Gunzenhausen: Abschied von "Mutter" des Lindenhofs

28.12.2017, 06:22 Uhr
Gunzenhausen: Abschied von

© Uli Gruber

Auf dem Weg dorthin galt es, sich über Widerstände hinwegzusetzen, Neues zu wagen und vor allem nie den Glauben an die eigene Stärke zu verlieren. All dies scheint der Sozialpädagogin mit Bravour gelungen zu sein. Im Rahmen der Verabschiedungsfeier in den Ruhestand kamen ihre zahlreichen Verdienste und Errungenschaften zur Sprache. Freunde, langjährige berufliche Begleiter, Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt und nicht zuletzt die Frauen und Männer des "Lindenhof"-Teams zeichneten ferner ein sehr emotionales Bild der auch als Märchenerzählerin bekannten "Anna".

"Großer Bahnhof"

"Ich genieße es, heute einmal Gast zu sein", bekannte die Protagonistin mit einem Augenzwinkern. Das konnte sie auch ruhigen Gewissens, denn sämtliche Anwesenden hatten der scheidenden Chefin einen "großen Bahnhof" bereitet. Dazu gehörten Grußworte und die Auflistung der wichtigen Stationen ihres Schaffens. Rudolf Schober, Präsidiumsvorsitzender des AWO-Bezirksverbands Ober-/ Mittelfranken, brachte es in seiner Laudatio auf den Punkt: "Was hier geschehen ist, trägt die Handschrift von Anna Dörrfuß!".

Nachdem sie bereits 1985 als Kurleiterin unter der Regie von Amalie Wegmann ihren Dienst in Gunzenhausen begonnen hatte, trat Dörrfuß sieben Jahre später deren Nachfolge an. Während des "Lindenhof"-Umbaus von 1994 bis 1996 wirkte sie jeweils in maßgeblicher Position an der "Klinik zur Solequelle" in Bad Windsheim und an der "Nordseeklinik Erlengrund" im schleswig-holsteinischen Büsum. Wie Schober weiter ausführte, beschleunigte Dörrfuß nach ihrer Rückkehr in die Altmühlstadt kontinuierlich, intensiv und mit hoher Kompetenz die Entwicklung des "Lindenhofs".

Qualitätssiegel

Das Erlernen und Einführen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), Seniorenkuren für Selbstzahler in den Wintermonaten, die Erarbeitung und schriftliche Ausführung indikationsspezifischer Konzepte, Wellnessaufenthalte für Frauen, Mutter-Kind-Kuren für Gehörlose sowie damit einhergehende Mitarbeiterkurse in Gebärdensprache, die Eröffnung des ersten Kneipp-Kindergartens in Deutschland, vielfältige kulturelle Angebote, eine medienwirksame Außendarstellung und Imagepflege, Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Sozialverbänden zu diversen Anlässen und Jubiläen – die von Pioniergeist und Innovation geprägte Liste der Aktivitäten dürfe ohne Einschränkungen als richtungsweisend eingestuft werden. Darüber hinaus sei der "Lindenhof" mit bedeutenden Qualitätssiegeln, ersten Plätzen in Vergleichsstudien und der Anerkennung als Wald- und Naturkindergarten ausgezeichnet worden.

Der enorme Einsatz und Gestaltungsreichtum trugen also Früchte. Randolf Spang, erster geschäftsführender AWO-Vorstand, verwies darauf, dass trotzdem auch schwierige Phasen durchschritten werden mussten. Zulassungskürzungen durch die Krankenkassen führten zwischen 1997 und 2001 zu einem Belegungseinbruch. In dieser Situation hätten sich das loyale Miteinander, die Hartnäckigkeit und das Verhandlungsgeschick von Anna Dörrfuß sowie die optimale Verzahnung mit der Dachorganisation bezahlt gemacht. Immerhin ging es um den Fortbestand des "Lindenhofs". "Mein Baby", wie Dörrfuß die Einrichtung nicht ohne Stolz bezeichnet.

Ausschließlich lobende Worte

Selbstverständlich wurden die Ereignisse in der fränkischen Provinz auch beim AWO-Bundesverband in Berlin registriert. Marion Mikula, Leiterin des Referats Vorsorge und Rehabilitation, hatte ausschließlich lobende Worte parat. Ebenso wohlwollend äußerte sich die künftige "Lindenhof"-Leiterin Anja Kohles. Die Zeit des Einarbeitens werde positiv in Erinnerung bleiben. Kohles versprach ihrer Vorgängerin: "Ich werde die Arbeit in Ihrem Sinn weiterführen". Als abschließender Redner konnte sich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz den frommen Wünschen nur anschließen. Zum Renommee der Stadt trage der "Lindenhof" als überregionaler Werbeträger erheblich bei. Dörrfuß und ihrem Personal gebühre dafür große Anerkennung.

Kein Wunder, dass die Hauptperson der Veranstaltung ihre Tränen kaum unterdrücken konnte. Sie bedankte sich bei allen, die zum Gelingen beitrugen: "Ich habe stets das Vertrauen gespürt und die Bereitschaft, an einem Strang zu ziehen." Immer habe das "Team" im Fokus gestanden. Deshalb empfand sie es als Glücksfall und Segen, mit jedem Einzelnen zusammenarbeiten zu dürfen.

Obwohl Anna Dörrfuß sich jetzt mit viel freier Zeit der Zukunft widmen kann, bleibt sie manchen Neigungen verbunden. In einem Kurheim auf der Insel Norderney will sie die Märchentherapie einführen und hie und da sicher auch im "Lindenhof" Station machen.

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