Traurige Blicke Richtung Getränke-Mekka

18.02.2009, 00:00 Uhr
Traurige Blicke Richtung Getränke-Mekka

© Kronau

«Vor etwa 14 Tagen ist uns gekündigt worden», erklärt die Angestellte Maria Hildel, die seit rund sieben Jahren in dem Getränkeladen ihre Arbeit verrichtet. Das Getränke-Mekka selbst gibt es in Herzogenaurach schon über zehn Jahre. «Ich habe keine Ahnung, warum wir raus müssen.»

«Eine Katastrophe ist das für uns», sagt Rainer Krapp, ein treuer Kunde. Der Anwohner hat kein Auto und kann nicht so einfach ein paar Kilometer fahren. Wenn das Mekka schließt, weiß Maria Hildel, «müssen die Leute auf die andere Seite.» Also: in den Norden der Stadt, ins Gewerbegebiet.

«Wir wären gerne hier geblieben», erklärt Thomas Zapf, Inhaber der Getränke-Mekka-Kette mit Sitz in Bad Windsheim. «Wir hatten sogar geplant, eine Lebensmittelecke im Herzogenauracher Markt einzurichten.» Dann kam plötzlich die Kündigung. «Das Gebäude wird abgerissen», weiß Zapf.

Das bestätigt auf NN-Anfrage Theo Nägelein. Der Grundstückseigentümer will die Fläche verkaufen: «Da werden Wohnungen darauf gebaut.» Vermutlich im März wird der Getränkemarkt abgerissen. Nägelein argumentiert, dass die Miete einfach zu niedrig sei. Notwendige Reparaturen seien damit kaum leistbar, insgesamt sei der Getränkemarkt an dieser Stelle wirtschaftlich unsinnig. Von einer notwendigen Nahversorgung könne keine Rede sein.

Da widerspricht Thomas Zapf. «Wir haben zuletzt 1500 Euro Miete gezahlt, das ist ziemlich viel Geld. Das muss erst einmal verdient sein.» Zumal die Gegend rund um den Getränke-Mekka nicht zu den kaufkräftigen Wohngebieten gehört.

Die Miete betrug sogar schon einmal 2000 Euro. Doch vor etwa einem Jahr, als es um eine Vertragsverlängerung ging, konnte man den Vermieter Theo Nägelein dazu bewegen, mit der Miete herunterzugehen.

Während Nägelein betont, dass diese Mietehöhe für ihn nun nicht mehr akzeptabel sei, glaubt Thomas Zapf, dass der Grundstückseigentümer offenbar noch in alten Zeiten verhaftet sei, in denen für Märkte dieser Größenordnung und in solcher Lage eben mehr verlangt werden konnte.

Ganz überraschend kam die Kündigung für Getränke-Mekka dennoch nicht. Bereits seit Monaten sucht Zapf nach einem möglichen anderen Standort in Herzogenaurach. Vergeblich bislang. Zumal ein Getränkemarkt ja gerade «auf dieser Seite», im Süden, benötigt werde.

Im Bauamt hat man bislang noch keine Anfrage für Wohnungen auf dem Gelände erhalten. Anwohner argwöhnen: Man warte jetzt einfach, bis das Gelände verlottert, dann müsse der Stadtrat notgedrungen einer Bebauung zustimmen.