Freitag herrscht Brillenpflicht am Pausenhof

20.03.2015, 10:00 Uhr
Freitag herrscht Brillenpflicht am Pausenhof

© Damm

Die Theo-Betz-Schule geht das Thema offensiv an: In jeder Klasse wird die Sofi, wie man Sonnenfinsternis oft abkürzt, behandelt. Mit einer Kurbel werden Erde und Mond an einem 50 Jahre alten Modell in Bewegung gesetzt. Das ist zwar kein digitales High-Tech, aber dafür äußerst anschaulich.

Doch während der großen Pause am Freitag bleiben die Kinder im Gebäude. Zumindest beinahe. Denn die Schule hat 100 Spezialbrillen besorgt. Gruppenweise können die Schüler unter Aufsicht auf den Hof und die Sonnenfinsternis betrachten. Rund eine Minute darf jedes Kind in den Himmel gucken, nicht länger. „Wir tragen als Schule schließlich die Verantwortung für die Gesundheit der Kinder“, sagt Rektor Michael Rüttinger.

Denn die Sonnenfinsternis birgt erhebliche Gefahren für die Augen. Ein ungeschützter Blick in die Sonne kann sie für immer schädigen bis hin zur Erblindung. Eine normale Sonnenbrille reicht nicht aus, warnen Augenärzte. Wichtig ist dabei nicht nur der Filter, sondern auch der Seitenschutz. Das Sonnenlicht ist oft viel stärker, wenn es von Glas oder weißen Wänden reflektiert wird. Deshalb haben die Sofi-Brillen auch so breite Pappbügel.

Unterricht hinter Jalousien

An der Mittelschule Weinbergerstraße geht man kein Risiko ein. „Wir haben die Pause vorverlegt, so dass die dritte Stunde um 9.30 Uhr beginnt“, sagt Schulleiterin Petra Zeitler. In den Klassenzimmern findet ganz normaler Unterricht statt – bei geschlossenen Jalousien. So kann kein Kind in die Sonne schauen, wenn der Unterricht gerade nicht ganz so fesselnd ist. Der Blick in die Sonne ist auch durch mitgebrachte Brillen nicht erlaubt: Schließlich seien die Lehrer keine Experten und könnten die Qualität und Wirksamkeit der Brillen nicht beurteilen, erläutert Zeitler: „Die Fürsorgepflicht geht vor.“

Das staatliche Schulamt Neumarkt hat den Grund- und Mittelschulen in seinem Bereich freie Hand gelassen. Es wurde eindringlich auf die Risiken hingewiesen. Ansonsten gilt: „Die Entscheidung liegt in den Händen der jeweiligen Schulleitung“, sagt Schulrat Christoph Weigert.

So verhält es sich auch an den weiterführenden Schulen. An der Mädchenrealschule etwa gibt es keinen einheitlichen Umgang mit der Sofi. Die Erdkundelehrer haben vereinbart, die Hintergründe des Naturphänomens im Geografie-Unterricht zu behandeln, sagt Gisela Schuller, Mitglied der erweiterten Schulleitung und selbst Erdkundelehrerin. Außerdem wird wohl noch mit einer Durchsage auf die Sofi hingewiesen. Doch grundsätzlich ist es jeder Lehrkraft überlassen, wie sie damit umgeht. Schuller selbst hat am Freitag einige Spezialbrillen dabei, mit denen Schülerinnen die Sonne betrachten können. Auch mitgebrachte Brillen dürfen die Mädchen benutzen.

Die partielle Sonnenfinsternis ist ein Ereignis mit Seltenheitswert. Ein Anlass, um schnell ein Foto mit dem Smartphone zu schießen. Doch die meisten Handy-Knipser werden enttäuscht sein. „Eigentlich macht es nur Sinn, mit einem Teleobjektiv der Spiegelreflexkamera zu fotografieren“, erklärt NN-Fotograf Michael Matejka. Damit könne man das Schauspiel nah genug heranzoomen.

Doch auch dabei ist besondere Vorsicht angesagt. Denn die Optik bündelt das Licht, so dass die Hornhaut trotz Schutzbrille geschädigt werden kann. Wer sein Glück dennoch versuchen möchte, muss nicht nur seine Augen schützen, sondern auch die Linse der Kamera mit einer Sonnenfilterfolie abdecken. Wer mit der Spiegelreflexkamera fotografiert, darf auch nicht direkt in den Sucher blicken. „Sonst ist die Netzhaut des Auges kaputt“, warnt Matejka.

Profi-Filter an der Sternwarte

Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, schaut bei der Sternwarte Neumarkt am Mariahilfberg vorbei. Dort sind professionelle Filter und Folien im Einsatz, um Augen und Optiken vor der Strahlung der Sonne zu schützen.

Die Schüler des Willibald-Gluck-Gymnasiums könne sich diesen Weg sparen: Die Sternwarte kommt zu ihnen. Die Kooperation kam zustande, weil einige Lehrer des WGG Mitglied des Sternwarte-Vereins sind. So stehen am Freitag mehrere Teleskope mit Sonnenschutz bereit. Während der zwei Stunden dauernden partiellen Sonnenfinsternis können Schüler im Klassenverband einen Blick riskieren. Zugegebenermaßen wird er nur kurz sein. „Doch die eigene Anschauung erklärt das Phänomen am besten“, sagt Koordinator Gerald Reiser.

Und wer es am Freitag nicht sieht, der lernt es womöglich nimmermehr: Erst 2026 schiebt sich der Mond wieder so weit vor die Sonne, bis diese zur Sichel wird.

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