Neu in Deutschland

28.11.2013, 09:00 Uhr
Neu in Deutschland

© Winckler

Oliwias Schulweg führt morgens in die Frauenschule, in eine besondere Klasse und zu einer besonderen Lehrerin: Die gemeinsame Sprache, in der sie sich eines Tages unterhalten können, müssen die Kinder erst noch lernen. Oliwias Muttersprache ist Polnisch, daneben sitzt ihre Mitschülerin Chatzer mit griechisch-türkischen Wurzeln, etwas weiter ein Junge, der mit all diesen Sprachen nichts anfangen kann.

Ihre gemeinsame Sprache soll Deutsch werden, dabei hilft den Erstklässlern die Lehrerin Aynur Yildirim, die schon Erfahrungen mit Übergangsklassen gesammelt hat. Lehrer wie sie werden zurzeit mehr denn je gebraucht: Die Zahl der Kinder, die ohne Deutsch-Kenntnisse nach Fürth kommen, ist stark gestiegen — fünf sogenannte Übergangsklassen für Grundschüler gibt es heuer in der Stadt, angeboten werden sie an der Frauenschule. 65 Mädchen und Jungen sitzen darin: vor allem aus Rumänien, Griechenland, Russland und Polen, aber auch aus Bulgarien, Indien, Portugal, Mazedonien, ...

Dabei hatte man Übergangsklassen eigentlich schon ausgemustert: Kinder aus Migrantenfamilien versuchte man in den vergangenen Jahren gleich in Regelklassen zu integrieren und mit Förderstunden voranzubringen. Doch das setzt minimale Sprachkenntnisse voraus, sagt Schulreferent Markus Braun. Bei Mädchen und Jungen, die kein Wort Deutsch verstehen, seien Übergangsklassen die bessere Wahl: Die Lehrer sind speziell ausgebildet, um Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten.

Für die Übergangsklassen spreche aber auch, dass die Kinder hier besser Erfolgserlebnisse sammeln können, mit jedem Wort, das sie lernen. Das sei wichtig gerade für diese jungen Menschen, die den Wechsel in ein fremdes Land verarbeiten müssen und womöglich schon viel Schlimmes erlebt haben, sagt Helga Gerstacker von der Jugendsozialarbeit.

Sie hofft gemeinsam mit dem Rektor der Schule, Gerhard Ehrlinger, dass das Freiwilligen Zentrum Fürth (FZF) Ehrenamtliche findet, die sich vorstellen können, die Kinder nach dem Unterricht bei den Hausaufgaben zu unterstützen; viele der Eltern können das nicht leisten, weil sie sich selbst mit der neuen Sprache schwer tun. Je schneller die Kinder Fortschritte machen, desto rascher können sie in eine Regelklasse wechseln. „Die Ehrenamtlichen werden intensiv unterstützt von der Klassenlehrerin“, verspricht Ehrlinger. Zudem werde man die Helfer gut auf die Aufgabe vorbereiten und schulen, kündigt Felix Trejo vom FZF an.

Gesucht werden Menschen, die sich regelmäßig, idealerweise an mehreren Tagen in der Woche, um die Mittagszeit eine Stunde Zeit nehmen, um in der Frauenschule ein bis zwei Schüler bei den Hausaufgaben zu betreuen. „Sie sollen den Kindern das Gefühl geben, hier gut aufgehoben zu sein“, sagt Helga Gerstacker. Eine pädagogische Vorbildung sei nicht nötig: „Wir suchen Leute, die einen gesunden Menschenverstand und Kultursensibilität mitbringen – und die Freude daran haben, mit Kindern zu arbeiten.“

Informationen gibt es beim FZF, Theresienstraße 3, Tel. (0911) 2174782, und unter www.freiwilligenzentrum-fuerth.de
 

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