Eine Stunde Spaß auf dem Grünen Hügel
07.08.2012, 09:30 Uhr
Durch die Bank begeistert waren ihre Reaktionen, denn die Festspiele haben aus den „Meistersingern“, einem der längsten Werke der Musiktheatergeschichte, einen für Kinder leicht verdaulichen sechzigminütigen Spaß gemacht. Auf der Heimfahrt der Fürther wurden die Rätsel und Geschichten, die das Programmheft bereithält, jedenfalls eifrig bearbeitet — ein gutes Zeichen. Initiiert wurde der Besuch der Kinderoper von der Jugendsozialpädagogin der Grundschule Frauenstraße, Helga Gerstacker, im Rahmen ihres durch Fördergelder ermöglichten Projekts „Kunst macht Kinder stark und fördert Integration“.
Ob Literatur, bildnerisches Gestalten, Musik oder Tanz: Kindern soll bereits in frühen Jahren die Möglichkeit der Begegnung mit den schönen Künsten eröffnet werden — als Gegenpol zu nicht immer sinnstiftendem Fernseh- und Computer-Konsum. Im Alter von sechs bis zehn Jahren besteht noch, wie Erziehungswissenschaftler seit langem wissen, eine vollkommen unvoreingenommene Haltung in Bezug auf Unbekanntes. Das bestätigte sich auch beim Bayreuth-Besuch, denn viele der Fürther Kinder — die Reisegruppe bestand aus sechs Nationen — hatten bis dahin nur sehr wenig oder gar nichts von der Musik Richard Wagners mitbekommen.
Sie ließen sich auf dem Grünen Hügel „ganz einfach mitreißen“, so Gerstacker. Mit an Bord war Frauenschul-Lehrerin Renate Meßner-Brütting, auch sie war erleichtert über die positiven Reaktionen: „Die Idee des Projekts ,Wagner für Kinder‘ finde ich sehr schön und notwendig, weil es damit gelingt, Oper aus ihrer elitären Nische herauszuholen und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen. Das klappt aber nur, wenn die Möglichkeit eines Kennenlernens in frühen Jahren erfolgt.“ Zudem sei es Richard Wagners ureigener Wunsch gewesen, „Oper für alle" erfahrbar zu machen. Ihren elitären Charakter erhielten die Festspiele denn auch erst nach dem Tod des Komponisten 1883, als Witwe Cosima die leeren Kassen nur mit Unterstützung der Hochfinanz und des Adels füllen konnte. Das Projekt „Wagner für Kinder“ wurde 2009 von Festspielchefin Katharina Wagner, Urenkelin des so verehrten wie heftig umstrittenen Komponisten, ins Leben gerufen. Im Rahmen der 101. Richard-Wagner-Festspiele 2012 war erstmals eine eigens für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren erstellte Fassung der „Meistersinger“ zu erleben. Premiere war am Eröffnungstag der Festspiele, 25. Juli, bis 4. August folgten neun Vorstellungen auf der Probebühne IV. Es musizierten 29 Musiker des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder).
Schulklassen konnten sich übrigens seit April online für Tickets bewerben, die Zuteilung erfolgte nach der Reihenfolge der Bestellungen. Glück muss man haben...
Keine Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen