„Wir wollen für Sie der Dienstleister sein“
17.07.2013, 15:58 Uhr
Im – spät einsetzenden – Sommer 2013 hat er sich hier schon mehrmals aufgehalten, und bei all seinen bisherigen Besuchen strahlte die Sonne vom Himmel. Der neue Gunzenhäuser Citymanager muss allerdings erst noch beweisen, ob bei seinem Versuch, die Innenstadt nach vorn zu bringen und das Profil von Gunzenhausen zu schärfen, auf Dauer eitel Sonnenschein herrschen wird. Der 52-Jährige stellte sich nun den Ladeninhabern und Gastronomen, die ihr Geschäft im Zentrum haben, vor.
Jocher war mit einer Kollegin gekommen. Geografin Elisabeth Lotter arbeitet in der CIMA-Zentrale in München und unterstützt das Citymanagement für Gunzenhausen. Zudem fungiert Christian Hörmann als Projektleiter. Der direkte Ansprechpartner für die Gunzenhäuser ist in aller Regel Markus Jocher selbst. Vertraglich ist vorgesehen, dass er 14 Stunden in der Woche für Gunzenhausen tätig ist. Darüber hinaus sei er immer offen für Telefonanrufe und E-Mails, versicherte der 52-Jährige mehrmals.
Einen Begriff vermied er während der gesamten Informationsveranstaltung. Das Wort Gewerbeverband oder Gewerbeverein kam ihm nicht über die Lippen. Dabei hat er doch schon früher festgestellt und geäußert, dass ein solcher Zusammenschluss der Gewerbetreibenden in Gunzenhausen sehr wünschenswert sei. Jocher will hier offensichtlich nichts übers Knie brechen und niemanden abschrecken. Er betonte, die Kommunikation sei sehr, sehr wichtig und könnte auch ohne Gewerbeverband funktionieren. Jocher stellt sich vor, dass die Innenstadt in Quartiere aufgeteilt wird und es jeweils einen Quartierverantwortlichen gibt. Der wäre dann für eine gewisse Zeit der Ansprechpartner für den Citymanager.
Jocher schöpft aus seinen Erfahrungen aus Neuburg an der Donau und Wemding. In Neuburg dauerte es fast drei Jahre, bis sich eine Händlerorganisation gründete, die ein wesentlicher Faktor für ein selbstständiges Citymanagement sei. Der Verein bestehe mittlerweile seit zehn Jahren.
Das Entscheidende am Citymanagement besteht darin, dass die öffentliche Hand Initiativen zur Stärkung und Belebung gerade der Innenstadt fördert. Dafür gibt es einen jährlichen Projektfonds. Für 2013 ist er 25 000 Euro stark. Jocher nannte ein Beispiel, wie es funktionieren soll. Entschließt man sich, ein Gutschein- und Infoheft für Neubürger aufzulegen und es für zehn Euro pro Stück zu verkaufen (bei einer Auflage von 1000), ließe sich eine Einnahme von 10 000 Euro erzielen. Dieses Geld wäre dann der Grundstock für weitere Aktionen. Falls von privater Seite dazu die Bereitschaft besteht und Geld bereitgestellt wird, fließt ein Zuschuss in gleicher Höhe. Die 10 000 Euro, die zur Verfügung stehen, würden also verdoppelt. Das ist der gewollte Effekt bei dieser öffentlich-privaten Partnerschaft.
Konkrete Projekte bereiten der Citymanager und seine Partner vor. Ob etwas geschieht und wie dies aussehen wird, beschließt dann der ISEK-Lenkungsausschuss. Das letzte Wort hat jeweils der Stadtrat. Eingebunden in den Prozess ist auch die Regierung als Zuschussgeber. Der Citymanager unterstrich, dass nichts über die Köpfe der Bürger und Geschäftswelt hinweg gemacht werden soll, sondern mit ihnen und für sie. Er sagte: „Wir wollen für Sie der Dienstleister sein und die Ideen, die Sie in den letzten Jahren entwickelt haben, umsetzen. Wir müssen festlegen, was Ihnen am meisten nutzt. Mir ist wichtig, dass es Ihre Projekte sind und dass Sie dahinterstehen.“
Ohne ganz konkret zu werden, skizzierte der Citymanager einige mögliche Aktionen:
• Imagebildung durch ein Qualitätsmanagementsystem (ServiceQ). Das ist bereits von der „Zukunftsinitiative Altmühlfranken“ vorangetrieben worden.
• Generationenfreundliches Einkaufen. Dazu gibt es bereits eine Initiative des Gunzenhäuser Seniorenbeirats.
• Parkscheinrückvergütung. Die Einzelhändler könnten den Kunden einen Teil der Parkgebühr erstatten. Sie könnten auch auf der Rückseite des Parktickets werben.
• Citygutschein. Es gehe darum, Kaufkraft zu binden und Qualität zu sichern. Für den Kunden solle ein Mehrwert entstehen, etwa in Form einer monatlichen Verlosungsaktion mit großer Jahresabschlussverlosung.
• Eine Kulturwoche in Verbindung mit einer „Shopping Night“, etwa in den Herbstferien.
• Ein scheckkartengroßer Einkaufs-/Erlebnisführer.
• Vortragsabende in Gunzenhausen.
Sicher ist, dass Markus Jocher die Unternehmen, die als Partner in Frage kommen, besuchen wird. Es steht offenbar auch fest, dass eine Imagebroschüre über das Citymanagement aufgelegt und an alle Haushalt verteilt werden wird.
Markus Jocher ist zu erreichen unter der E-Mail-Adresse citymanagement@gunzenhausen.de und telefonisch unter 09831/508-308.
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