„Ruhig, sicher, humorvoll und bei allen beliebt“

22.07.2010, 16:22 Uhr
„Ruhig, sicher, humorvoll und bei allen beliebt“

© Falk

Jung ist in Altenmuhr aufgewach­sen, hat das humanistische Gymna­sium in Windsbach besucht und ge­hörte dem weltbekannten Knaben­chor an. Nach Abitur (1965) und Bundeswehrzeit studierte er von 1967 bis 1970 an der Pädagogischen Hochschule in Nürnberg für das Lehramt an Volksschulen. Im April 1970 kam er nach Mitteleschenbach, also zum Schulverband Wolframs-Eschenbach-Obererlbach-Mittel­eschenbach, wo er im September 2001 zum Konrektor ernannt wurde. Er war also 40 Jahre im gleichen Schulverband.

Direktor Hans Seitz lobte die Ge­duld, die innere Ruhe und die Gelas­senheit des Pädagogen, der immer Hauptschulklassen unterrichtete. An die 1000 Schüler waren es in dieser langen Zeit. „Er hat ihnen nicht nur Wissen vermittelt, sondern sie behut­sam auf das Leben nach der Schule vorbereitet“, sagte er, „und er hat Werte vermittelt, die in unserer Fun-Gesellschaft nicht mehr selbstver­ständlich sind“. Seitz rühmte die „beispiellose Kollegialität“ Jungs. Er habe ein großes Stück Wolframs-Eschenbacher Schulgeschichte ge­schrieben.

De­mut, Dienen und Disziplin

Schulleiter Dr. Christian Hruschka fand für den „Alt-Windsbacher“ die charakterisierenden Tugenden: De­mut, Dienen und Disziplin. Wilfried Jung sei wohl der letzte Wolframs-Eschenbacher Konrektor, denn die Stelle werde jetzt wegen der geringer gewordenen Schülerzahl nicht mehr ausgeschrieben. Dr. Hruschka sprach von einem „falschen schulpolitischen Signal“.

Mit Jung verlässt auch Lehrerin Sibylle Werner die Schule. Für sie be­ginnt die Freistellungs­phase. Die gebürtige Nürnbergerin besuchte zunächst das Wilhelm-Löhe-Gymnasium, dann das Sigena-Gymnasium, ehe sie 1970 das Abitur ablegte und von 1970 bis 1973 an der PH Nürnberg studierte.

Ihre ersten Lehrerstel­len waren in Ansbach (Weinberg- und Caroli­nenschule, Schalkhau­sen). 1982 wurde sie an die Volksschule nach Wolframs-Eschenbach versetzt. Schulamtsdi­rektor Hans Seitz be­scheinigte ihr eine „sehr gute pädagogische Ar­beit“. Die Kinder seien „voll auf sie abge­fahren“. Aus gesund­heitlichen Gründen habe sie den vorzeitigen Ab­schied gewählt. Rektor Dr. Hruschka sagte, ihre Arbeit sei über jeden Zweifel erhaben. Sibylle Werner, die Frau des Gunzenhäuser Archi­tekten Hartwig Werner, sei bei den Eltern sehr beliebt gewe­sen.

Ihre Sympathie gegenüber den bei­den Scheidenden äußerten auch Leh­rerkollege Bernd Meyer (er rühmte die distinguierte Ausdrucksweise Jungs) und Elternbeiratsvorsitzende Gaby Santin sowie Schülersprecher Nicolaj Weick. Bürgermeister Mi­chael Dörr sprach den Dank der Schulverbandsgemeinden auch im Namen seines Mitteleschenbacher Kollegen Stefan Maul aus.

Oft über mangelndes In­teresse der Eltern geärgert

In seinen Abschiedsworten be­merkte Wilfried Jung kritisch, oft habe er sich über das mangelnde In­teresse der Eltern geärgert, die Rat­schläge vielfach ignoriert hätten. Die Pausengespräche mit den Kolle­gen werde er künftig wohl am meis- ten vermissen. „Dafür, dass ich mich hier wohl gefühlt habe“, sagte er, „sind die 40 Jahre wohl Beweis ge­nug“. Er will sich im Ruhestand nicht nur seinem Garten widmen und reisen, sondern sich verstärkt der Heimat- und Familienforschung widmen.

An der Abschiedsfeier wirkten auch die Kinder der Schule mit. Sie sangen und tanzten, ja sogar ein kleines The­aterstück gabs von ihnen.

Wer am Ende seines beruflichen Lebens von den Kollegen mit der goldenen Sänfte hinausgetragen wird, der darf zufrieden gehen. Wilfried Jung und Sibylle Werner durften ein letztes Mal die Sympa­thie von Schülern und Kollegen ge­nießen.