhaus Fischer Forchheim, lobt: „Wir müssen unsere Mitarbeiter nicht rein zitieren, die kommen freiwillig. „Wir haben für die Mitarbeiter ein Gesamtpaket geschnürt an Freizeitausgleich und bieten noch ein Mittagessen, oder nach getaner Arbeit ein gemütliches Beisammensein, wo die Firma Essen und Getränke übernimmt“. Sigle sieht die vier verkaufsoffenen Sonntage durchaus als positiv an. An solchen Tagen kämen viele auswärtige Kunden aus Nachbarstädten, „Kunden, die wir sonst nicht hätten. Für uns ist es ein Imagegewinn.“