Ein Jahr voller Langenzenner Sommerfrische
13.01.2015, 11:00 Uhr„Langenzenn liegt direkt an der Bundesstraße 8 (Südwesttangente) und ist dadurch sehr gut an das Ballungszentrum Nürnberg/Fürth angeschlossen.“ Nichts für ungut, liebe Wikipedia-Schreiber, aber Leser könnten rasch auf die Idee kommen, dass mit eurem Satz gemeint ist: Bei toter Hose und grassierender Langeweile reicht ein Hopser auf der B 8, schon ist auch der erschlaffte Langenzenner dort, wo der Bär steppt, der Kulturbär zum Beispiel.
Interessanterweise gibt es aber genug Fürther und Nürnberger, die ihrerseits Langenzenn für ein Ballungszentrum halten. Es dürfte jedenfalls kaum an der B 8 allein liegen, sondern eher an so etwas wie Qualität, dass die Klosterhofspiele des Sommers 2014 ein Zuschauerplus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichneten. Macht 5400 Besucher, die dem „Sommernachtstraum“ in der Inszenierung Frank Landuas beiwohnten. Keine einzige der 17 Freiluft-Aufführungen fiel zudem ins Wasser.
„Freiluft“, das war einmal die Kernkompetenz der Langenzenner, als sie 1982 mit Goldonis „Mirandolina“ erstmals den Beweis antraten, dass gut gemachtes Laien-Theater kein Privileg der Ballungsräume sein muss. Doch längst drängt es den Verein — derzeit etwa 150 Mitglieder und weitere 50 Jugendliche — zum Spielen auch in unwirtlichen Jahreszeiten. Das Winterstück, Ende 2013 zum ersten Mal und mit Erfolg im Kulturhof Altes Kino ausprobiert, betrachtet Vorstandsmitglied Sonja Soydan auch im zweiten Jahr noch als „Versuchslauf“. Auf „Die Wirtin“ ließ das Ensemble heuer „Ein ungleiches Paar“ folgen; mit der Komödie touren die Langenzenner auch Richtung Ballungsraum, wo sie etwa am 23. Januar in Burgfarrnbachs „Tulpe“ erwartet werden. Ausverkauft sind die beiden Termine am kommenden Wochenende in der Kulturscheune Knorr.
Eine plausible Begründung, warum die Klosterhofspiele keine astreine Sommermarke mehr sind, hat Soydan obendrein parat: „Wir haben unwahrscheinlich viele engagierte Frauen, die aber im Sommer keine Zeit haben“. So entstand die Idee, „Ein ungleiches Paar“ für ein Damenensemble umzusetzen.
Wer rastet, scheint in Langenzenn ganz besonders zu rosten: „Mittlerweile sind wir ein Vier-Sparten-Theater“, sagt Ehrenmitglied und kaufmännischer Leiter Jürgen Klostermeyer. Neben den sommerlich wie winterliche aktiven Erwachsenen agieren seit 2001 die 24 „Klostermäuse“-Kinder, deren „Peter Pan“ 2014 die Zuschauer-Gesamtzahl auf 10 000 hochschnellen ließ, sowie der Jugendttheaterclub Klappe, dessen 20 Akteure seit 2012 von Frank Landua angeleitet werden.
Überhaupt, Landua: Der Regisseur, Autor und Schauspieler, der sich den Langenzennern 2012 mit „Die drei Musketiere“ vorstellte, hat bei großen wie kleinen Klosterhof-Schauspielern offenkundig einen Stein im Brett. Bereits im Mai wurde der Vertrag mit dem 41-jährigen Mainzer um weitere drei Jahre verlängert. In wenigen Tagen, am 6. Februar, hat seine Inszenierung des Stückes mit dem einprägsamen Titel „Haste Scheiße am Schuh. . .“ für die Klappe Premiere im Gasthof Grauer Wolf (Schreiberstorberg 5, 19.30 Uhr, 12 Euro). Autor: Frank Landua. Erzählt wird die Geschichte von Thiemo, der in eine fatale „Karriere“ aus Entziehungsanstalt und Jugendarrest gedrängt wird. Seine Ex scheint der einzige Rettungsanker zu sein; doch sie hat ihre eigenen Sorgen. Der Premiere folgen vier Termine, so etwa am 7. und 8. März im Fürther Elan (Kapellenstraße 47).
Im Sommer 2015 jedoch müssen die Fürther die B 8 wieder in Langenzenner Richtung befahren. Im Klosterhof mit der romantischen Kreuzgang-Kulisse wird Jean-Baptiste Molières „Der Geizige“ am 12. Juni Premiere haben (20.30 Uhr 17-23 Euro) — zum zweiten Mal „Der Geizige“ nach 1988. „Es war“, so Klostermeyer, „unser erster Molière“, es folgten bis 2007 sieben weitere Werke aus der spitzen Feder des geistreichen Franzosen. „Immer, wenn wir Molière spielten, ging die Zuschauerkurve hoch“ — ein guter Grund, es 2015 noch einmal mit der Geschichte des knausrigen Harpagon zu versuchen. Den spielte damals Klostermeyer, Dirk Klemesch wird es in diesem Sommer sein. Bis 1. August folgen auf die Premiere 16 Aufführungen.
Die Klostermäuse stellen sich ebenfalls einer nicht ganz geringen Herausforderung, nämlich Paul Maars populärem Klassiker „Eine Woche voller Samstage“ — Premiere ist allerdings an einem Sonntag, nämlich am 5. Juli (16 Uhr, 9,50/7,50 Euro), sechs weitere Vorstellungen gibt es bis 1. August.
Sag niemals nie
Ein Jahr voller Konkurrenz ist es übrigens auch, denn der Theatervirus grassiert im Landkreis nicht zu knapp. Die Hans-Sachs-Spielgruppe, auch sie aus Langenzenn, hat ebenfalls die winterliche Rastlosigkeit gepackt; in der Comödie gab sie zur Jahreswende ihre schräge Gaudi „Der Watzmann ruft“, und im Mai folgt Ludwig Thomas „Moral“ daheim im Kulturhof. Die Cadolzburger Burgfestspiele werden im Sommer mit Fritz Stieglers „Mademoiselle Marie“ abermals auf Musicalpfaden wandern. „Die Fußball-WM als Konkurrent hat uns mehr zu schaffen gemacht als die Sachser und Cadolzburger“, bemerkt Klostermeyer lapidar. Von den Sporchern habe man zwölf Funkstrecken bekommen, ergänzt Soydan, „die Zusammenarbeit funktioniert prima“.
Frage: Wäre ein Musical nicht auch einmal für die Klosterhofspiele interessant? Soydan im Diplomaten-Modus: „Man soll niemals nie sagen.“ Klostermeyer: „Herausforderungen haben mich ein Leben lang gereizt.“ Naht da dereinst ein neuer Musical-Ballungsraum?
Für alle Produktionen der Klosterhofspiele 2015 läuft der Kartenvorverkauf — in Fürth im FN-Ticket-Point (Rudolf-Breitscheid-Straße 19, Tel. 77 98 70).
Keine Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen