Von Gunzenhausen ins amerikanische Frankenmuth

06.12.2010, 11:05 Uhr
Von Gunzenhausen ins amerikanische Frankenmuth

© oh

Am Vorabend des amerikanischen Erntedankfests (Thanksgiving) haben im Reiterhof Altmühlsee in Wald zahlreiche Mit­glieder und Gäste das 20-jährige Be­stehen des Freundeskreises Franken­muth- Gunzenhausen gefeiert. Nachdem Vorsitzende Renate Herr­mann neben vielen Gründungsmit­gliedern unter anderem Bürgermei­ster Joachim Federschmidt und die Altbürgermeister Willi Hilpert und Gerhard Trautner, Gastreferentin Mo­nika Conrad sowie Cornelia Rhode als Vorsitzende des Freundeskreises Isle-Gunzenhausen begrüßt hatte, verlas sie zunächst ein Grußwort von Daniel Haubenstricker, dem Vorsitzenden des Sister City Committee in Franken­muth.

Auch Ruben Mossner schickte seine Grüße über den „großen Teich“. Erster Höhepunkt des Abends war ein Festvortrag von Monika Conrad aus Kleinlangheim. Sie stellte August Friedrich Crämer vor, der im Auftrag von Pfarrer Wilhelm Löhe die ersten Auswanderer nach Frankenmuth be­gleitet hatte und in den ersten Jahren in der Neuen Welt ihr Seelsorger war.

Crämer wurde 1812 in Kleinlang­heim geboren und war bei der Aus­wanderung 33 Jahre alt. Bei der Ob­rigkeit galt er als Revolutionär, da er 1833 beim Angriff auf die Konstabler Wache in Frankfurt dabei war. Der Umsturzversuch scheiterte, und Crä­mer wurde zu lebenslanger Festungs­haft verurteilt.

Einflussreiche Freunde brachten jedoch die Kaution auf, so­dass er 1839 freigelassen wurde. Sein fast abgeschlossenes Theolo­giestudium nahm Crämer nicht mehr auf, sondern studierte in München Philologie. Nach Anstellungen als Hauslehrer in Deutschland und Eng­land wurde er 1843 Privatdozent für die deutsche Sprache in Oxford.

Bedarf an luthe­rischen Pfarrern in Amerika

Ein Freund lenkte Crämers Auf­merksamkeit auf den Bedarf an luthe­rischen Pfarrern in Amerika, und sein Bruder Carl, Fabrikant in Nürnberg-Doos, berichtete ihm von den Bemü­hungen Wilhelm Löhes (der Gunzen­häuser Bürgermeister Hensolt war übrigens Taufpate von Carl Crämers achtem Kind Friedrich). Er vermit­telte auch den Kontakt zu Löhe.

Erstmals begegneten sich die bei­den Seelsorger 1844 in Neuendettel­sau. Für Löhe war August Friedrich Crämer der ideale Mann, um deutsch­lutherische Kolonien in Amerika zu gründen und gleichzeitig Indianer­mission zu betreiben.Die fehlende Or­dination zum Pastor holte Crämer im Schweriner Dom nach.

Am 20. April 1845 stach schließlich das Segelschiff „Caroline“ mit Pfarrer Crämer und 14 weiteren Siedlern aus der Region von Bremerhaven aus in See. Fünf Jahre entbehrungsreiche Auf­bauarbeit in Frankenmuth standen Crämer bevor,ehe er 1850 zum Profes­sor des praktischen Predigerseminars der Missouri-Synode in St. Louis ge­wählt wurde. 635 Studenten bildete er bis zu seinem Tod im Jahr 1891 aus.

„Mit einem wahrhaft eisernen Wil­len überwand er Schwierigkeiten“, würdigte die Missouri-Synode ihren Professor später anlässlich seines 25. Todestags und schuf Crämer damit den Titel „The iron man of our church“ („Der eiserne Mann unserer Kirche). Mit seinem Lebenswerk verdiene er es,dass ihm auch in seiner fränkischen Heimat ein Denkmal gesetzt wird, be­tonte die Referentin abschließend.

Enge Partnerschaft zwischen den „Schwe­sterstädten“

Nach einem opulenten, vom Team um Küchenmeister Jörg Schwarz zu­bereiteten Erntedank-Essen nach amerikanischem Vorbild spannte Vor­sitzende Renate Herrmann im Zeitraf­fer den Bogen von der Gründungsver­sammlung des Freundeskreises Fran­kenmuth- Gunzenhausen am 21. März 1990 bis in die Gegenwart.

Das Grün­dungskomitee bestand aus Siegfried Rein, Matthias Böhlein, Joachim Schmidt, Heinrich Schönbuchner und Karl Wagner. Als „Vater“ des Freun­deskreises gilt zudem Altbürgermei­ster Willi Hilpert. Spontan traten da­mals 66 Mitglieder bei. Erster Vorsitzender wurde Siegfried Rein, der 2003 zum Ehrenvorsitzen­den ernannt wurde. Seine Nachfolge trat im gleichen Jahr Renate Herr­mann an, die sich stark für eine enge Partnerschaft zwischen den „Schwe­sterstädten“ einsetzt.

Stolz wies sie auf die mittlerweile rund 250 Mit­glieder des Freundeskreises hin. Von Anfang an war und ist Ruth Feurer als stellvertretende Schriftfüh­rerin im Vorstand tätig. Dafür dankte ihr Herrmann. Gern hätte sie auch Matthias Böhlein für seine 20-jährige Tätigkeit als Kassier geehrt, der das Amt aber im Frühjahr aus gesundheit­lichen Gründen abgegeben hat. Be­sonders lobte die Vorsitzende überdies das Engagement der Stadt Gunzen­hausen und ihrer (Alt-)Bürgermeister.

Willi Hilpert und Joachim Feder­schmidt würdigten ihrerseits das ak­tive Vereinsleben des Freundeskreises. Das 50. Jubiläum der Städtepartner­schaft im Jahr 2012 werfe bereits sei­ne Schatten voraus, und es gebe schon vielversprechende Pläne.