«Im Moment ist hier bei uns die Hölle los»
11.06.2007, 00:00 Uhr
Von wegen Ferien: Florian Blersch, Gabriela Castelo und Sandra Pahl haben es sich zwar auf einer Anhöhe im Freibad Bayern 07 gemütlich gemacht, doch die drei Studenten wälzen Arbeitsmappen und Bücher. «Wir sind schließlich mitten im Semester», sagt Sandra, die aber froh ist, dass sie im Schwimmbad wenigstens das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann. Im Wohnheim in St. Peter, sagt Florian, wäre es eh viel zu heiß: «In unseren Zimmern unterm Dach sind mindestens 40 Grad.»
Viel kälter ist es auf der sonnigen Freibad-Wiese zwar auch nicht, doch hier lockt wenigstens der Sprung ins kühle Nass. Dass die Wasserqualität dem Ansturm von rund 3000 Badegästen gewachsen ist, dafür sorgen Detlef Rohmann und seine Kollegen. «Bei so einem Wetter füllen wir täglich 250 000 Liter Frischwasser nach», sagt Rohmann, der auch technischer Vorstand des Schwimmvereins ist. Mehrmals täglich werden Proben genommen, außerdem überprüft ein Computer regelmäßig die Werte. Vier bis fünf Bademeister sind an heißen Tagen im Einsatz, um die beiden großen Becken zu überwachen, Zecken zu entfernen oder Schürfwunden zu versorgen. Darunter sind auch Nachwuchskräfte wie Dino Ludwig und Alexander Dietz, die ihre Ferien im Bad verbracht haben. «Das ist doch wie Urlaub», meint Dietz.
Zu denen, die in den Ferien Überstunden schieben, gehört auch Lambors Chaliasos. «Hier ist die Hölle los», sagt der Wirt der Gaststätte «Am Pulversee», bevor er das nächste Gyros Pitta über den Tresen schiebt. Pro Tag gehen rund 1500 Portionen Pommes weg, das Eis war nach dem Ansturm am Feiertag fast ausverkauft. Deshalb beginnt Chaliasos auch jeden Arbeitstag mit einem Blick ins Internet: Der Wetterbericht hilft enorm bei der Planung.
Auch Christian Felsing muss mehr arbeiten, wenn die Sonne scheint. Im Moment rührt der Shopmanager von «Australian Homemade» an der Museumsbrücke gerade die nächste Portion Eiscreme an. Ob Mango, Ananas oder Cocos, alles sei «aus puren Zutaten» und ohne künstliche Aromastoffe hergestellt. Sein Himbeereis bringt es denn auch auf einen Fruchtanteil von 75 Prozent. Das wissen Kunden wie Julia und Maximilian (beide 14) zu schätzen, die sich zum Ferienausklang noch eine Portion «Belgische Schokolade» gönnen. «Eis und Ferien, das gehört doch zusammen.»
Andere ziehen das Freibad vor: Im Westbad tummeln sich am Sonntagmittag zwar nur wenige Besucher auf den Grünflächen und im glitzernden Nass. Doch Betriebsleiter Volker Schmid winkt ab: «Das wird später mehr.» Der Rekord von Samstag, wo nahezu 3000 Badegäste kamen, werde heute aber nicht gebrochen. «Ich rechne mit rund 1000.»
Metaan (10), Robin (10), Marco (17), Roberto (16) und Jenny (16) sind ganz froh, dass es im Westbad heute nicht ganz so voll ist. Die fünf haben es auf die Rutsche und den Sprungturm abgesehen: «Da kommt man einfach öfter dran, wenn’s leerer ist.» Dass sie am letzten Ferientag baden gehen, haben die Kinder und Jugendlichen von langer Hand geplant, erzählt Marco: «Wir wohnen in der Südstadt und kommen nur zu besonderen Anlässen her.»
Ein Steinwurf entfernt, im Wiesengrund ziehen andere den Sport auf dem Trockenen vor. Die fünfjährige Marie ist mit ihrem Vater Jürgen Wieland, dessen Lebensgefährtin Anne Rödl und ihrem Bruder Johannes unterwegs. Während der Rest der Familie skatet, fährt die kleine Marie auf ihrem Mini-Fahrrad voraus. «Auf Inlinern käme sie uns nicht hinterher», lacht der Papa. Dass der Familien-Ausflug auf den letzten Ferientag gefallen ist, sei allerdings reiner Zufall. «Wir fahren häufiger mit den Inlinern in die Innenstadt zum Eisessen oder über den Wiesengrund nach Fürth.»
Judith Kettler und ihre Tochter Amber (9) haben sich mit Freundin Nancy Weickert und deren Tochter Emma (8) zum Grillen an der Pegnitz verabredet. Während die Frauen das Essen vorbereiten, spielen die Kinder am Wasser. «Das ist doch eine super Gelegenheit, die Ferien ausklingen zu lassen. Für die Kleinen - und natürlich für uns.»