Ein blühendes Geschäft

17.01.2013, 19:44 Uhr
Ein blühendes Geschäft

© Toplak

Der Frühling ist auf dem Vormarsch. Zumindest auf den 75 Quadratmetern Ladenfläche des Traditionsgeschäfts Evers Florales Design in der Spitalgasse. Anfang Januar sprießt bereits das erste Grün im Schaufenster: Mooskugeln un-terschiedlicher Dimensionen und grüne Vasen haben einen Teil der Winterdekoration verdrängt. Inhaberin Silke Brendel hat außerdem schon die ersten Frühjahrspflanzen bestellt.

Bloß nicht ins Büro

Bald wird sie die ersten Primeln und Anemonen in ihrem Laden anbieten. Noch dürfen ein paar leuchtende Weihnachtssterne die Decke des Geschäfts zieren, draußen vor dem Schaufenster steht nach wie vor der Holzschlitten. „Das Umdekorieren ist zeitaufwendig und zieht sich immer etwas hin“, erklärt Silke Brendel. Der Arbeitstag der Floristin ist in der Regel so ausgefüllt, dass für solche Zusatzarbeiten nur wenig Zeit bleibt.

Bereits um sechs Uhr morgens ist die 42-Jährige an diesem Tag am Großmarkt, um frische Blumen zu kaufen. Um halb zehn wird sie den Laden öffnen, ihre Kunden bedienen und beraten, und nach dem Ladenschluss um halb sieben muss noch die Kasse gemacht werden. Doch das Gestalten und das künstlerische Arbeiten machen Silke Brendel Spaß. Nicht zuletzt deswegen wurde sie Floristin.

„Ich wollte nie ins Büro, ich hatte schon immer einen Draht zur Natur. Blumen sind lebendiges Material und wecken die Kreativität.“ Deswegen sieht ihr Schaufenster auch nie gleich aus. 2011 übernahm Silke Brendel vom vorigen Inhaber Evers das 42 Jahre alte Geschäft, in dem sie ihren Beruf auch gelernt hatte.

Wie ihre Kunden freut sie sich bei „dem trüben Wetter“ schon auf die kräftigen Farben und den frischen Duft des Frühlings. Ihre Ware bezieht die Unternehmerin vor allem von regionalen Erzeugern. Primeln und verschiedene Zwiebelpflanzen be-sorgt sie im Knoblauchsland, die Freilandrosen kommen aus Schwabach. „Blumen aus Franken sind zwar im Einkauf etwas teurer, aber wegen der kurzen Transportwege frischer und sie halten länger. Die Preise sind zwar saisonabhängig, schwanken aber nicht so stark.“

Im Gegensatz zum internationalen Markt, wie Barbara Storb vom Fachverband Deutscher Floristen (FDF) weiß. Am weltweit größten Umschlagplatz für Blumen in Aalsmeer bei Amsterdam zeigen 13 sogenannte Uhren — große Anzeigetafeln — die aktuellen Preise für die Pflanzen der rund 10000 Lieferanten aus aller Welt. Ein Milliardengeschäft. Die Ware wird in den riesigen Hallen versteigert. Und zwar nach dem Rückwärtsprinzip, das in Holland typisch ist: Der Verkäufer gibt den Startpreis vor, der stetig sinkt, solange die Auktion läuft.

Globaler Markt

Trotzdem fackeln die meisten Käufer nicht lange, denn wer auf einen niedrigen Preis spekuliert und zu lange wartet, für den ist am Ende keine Ware mehr da. „Bei bestimmten Käufern spielt Geld keine Rolle“, erklärt Storb. „Kann es sich ein betuchter Käufer aus Russland leisten, zwei Euro pro roter Rose zu berappen, wartet er nicht, bis der Preis bei 20 Cent ist. Er kauft einfach“ — und die Preise für Blumen aus dem Ausland fahren Achterbahn.

Aber auch Floristen, die heimische Produzenten bevorzugen, müssen über die Landesgrenzen blicken. Vor allem während der Wintermonate finden auch importierte Pflanzen ihren Weg in Brendels Laden.

Die Rosen kommen dann aus Südamerika; Asien und Afrika sind ebenfalls auf dem internationalen Markt präsent. Lastwagen liefern ihr über Nacht feine Kräuter wie Thymian und Lorbeer aus Italien und Frankreich. Trotz Risiken: Dank des globalen Handels ist das Angebot an Blumen vielfältiger und stetiger geworden.

Viel Feinarbeit

Doch nicht nur die wechselnden Preise sind eine Herausforderung für die Floristenbranche. Wegen der Gewerbefreiheit kann im Prinzip jeder einen Blumenladen eröffnen, ohne einen Meisterabschluss zu besitzen.

Der Grund: Floristen zählen nicht zum Handwerk, sondern zum Einzelhandel. Die Konkurrenz wächst entsprechend, Blumenläden sprießen an allen Ecken und Enden. „Damit müssen wir leben“, sagt Silke Brendel. „Doch die Verbraucher merken den Unterschied zwischen Fachhandel und reinem Verkaufsladen.“

Laut Zahlen des Branchenverbands FDF gab der Bundesbürger 2012 im Schnitt 110 € für Blumen aus. „Den Großteil davon ließen die Kunden bei den Floristen“, erklärt Storb. Der gestalterische Mehrwert sei eben doch sichtbar. „Jeder, der einmal probiert hat, einen Strauß oder Kranz zu binden, weiß, wie schwierig das ist“, bestätigt Silke Brendel. „Von Hochzeitssträußen und Tischgestecken ganz zu schweigen.“

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