Für ein gutes Verhältnis braucht es beide Seiten
31.03.2015, 20:51 UhrSie hat einen Universitätsabschluss als Ingenieurin, spricht fließend Deutsch — und war dennoch lange arbeitslos: Natalia Rybakova hat nicht nur gute Zeiten in Deutschland erlebt. Die Russin aus St. Petersburg kam vor 18 Jahren hierher, mit der Vorgabe im Hinterkopf: „Ich kann gut mit dem Kopf arbeiten, bin technisch begabt — nur ins Theater könnte ich nicht.“ Denn dafür war ihr Deutsch nicht akzentfrei genug. Dass es nach vielen Zwischenstationen dann doch ein Job im Staatstheater wurde, daran war das Arbeitsamt schuld.
Zunächst kam sie nur im Rahmen einer Arbeitsmaßnahme. Dann begann eine Ochsentour, weil sie die Arbeit unbedingt unbefristet weiter machen wollte, das Amt aber meinte, sie sei dort unter ihrem Ausbildungsniveau beschäftigt. Die Alternative: Arbeitslosigkeit oder wieder Medikamente ausfahren, wie sie es zur Überbrückung vorher gemacht hatte. Beides auch nicht gerade hohes Niveau. „Solche Kämpfe kosten unheimlich viel Kraft!“
Dennoch: Natalia Rybakova lebt gerne in Deutschland und findet auch, dass Zugezogene in der Pflicht sind, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen. „Wenn man die Deutschen näher kennenlernt, merkt man, dass sie auch bereit sind, etwas für andere zu tun. Das ist wie bei einer Familie, die ein Pflegekind aufnimmt: Beide Seiten müssen für ein gutes Verhältnis arbeiten“. Ihr Freundeskreis besteht aber vor allem aus anderen Russen.
Ab und zu nerven sie Klischees in den Köpfen gewaltig: „Wer nicht perfekt Deutsch spricht, der wird oft für dumm gehalten.“ Selbst in der Theaterkantine werde man manchmal schief angeschaut, wenn man sich nicht auf Deutsch unterhalte.
Menschliche Automatismen muss sie oft erst aushebeln: Aus Interesse hat Rybakova angefangen, Latein zu lernen. Im Kurs meinten alle, sie komme vielleicht nicht so gut mit. Beim Grammatik-Test hängte sie dann alle anderen ab...
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