Ein starkes Angebot
01.12.2009, 00:00 Uhr
«Die Pausen», sagt René Beckmann, «sind fast die wichtigste Zeit am Tag.» Im großen Getümmel auf dem Schulhof steht der Jugendsozialarbeiter an der Schwabacherschule – ebenso wie seine Kollegen in anderen Einrichtungen – für zwanglose Kontaktaufnahmen und erste Gespräche mit den Schülern bereit. «Da wird vielleicht zunächst nur nach einem Tischtennisschläger gefragt, aber irgendwann rücken die Jugendliche doch damit heraus, dass sie Probleme haben, über die sie dringend reden müssen.»
Vor neun Jahren begann an einer Fürther Schule die erste Jugendsozialarbeiterin mit ihrer Tätigkeit. Seit 2002 gibt es Unterstützung vom Freistaat dank des Förderprogramms «Jugendsozialarbeit an Schulen» (JaS). Die Ziele und Aufgaben sind anspruchsvoll und weit gesteckt. So sollen Aggressionen und Gewalt unter Schülern abgebaut, Probleme beim Erwachsenwerden erkannt und familiäre Konflikte gelöst werden.
Die Arbeit mit den Eltern gehört auch deshalb immer dazu. Die Angebote sind grundsätzlich ein Bindeglied zwischen Schule und Jugendhilfe. Außerdem steht natürlich stets die Kooperation mit anderen sozialen Diensten zur Verfügung.
Ingrid Wenk, Jugendsozialarbeiterin an der Pfisterschule, macht klar, dass die Adressaten zumeist benachteiligte junge Menschen sind, die durch ihr Verhalten auffallen.
Zum Kreis der Angesprochenen gehören aber zum Beispiel auch Schülerinnen und Schüler, die sich als Außenseiter oder Mobbingopfer fühlen, die Ärger mit der Clique haben oder an Lernschwierigkeiten leiden.
Zu den Möglichkeiten zählen dann unter anderem: Klärende Gespräche mit allen Beteiligten. Ideen und Angebote für eine sinnvolle Freizeit oder für schulbezogene Projekte. Unterstützung bei der Berufsfindung und Bewerbung. Konkrete Hilfe in Krisensituationen. Anja Görner, die an der Pestalozzi- und an der Seeackerschule tätig ist, erklärt: «Uns geht es nicht zuletzt darum, die Stärken der Jugendlichen zu aktivieren.»
Deutliche Erfolge
Der engagierte Einsatz zeigt deutliche Erfolge. Zum einen, sagt Anja Görner, erlebe man konkret, wie die angesprochenen Jugendlichen Vertrauen fassen und die Hilfen annehmen. Gerald Karl, Abteilungsleiter Soziale Dienste bei der Stadt Fürth, weiß aus zahlreichen Begegnungen, dass die vielfältigen Anstrengungen der Jugendsozialarbeiter von allen Seiten längst als unverzichtbar eingestuft werden.
Das Spannungsfeld, in dem ungezählte Heranwachsende stehen, ist häufig bedrückend. Viele Jungen und Mädchen erfahren in der Familie kaum mehr die nötige Zuwendung und Aufmerksamkeit. Dazu kommt bereits früh ein immenser Leistungsstress. Michael Uhlig, der an der Soldnerschule arbeitet, sagt: «Kinder erleben heute einen Wahnsinnsdruck. Wer in der fünften Klasse der Hauptschule sitzt, fühlt sich oft schon stigmatisiert oder kämpft noch verzweifelt, um den Übertritt an Real- oder Wirtschaftsschule: Die Selektion greift immer derber um sich.»
Helga Gerstacker von der Frauenschule ist bislang die einzige Jugendsozialarbeiterin, die an einer Grundschule eingesetzt ist. Sie weiß aus Erfahrung, dass es besonders wichtig ist, früh mit der Unterstützung einzusetzen und bereits die Sechs- bis Zehnjährigen zu begleiten. Ihre Methoden sind ebenso wie die ihrer Kollegen an den Hauptschulen breit gefächert: «Zu den Schwerpunkten gehört natürlich das ,Soziale Lernen’. Ich gehe in die Klassen, spreche mit den Kindern über Probleme und Lösungen, später hake ich nach, was geklappt hat.» Ihr liegt auch am Herzen, den Schülern konkrete Anregungen für eine Freizeitgestaltung zu geben, die nicht «PC- und TV-lastig» ist. Dank einer Spende konnte sie zum Beispiel Musik- und Tanzkurse anbieten. Ein wichtiges Projekt, dass an den beteiligten Hauptschulen zu einem großen Erfolg wurde, ist in diesem Zusammenhang auch das «Street-Soccer-Turnier», dass die Ziele der Sozialpädagogen ganz entspannt mit Spiel und Spaß verbindet.
Für viele Mädchen und Jungen ist der Beistand durch die Jugendsozialarbeiter längst wichtiger Teil des Schullebens geworden. «Die Jugendlichen wissen», bringt es René Beckmann auf den Punkt, «bei uns geht es einfach um sie selbst, da können sich immer Unterstützung holen.»