Appetitlicher Kulturaustausch
16.09.2009, 00:00 Uhr
Ausgerechnet das Essen spielt im Fastenmonat Ramadan eine große Rolle. Weil Speis und Trank für gesunde Gläubige tagsüber streng verboten sind, wird für die erst nach Sonnenuntergang erlaubte Mahlzeit umso größerer Aufwand getrieben. Das ist dann meist mit Einladungen zu größeren Tafelrunden verbunden.
Der ausgesprochen soziale Charakter des so genannten Iftar-Essens beflügelt auch den Appetit, so dass die Waage nach dem Ramadan manchmal mehr anzeigt als davor. Auch Ditib hat es sich in Fürth zur Tradition gemacht, zur Fastenbrechfeier Freunde und Nachbarn ohne Ansehen ihrer Nationalität und Religionszugehörigkeit einzuladen.
Das Gemeindezentrum neben der Mevlana-Moschee in der Steubenstraße war dabei stets bis zum letzten Platz gefüllt. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gehörten bisher schon zu den Gästen. Doch Metin Cikrik, der Vereinsvorsitzende von Ditib, wollte nicht immer nur dieselben offiziellen Vertreter begrüßen, sondern auch neue Gesichter interessierter Bürger. Schließlich sei das Iftar-Essen auch dazu da, sich den nichtmuslimischen Mitbürgern einmal gesellig zu
präsentieren.
Vor einem Jahr schon entstand in Fürth die Idee zu einer großen öffentlichen Veranstaltung. «Wir wollen Fürth etwas von der Freundlichkeit zurückgeben, die die Stadt uns gegenüber an den Tag legt», sagt Cikrik. Dabei freut es den Vereinsvorsitzenden, dass die Fürther Stadtverwaltung bei der Umsetzung der Idee so gut mitgespielt hat.
600 Gäste
Das Zelt mit angrenzendem Außenbereich bot Platz für 600 Gäste. Viele Einladungen waren verschickt worden, und die Resonanz war enorm. Im Handumdrehen füllten sich die Reihen der Bierbänke. Den Zelteingang flankierten Mädchen in bunten Trachten des osmanischen Reiches. Sie erklärten neugierig gewordenen Passanten den Hintergrund des Iftar-Festes. Neben etlichen spontanen Besuchern kamen erneut prominente Vertreter aus Politik und Kirche.
Nach Sonnenuntergang tönte der Ruf des Muezzins über die Fürther Freiheit. Das war das Startsignal zur Auseinandersetzung mit den herbeigeschafften Gaumenfreuden. Den Anfang machen traditionell Datteln und Pide-Brot. Jeder Gast bekam einen Teller mit Delikatessen: Verschiedene Vorspeisen und Salate, ein Schüsselchen mit roter Linsensuppe, sowie Reis mit Geflügel als Hauptgericht und eine süße Nachspeise genannt «Tulumba ratlisi».
Eingestimmt wurden die Gäste im Zelt von einem bunten Rahmenprogramm mit Musik, Tanz und einer Modenschau traditioneller Trachten. 41 Gewänder aus dem alten osmanischen Reich führten die jungen Frauen schwungvoll vor. Den textilen Blickfang hatte Cemalettin Özdemir, Leiter der Nürnberger Begegnungsstätte «Medina», zur Verfügung gestellt.
Die reich verzierten Trachten aus verschiedenen Epochen und Regionen des einstigen Großreichs gehören zu den Ausstellungsstücken des Vereinsmuseums. Özdemir klärte Interessierte bereitwillig darüber auf, dass man anhand bestimmter Kennzeichen - etwa die Art der Ärmel - das Herkunftsgebiet der Gewänder ermitteln kann.
Hohes Lob zollten den Veranstaltern die Ehrengäste, allen voran Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung und SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, unterwegs auf Wahlkampftour in Fürth. Die Integrationsarbeit von Ditib sei vorbildlich.