Die Bademeisterin im Winterdienst

17.12.2010, 13:45 Uhr
Die Bademeisterin im Winterdienst

© Scherer

Im Sommer in kurzer Hose und T-Shirt auf Kontrollposten am Beckenrand, winters dick eingepackt mit zwei Paar Socken in den gefütterten Schuhen und einer Jogginghose unter der orangefarbenen Dienstmontur auf einer der vielen Treppenanlagen mit der Schneeschaufel in der Hand: Die Bademeisterin vom Naturbad absolviert ein Kontrastprogramm. Von ihr sind Allrounder-Qualitäten gefordert.

Dass die Fachkraft für Bäderbetriebe in Großhabersdorf während der kalten Jahreszeit im siebenköpfigen Bauhof eingespannt werden sollte, machte die Stelle zu einem „Problemposten“, wie Thomas Seischab, Geschäftsleiter im Rathaus, berichtet. Allerdings nicht für Lisa Forte. Binnen zwei Wochen entschied sie sich, nach Großhabersdorf zu ziehen. Gleich nach ihrer Abschlussprüfung als Bäder-Fachkraft fing die Tirschenreutherin im Juli im Naturbad an.

Prima fürs Klima

Im Freibad wie im Bauhof bewegt sie sich in einer Männerdomäne. Was die junge, zierliche Frau nicht stört. Sie kennt es nicht anders. Auch in ihrem Ausbildungsbetrieb, einem Kurbad in der Oberpfalz, war das Team eine Herrenrunde. Weniger könnte sie sich vorstellen, ausschließlich mit Frauen zusammenzuarbeiten. „Das wäre sicher schwieriger.“

„Dem Betriebsklima im Bauhof tut sie auf jeden Fall gut“, sagt Kollege Paul Zeiher. Er teilt sich die Schichten im Freibad mit Lisa Forte. Däumchen drehen die beiden trotzdem nicht, wenn das Wasser im Schwimmerbecken wie jetzt unter einer geschlossenen Eisdecke und die hölzernen Ruhebänke unter einer Schneehaube liegen. Sind die 37 Kilometer Ortsstraßen, die Gehwege, Treppen oder Bushaltestellen vom Schnee befreit, werden Büsche oder Bäume zurückgeschnitten, Straßen ausgebessert oder gemeindliche Liegenschaften gepflegt.

Und im Bad gibt es trotz Winterpause immer etwas zu tun. Der Technikraum, in dem die Filterpumpen standen, die Kiesbett, Seerosen, Schilfgras und Wasserfloh im Freien jetzt überflüssig machen, bekommt einen neuen Boden, damit er als Lagerraum genutzt werden kann. Gefliest hat Lisa Forte noch nicht.

„Jetzt lern’ ich’s eben und mach einfach drauf los. Wenn’s was wird, dann passt’s“, meint sie. „Und wenn nicht, dann red’ mer halt drüber“, ergänzt Zeiher. Beim Motorsägenkurs, den sie gerade absolvierte, „hat sich manch anderer weniger geschickt angestellt“, berichtet sie. Auch beim Pflastern wurde die junge Frau schon beobachtet. Die altgedienten Kollegen mimten die Handlanger und reichten ihr die Steine zu. „So anstrengend war’s nicht“, verteidigt das Küken im Team ihre Kollegen. „Die Pflastersteine waren klein.“

Lisa Forte findet, dass sie’s „gut erwischt hat“. Von ihren Berufskollegen weiß sie, dass viele Freibäder oft nur Saisonkräfte einstellen. Im Winter können sie dann Stempeln gehen. Da ist ihr die Ganzjahresstelle doch lieber, selbst wenn die im Winter vollen Krafteinsatz fordert. Dass die Bibertgrund-Gemeinde auch ihre zwei Bademeister ganzjährig beschäftigt, stand laut Seischab nie in Frage. „Wir stellen unser Personal gern langfristig an und wollen Perspektiven bieten“, erklärt er. Und man sei der Meinung gewesen, dass es nicht schaden kann, wenn im Freibad eine Frau dabei ist, erläutert er die Gründe, die Oberpfälzerin zu engagieren.

Der Einsatz im Bauhof ist mit dem im Bad nicht zu vergleichen: „Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe“, so die Bademeisterin. Die Arbeitszeiten findet sie im Winter fast besser, selbst wenn sie um 5 Uhr morgens anfängt. Dann ist um 14 Uhr Feierabend und sie kann noch schwimmen gehen. Derzeit witterungsbedingt allerdings im Hallenbad Langenzenn.

Das Großhabersdorfer Bad legte trotz des verregneten Sommer mit fast 30000 Gästen im Jahr eins nach dem Neubau eine Rekordsaison hin. Im alten Bad waren es im Schnitt nur halb so viele Besucher. Dass die Publikumsresonanz an der neuen Bademeisterin liegt, „könnte sein“, meint Seischab schmunzelnd.

Zeiher, 51, und Vater zweier erwachsener Kinder, jedenfalls wird um seine junge Kollegin beneidet. „Na doo geh i jetzt a zur Gemeinde“, hat Lisa Forte des Öfteren gehört. Aber bis zum nächsten Sommer dürften sich die Großhabersdorfer an das neue Gesicht gewöhnt haben. Und den schrillen Warnpfiff durch die Finger für über die Stränge schlagende Badegäste hat sie vielleicht bis dahin auch raus. „Den“, sagt Lisa Forte, „üben wir noch.“