Zugfahrkarten ab 1. April nur noch im Zug
19.03.2021, 12:52 Uhr
Betroffen sind alle Bahnhöfe auf den Nebenstrecken der Mittelfrankenbahn, die nur von Regionalbahnen angefahren werden. An Bahnhöfen, an denen Regionalexpresse und Fernverkehrszüge halten, wie in Lauf und Hersbruck, bleiben die Automaten weiterhin stehen, genau wie an den S-Bahnhöfen.
Denn anders als in ICE, Express und Co. sind in den neuen Baureihen der Regionalbahnen, die seit Dezember im Einsatz sind, je ein Fahrkartenautomat und ein Entwerter eingebaut. Die Deutsche Bahn preist ihren Umbau als zeitsparend für Zugfahrer an, die ab April auch spontan in die Regionalbahn steigen und dort ein Ticket lösen können.
Technik rechnet sich nicht
Grund für den Abbau der Automaten ist laut eines Pressesprechers der DB Bayern die zunehmende Buchung von Online-Fahrkarten. Die Automaten würden sich nicht mehr rechnen. Tatsächlich spart sich die Deutsche Bahn wohl eine Stange Geld, wenn sie 63 Fahrkartenautomaten an den Bahnhöfen der Mittelfrankenbahn von Rothenburg ob der Tauber bis Neuhaus an der Pegnitz ab April nicht mehr warten oder aufgrund von Defekten oder Vandalismus ersetzen muss.
Während die Nutzer der DB-App oder der Webseite von dem Abbau der Automaten nicht beeinträchtigt werden, mutet das Unternehmen seinen älteren oder weniger online-affinen Kunden Einschränkungen zu.
Denn wer in Zukunft in Behringersdorf in die Regionalbahn steigt, kann weder am Bahnhof noch im Zug Karten des Fernverkehrs kaufen. Am Automat in der Regionalbahn erhalten die Bahnfahrer nur noch Einzel- und Mehrfahrtenkarten des VGN sowie Wochen- und Monatskarten. Von den Regionalverkehrstickets der DB können das Bayern-Ticket, das Quer-durchs-Land-Ticket, die Fahrradtageskarte Bayern und die Fahrradtageskarte Nahverkehr erworben werden.
Zugfahrer, die in Behringersdorf einsteigen, können also kein Ticket nach Hamburg kaufen, sondern müssen es vorab online buchen oder die Service-Hotline der Bahn anrufen. Das Ticket, das die Kunden per Telefonanruf bestellen, wird allerdings normalerweise per Code an einem Fahrkartenautomaten ausgedruckt, der dann in Behringersdorf nicht mehr existiert. Als Alternative bleibt nur die Zusendung per Post, die eine gewisse Planungszeit voraussetzt.
Die DB Bayern zwingt also ihre Kunden ohne Internetanschluss, Bekannte um Hilfe zu bitten, oder mögliche Fernreisen mehrere Tage im Voraus zu planen.
"Ein schlechter Aprilscherz"
Der Laufer Grünen-Stadtrat und Zugfan Benedikt Bisping kann mit dem Abbau der Automaten nichts anfangen. "Der Plan hört sich an wie ein schlechter Aprilscherz", sagt Bisping. Die Erschwerung des Ticketverkaufs für bestimmte Bevölkerungsgruppen widerspricht laut Bisping dem ständig wiederholten Mantra der Deutschen Bahn und des Freistaats Bayern, so viele Menschen wie möglich für die Zugfahrt zu begeistern. "Sie schneiden sich damit ins eigene Fleisch. Die Bahn sollte neue Angebote machen, statt Verkaufsmöglichkeiten abzubauen."
Seit Jahren werde das "Digitale Ticket" angekündigt, mit dem sich der Zugfahrer beim Einsteigen registriert und beim Aussteigen automatisch abgerechnet wird. Doch noch sei in dieser Richtung nichts passiert.
"Stattdessen werfen uns die Fahrkartenautomaten im Zug zurück in die Mobilitätssteinzeit." Damit meint Benedikt Bisping die Bezahlfunktion der neuen Automaten. Denn "wegen der lückenhaften Netzabdeckung der Mobilfunkbetreiber ist eine Kartenzahlung leider nicht möglich", schreibt die Bahn.
Wer also in Schnaittach in die Regionalbahn steigt und sich in die Schlange am einzigen Fahrkartenautomaten pro Zug einreiht, hat besser vorher Bargeld abgehoben. Münzen und Scheine bis 100 Euro sind möglich.
In Lauf setzt der Zugautomat aus
Sobald diese Regionalbahn dann in Lauf hält, funktioniert der Ticketautomat für kurze Zeit nicht mehr, um zu verhindern, dass Laufer ohne Zugticket in einen Regionalexpress einsteigen, weil sie von einem Automaten im Zug ausgehen. Wo noch ein Automat am Bahngleis steht, ist dieser auch die einzige analoge Möglichkeit, ein Regionalticket zu kaufen. Außer man hofft als Passagier aus Lauf, dass der Automat am Bahnhof Ludwigshöhe wieder anspringt, bevor der Schaffner kommt.
In Lauf kann man seine Karten aber auch an einem Schalter im Bahnhof rechts kaufen. "Wir haben Glück, dass Klaus Zagel den Schalter selbstständig von der Bahn übernommen hat. Sonst würde auch diese Verkaufsmöglichkeit nicht mehr existieren", sagt Bisping.
Am Bahnhof Behringersdorf ist schon lange kein Schalter mehr in Betrieb. Dass nun auch die Automaten abgebaut werden, hält der
Schwaiger Bürgermeister Thomas Wittmann für "bedauerlich". Er könne die Beweggründe der Bahn verstehen, aber für die erneute Benachteiligung bereits eingeschränkter Bürger habe er kein Verständnis.
Wittmann schätzt, dass vor allem Senioren sich schwer damit tun werden, im fahrenden Zug ein Ticket zu lösen. Der Schwaiger Gemeinderat habe die Nachricht mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, "aber wir haben auf die Entscheidung der Bahn leider keinen Einfluss."
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