Hegel, Kant und das Wunder von Weiherhof

19.05.2013, 19:00 Uhr
Hegel, Kant und das Wunder von Weiherhof

© Knut Meyer

Zum atomaren Dezibel-Erstschlag holen drei Bands in dieser Woche im Lindenhain aus. Ihre Groupies sind keine Konfirmandengruppen. Ohrenärzte mit Tinnitus-Spezialisierung buchen spontan Weltreisen, als die Lokalmatadoren von Powerage, Vectom aus Ingolstadt und special guest Caprycorn ihre lieblichen Melodeien zur Elektroklampfe erschallen lassen. Die gute Nachricht für alle Drei-Wetter-Taft-Süchtigen verfasst der FN-Kritiker, er schreibt von „Powerrock in Orkanstärke zwölf, geeignet nur für haftfähiges Haar“.

Um die haftfähigen Dritten muss sich in der Kursana-Seniorenresidenz niemand Sorgen machen. Oder doch? Auch in der Kursana naht beinharte kulturelle Kost für ein zu allem bereites Publikum, um das Powerage schon lange zitternd einen Riesenbogen macht — die FN: „Roland Pietruschka parodiert am Mittwoch Heinz Erhardt.“

Eine ruhige Kugel schieben? Nicht mit den Herren der ersten Kegelmannschaft des KC Weiherhof. Humor ist bei ihnen, frei nach Heinz Erhardt („Es ist nicht leicht, von Kant zu Hegeln so mit der linken Hand zu kegeln“), Trumpf, wie unser Foto der Woche beweist. Gegner lachen sie in Grund und Boden, eine Strategie, die sich voll auszahlt. Zum sechsten Mal innerhalb von acht Jahren sind die Weiherhofer nun aufgestiegen — und das, obwohl sie zwei schnauzbartlose Kollegen in ihren Reihen dulden.

Jürgen von der Lippe bevorzugt das Gesichtshaar-Modell „Klobrille“ und den etwas schlüpfrigeren Witz. 1000 Fürther wollen das beim Gastspiel des Kalauerkönigs in der Stadthalle erleben. Der „hohe Norde“ (FN) aus dem Sauerland hat nicht nur einen vollen Terminkalender, sondern auch, glaubt man dem FN-Berichterstatter, einen üblen Charakterzug: „Mehr als zwei Wochen Urlaub sind für den verschlagenen Entertainer nicht drin.“

Der kleine Süde aus Fürth sagt „aua“: Fünf Schuhgeschäfte aus der Innenstadt schauen 428 Kindern auf die Füße und kommen zu einem bedrückenden Ergebnis. Nur ein Drittel trägt passende Schuhe.

Ein Bleifuß bringt sie aus der Fassung: Eine Autofahrerin wird auf der Stauffenberg-Brücke von einem anderen Wagen mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit gerammt. Als sie die Polizei rufen will, steht die bereits vor ihr. Es sind just jene Herren aus dem Rambo-Gefährt, das ohne Blaulicht und Signalhorn unterwegs war. Da man aber nie genug Freunde und Helfer haben kann, kommen gleich noch ein paar hinzu. Die FN: „Schnell waren zwei weitere Streifenwagen zur Stelle, deren Besatzungen nach Zeugenaussagen alles andere als bürgerfreundlich auftraten.“ Na ja, aber was muss die Frau auch mitten im Weg stehen.

Total im Wald stehen die Zuschauer im Stadttheater. Die deutsch-polnischen Kulturwochen gehen einem einsamen Höhepunkt entgegen. „Das besondere Schauspielgastspiel“, posaunt das Kulturamt. Jerzy Stuhr gastiert mit Patrick Süskinds Solo „Der Kontrabass“ — und zwar, was keiner vorher wusste, komplett auf polnisch. Ohne Textheft, ohne Übersetzung. Ein karges Häuflein Polen harrt aus, die ratlosen Fürther aber setzen zur „überstürzten Fluchtbewegung“ (FN) an. Lauter Toupet-Träger, wetten?
 

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