Freude bei Sumo und Shiatsu
22.04.2013, 19:00 Uhr
Die Sumo-Ringer, mächtige Kerle in knapp gewickelten Höschen, die Gürtel heißen, Mawashi, haben Freiwillige aus dem Publikum zum Kampf aufgefordert. Nach ein paar Kindern versucht sich nun ein schmaler junger Mann auf der Bühne so einschüchternd breit zu machen wie sein Gegenüber, der Sumo-Sportler und mehrfache Weltmeister Torsten Scheibler, fast ein Zwei-Meter-Hüne und 172 Kilo schwer. Das Schauspiel währt Sekunden, doch der Hänfling macht ernst. Er stemmt sich in Scheiblers Fleischmassen: als wollte ein Floh einen Elefanten flachlegen. Die Zuschauer johlen, manche lachen Tränen. Beinahe sanft zeigt der Riese dem Winzling seinen Platz im Ring, und der ist — unten.
Amüsiert verfolgen BWL-Studentin Anna Thoß (22) und IT-Spezialist Jakob Steudel (26) das Spektakel. Sie sind hier, weil sie sich interessieren für das Land der aufgehenden Sonne, die japanische Kultur, die so voller gepflegter Tradition und beispielhafter Höflichkeit steckt. Das Kirschblütenfest, bei dem sich Besucher im Origamifalten üben können, mehr über Ikebana erfahren, die Kunst der Blumenarrangements, oder sich Shiatsu-Massagen hingeben, gefällt ihnen gut.
Gefeiert wird es, weil die Kirschblüte auch in Japan den Frühling einläutet und damit eine Zeit der Freude und des Neuanfangs. Familien und Freunde kommen dann zusammen und picknicken unter Kirschbäumen.
Möglich, dass Anna Thoß und Jakob Steudel das eines Tages live erleben. Sie wollen nach Japan reisen, aber erst die Sprache lernen, „zumindest ein bisschen“. In der Grünen Halle holen sich die beiden erst einmal Inspirationen für ihre neue Wohnung. Anna Thoß ist beispielsweise ganz entzückt von „diesen Lampions mit den Blümchen drauf“.

Eine andere Art von Hingucker sind all die Cosplay-Fans, die in fantasievollen Manga- und Anime-Kostümen Figuren aus ihren Lieblingscomics darstellen. Sie sei Szayelaporro Granz, erklärt etwa eine 16-Jährige mit pinkfarbener Perücke, weißer Brille und bodenlangem weißen Gewand, ohne sich auch nur ansatzweise zu versprechen. In der Grünen Halle hat Granz, „ein charismatisches, aber eher böses Geistwesen“, gleich Kontakte mit Gleichgesinnten geknüpft. Prickelnd, eben ein Tag der Freude, des Neuanfangs.
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