Jubel, Spaß und Spannung trotz Regendusche
08.07.2008, 00:00 Uhr
Immerhin war Rauscher zweimal im Trikot des 1. FC Nürnberg Deutsche Meisterin. Zunächst im Mannschaftswettbewerb und ein Jahr später im Mannschaftsfünfkampf. Zusammen mit Anneliese Seonbucher, die 1952 an den Olympischen Spielen in Helsinki teilgenommen hatte, und Lieselotte Sturm. Der Fünfkampf bestand damals aus Weitsprung, Hochsprung, 80 Meter Hürden, Kugelstoßen und 200 Meter. Aber Helga Rauscher will diese beiden Titel nicht an die große Glocke hängen: «Ich war doch nie so gut, meine Mannschaftskameradinnen waren ja viel besser.»
«Das ist sehr gut aufgezogen»
50 Jahre später saß Helga Rauscher mit ihrem Mann Kurt bei der Deutschen Leichtathletik Meisterschaft am Wochenende in Nürnberg im Publikum. Die beiden beobachteten genau, was die deutschen Spitzenathleten dieser Tage zu bieten hatten, blickten abwechselnd auf die Laufbahn, die Sprunggrube oder Videoleinwand, um die Zeitlupe zu studieren. «Die Vielfalt der verschiedenen Disziplinen» findet Helga Rauscher besonders attraktiv, während Ehemann Kurt die Organisation der ersten Meisterschaften nach 60 Jahren in der Noris lobt: «Es gibt kaum Leerlauf, da ist immer und überall etwas los. Das ist sehr gut aufgezogen.»
Nicht einmal die heftige Regendusche, die am Sonntagnachmittag um kurz vor Vier einsetzte, konnte dem Ehepaar aus Röthenbach bei St. Wolfgang den Spaß nehmen. «Das gehört dazu und tut der Sache keinen Abbruch», sagte Helga Rauscher unerschrocken. Auch die anderen der insgesamt rund 32 500 Zuschauer ließen sich die Laune nicht so leicht verderben. Als die Wettkämpfe dann doch unterbrochen werden mussten, klatschten sie eben fröhlich zu Rudi Carrells Evergreen für verregnete Stunden: «Wann wird’s mal wieder richtig Sommer». Und so wurde der erste Speer, der nach der kurzen Pause abgeworfen wurde, regelrecht bejubelt. Ja gar überschwänglich war sein Flug von Ovationen begleitet, bis er sich kurz vor der 70-Meter-Marke in den durchweichten Rasen bohrte.
«Schade, dass es jetzt noch geregnet hat», fand allerdings Helmut Wild, der auf seinem Platz im Oberrang der Haupttribüne nicht nass wurde. «Gegenüber im Unterrang hat sich aber schlagartig alles geleert.» Der 43-jährige Nürnberger nutzte die Leichtathletik-Meisterschaft mit Frau Annette und den Kindern Julia (9) und Jannis (4) zum sonntäglichen Familienausflug. «Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich hätte nicht gedacht, dass bei den Laufdisziplinen so viel Stimmung rüberkommt», war Wild von der Dynamik der Leichtathletik überrascht.
Vom Kinderprogramm, das vor dem Stadion angeboten wurde, hätte er sich allerdings etwas mehr erwartet. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Tochter Julia auf die Frage, ob es ihr gefällt, nur mit Schulterzucken und einem leisen «Naja» antwortete. «So schlecht findet sie’s nicht, sonst wären wir gar nicht mehr hier», fügte ihre Mama schmunzelnd hinzu.
Ein paar Reihen weiter oben, fast direkt unter dem Stadiondach, saßen Lisa (15) und Kathrin Glatting (18). Die blonden Schwestern waren aus Aalen angereist, um ihren großen Bruder Christian beim 5000-Meter-Lauf anzufeuern. Damit sie das Rennen von ihrem Tribünenplatz genau verfolgen konnte, hatte sich Lisa mit einem Feldstecher ausgerüstet. Kathrin behalf sich mit dem Objektiv ihres Fotoapparats.
Nach etwas mehr als 14 Minuten Klatschen, Schreien und Fotos schießen kam der große Bruder immerhin als Siebter ins Ziel. Kathrin Glatting war damit nicht ganz zufrieden: «Wenn er früher rangegangen wäre, hätte er noch besser sein können. Aber insgesamt war das schon gut.» Die Kulisse für die Wettkämpfe in Nürnberg fanden beide bemerkenswert, obwohl das weite Rund bei Clubspielen gegen Cottbus in der abgelaufenen Saison besser gefüllt war. «Das Stadion ist ziemlich groß, andere Deutsche Meisterschaften finden im kleineren Rahmen statt», staunte Lisa.
Helga Rauscher hingegen war ein wenig enttäuscht von der Zuschauerzahl: «Leichtathletik ist eben nicht so populär und weit verbreitet. Früher kamen auch nicht so viele Zuschauer.» Ihr Mann sieht das zwar genauso, ist aber eine Spur zuversichtlicher und hofft, «dass Nürnberg mit seinem super Stadion als Standort für die Leichtathletik wieder mehr Chancen bekommt. Wir würden auf jeden Fall wieder kommen.»
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