Drei im Weckla aufs Autobahn-Schild
23.06.2009, 00:00 Uhr
Wie sich die Stadt vorbeirasenden Autofahrern präsentiert, ist keine Schicksalsfrage, die mächtige Emotionen weckt. Doch etliche nachdenkliche Zeitgenossen haben sich hingesetzt und Vorschläge gemacht. Christiane Stahr etwa empfindet das aktuelle «nuernberg.de« als «feines Understatement, das Nürnberg gut zu Gesicht steht«.
«Ein echter Rückschritt«
Für sie drückt es aus, «hier gibt es so viele Sehenswürdigkeiten, dass man keine hervorheben kann.« Dieses Schild nun abzubauen und durch einen Hinweis aufs Germanische Nationalmuseum (GNM) zu ersetzen, wäre für die Nürnbergerin «ein echter Rückschritt«; es stelle die Stadt dar, als habe sie weiter nichts zu bieten als "nur" ein Museum - so bedeutend es auch sein mag.
«Schuster, bleib bei deinen Leisten. Überlege, was dich vorwärts bringt und unterstütze dies in bester fränkischer Tradition«, schreibt Jörn Fischer, ein Zugereister, der «sich in Nürnberg pudelwohl fühlt«.
Bratwurst und Dürer
Auf den Putz hauen und werben solle die Stadt mit Bekanntem, mit Kaiserburg und Lebkuchen, mit Bratwurst, Dürer und Christkindlesmarkt. Alles andere, so NN-Leser Fischer, müsse erst noch seinen Weg in die Außenwahrnehmung der Stadt finden: zum Beispiel Rock im Park, Norisring, Klassik Open Air und Trempelmarkt.
Nürnberg sei nicht nur GNM, Lorenz- und Sebalduskirche, schreibt Dittrich Langenberger und plädiert für Wechselwerbung. Zweimal Museum, zweimal Tiergarten, zweimal Messe und zweimal Christkindlesmarkt, das fände er ideal - «nur mit Easy Credit Stadion möge man uns verschonen«.
Patriot aus Fürth
Andreas Dorschner, dessen E-Mail mutmaßlich aus der Nachbarstadt kommt, schlägt Revolutionäres vor fürs Autobahnschild: Er möchte dort das Fürther Rathaus und das Fürther Stadttheater neben der Nürnberger Burg sehen. Sein Vorschlag für den Untertitel verrät den Lokalpatrioten: «Nürnberg ist schön, Fürth schöner!«
Die Kaiserburg in Farbe hat nach Meinung von Andreas Bertram einen Platz am Schild verdient. «Sie ist das Schönste, was Nürnberg zu bieten hat.« Werbung mit dem Germanischen hält er für «keine gute Idee.«
Gedicht in breiter Mundart
Die historisch-kulinarische Kombination von Drei in an Weckla oder Lebkuchen mit Sehenswürdigkeiten wie Lorenzkirche, Schönem Brunnen oder Heilig-Geist-Spital schwebt Christian Ringer vor, während Richard Gabler aus Nürnberg die Sache wunderbar poetisch auf den Punkt bringt:
Recht hodds,die Fraa Stauber
im Roodhaus sin a poor ned sauber
Über suwos machn sie däi Sorng
denkn blouß vo heid aff morng
Dem Autofohrer iss doch worscht
wenner Hunger hodd und Dorscht
vom langer Fohrn iss hundsstaa mäid
woss aff am bläidn Schild draffstäihd
Ob Business,Germanisch odder Isy-Greddit
dess gräicht er suwiesu ned mit
Doch an Aans denkt er bestimmt zuerscht
A fränggisch Seidler und Rostbroodwerscht!