Gastronomie darf "Gäste der Zukunft" nicht vergessen

25.01.2017, 13:23 Uhr
Gastronomie darf

© Foto: Michael Matejka

Es hat sich etwas getan in Sachen Kinderfreundlichkeit, findet Thomas Förster, Erster Vize-Präsident des Dehoga Bayern und Inhaber des Gasthauses "Bratwurst Röslein". "Kürzlich hatten wir einen Kinderwagen-Rekord. 21 gleichzeitig", sagt er. Die Zwerge sitzen im "Röslein" bequem im Kinderstuhl, malen mit Hingabe die Kinder-Speisekarte aus oder kochen ihr eigenes Süppchen in der abschließbaren Spielecke mit Blick auf Papa und Mama, während diese entspannt Sechs mit Kraut essen.

"Die Branche hat erkannt, dass Kinder das Weggehverhalten der Eltern beeinflussen", meint Förster. Sprich: Fühlt sich der kleine Sohn wohl, dann tun es auch Mutter und Vater – und kommen gemeinsam wieder.

Fernab von Chicken-Nuggets

Hoga-Projektleiter Stephan Dovern ist schuld an dem neuen Bereich "Kids-Choice": "Viele Gaststätten besitzen nicht mal einen Kinderstuhl und zum Essen für die Kleinen gibt es nur Pommes und Chicken-Nuggets", sagt der Vater eines vierjährigen Sohnes. Ganz anders würde es dagegen in Österreich aussehen: "Kinderecken, Spielplätze im Freien und häufig ein zweiter Raum, in dem vorwiegend Familien platziert werden."

Man könne zur Entspannung von Eltern und Kindern oft mit kleinen Mitteln und ohne große Investitionen beitragen, ist er sich sicher. Und lobt das Nürnberger Restaurant "Auguste" mit Spielhütte und "Kinder-Burgern". Es muss ja nicht gleich die Kletterwand sein. Auch Buntstifte und ein Buch zum Ausmalen tun es, wenn sie mit Freundlichkeit an den Tisch gebracht werden. Dann ist vielleicht auch Mamas Handy nicht mehr so interessant.

Geringe Kosten für die Unterhaltung der Kleinen

Seit 20 Jahren bringen Hans-Günter und Hannelore Boom Wundertüten an das Kind. Gefüllt mit Stiften oder Geschicklichkeitsspielen, "nichts, was lärmt oder fliegt". Eine kostet den Wirt 59 Cent, wenn er mindestens 1000 Stück abnimmt, samt eigenem Restaurant-Logo. "Spürbar wenig" Interesse hätten die meisten Gastronomen leider, beklagt Boom. "Ich frag mich immer, ob die keine Kinder im Restaurant haben oder wollen!" Dennoch, es sei gut, dass es "Kids-Choice" auf der Hoga gebe. Vielleicht ändere sich ja dadurch etwas.

Kai Schuster steht interessiert vor einem Spielcomputer. Kinder sind wichtig, meint der Gastronom. In seinem "Gasthaus Rosenau" in Markt Erlbach rennen die Kleinen aber schon mal durch die Gegend, ohne dass die Eltern sich um sie kümmern. "Die wollen eben ihre Ruhe haben", meint er und sucht etwas, um die kleinen Gäste zu beschäftigen. Die Nürnbergerin Eva Beham hat sich Familienfreundlichkeit auf die Fahne geschrieben und im Herbst das "Café Dada" im Stadtteil Rennweg eröffnet. "Es gibt einen großen Mangel an kinderfreundlichen Cafés in der Region", sagt die zweifache Mutter. In den letzten Jahren habe die Café-Kultur einen enorm großen Stellenwert bekommen.

Und so bietet sie neben Cappuccino auch Waffeln und Schälchen mit Obst für die Kleinen an. Eine Gratwanderung sei es dennoch: "Ich kann als Gastronom nicht überleben, wenn das Dada zwar gut gefüllt ist, aber kaum konsumiert wird", sagt Beham. Und sich manche Mutter über Stunden mit einer Latte macchiato begnügt. Auf den Kinder-Speisekarten sollte sich etwas ändern, findet sie. "Nicht jedes Kind liebt Schnitzel!" Insgesamt müsse es selbstverständlicher werden, dass die Kleinen, wie in vielen südlichen Ländern, im Restaurant dazugehören.

Hausgemachtes Essen

Auch Laurie Matschoss hat aus eigenem Interesse ihr Café "The Lunchbox" in der Schnieglinger Straße mit großer Kinderecke eröffnet. "Ich war mit Freundinnen oft in Indoor-Spielplätzen, aber dort gab es kaum gesundes Essen." Ein erwachsenenfreundliches Umfeld wolle sie herstellen, in dem die Eltern hausgemachtes Essen, guten Kaffee aber auch eine Auswahl von gesunden Mahlzeiten für ihre Kinder vorfinden.

Die Eltern seien begeistert, nun einen Ort zu haben, an dem sie mit Kindern willkommen sind, sagt Matschoss. Es gehe ihr mehr darum, ein Angebot für Kinder und Erwachsene zu schaffen, als spezielles Kinderessen anzubieten. Bis jetzt habe sich noch niemand beschwert. Kinderlose wären ebenfalls gerne in der "Lunchbox" – auch wenn es einmal lauter zugeht.

Kinder-Beratung für Gastronomen

"Der Umgang mit Gästen erfordert Fingerspitzengefühl", sagt auch Thomas Förster. Gerade wenn Leute von Kindern gestört werden oder die Eltern tatsächlich kein Auge auf Sohn und Tochter haben. "Kids-Choice" sei ein guter Anfang, um die Wirte zu sensibilisieren.

Als Erweiterung könnte sich der Vize des Dehoga Bayern auch eine Beratung vorstellen — um die Gastronomen auf schreiende Kinder und genervte Gäste vorzubereiten. Schlussendlich macht der Ton ja die Musik.

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