Manege frei für fliegende Teller und pumpende Bässe
08.10.2012, 08:50 Uhr
Auch ein Zirkus muss mit der Zeit gehen, und so begleiten pumpende Bässe mit schnellem Tempo die Teller von Erik Munoz auf ihrem Flug durch die Zuschauerreihen. Wie Frisbees pfeifen diese durch die Luft, über die Köpfe hinweg, und drehen dann doch noch ab, um in den Händen des Jongleurs zu landen.
Den Spagat zwischen Moderne und Tradition, den versucht das 121 Jahre alte Familienunternehmen auch mit Hilfe der Musik zu erreichen. Statt eines Ansagers begleiten ausgebildete Opernsänger die Nummern — das ist neu, das ist gewagt, aber es funktioniert. Die Tiernummern fallen alle etwas weniger umfangreich und spektakulär aus, seit Jahren bereits stehen Zirkusse dabei unter strenger Beobachtung. Dafür ist Illusionist Dennis Rush mit dabei, der seine Sache mehr als ordentlich macht. Die Jungfrau wird bei ihm nicht zersägt, dafür läuft sie Gefahr, durchlöchert aus ihrer Box zu steigen. Doch weil im Zirkus eben immer alles gutgeht, zaubert der junge Mann zwei Schönheiten hervor.
Bereits am Eingang auf dem Volksfestplatz riecht es nach Sägespänen und Tieren, der Popcornautomat steht rechts neben den gebrannten Mandeln und Hausherr Manuel Wille-Busch begrüßt seine Gäste in der Manege. Gut gefüllt ist das große Zelt zur Premiere. Noch bis zum 23. Oktober gastieren Mensch und Tier in der Stadt, aus der ein Teil der Familie ursprünglich stammte. Manchmal sei es romantisch und manchmal aber auch sehr hart, dieses Leben im Wohnwagen, alle paar Wochen von Ort zu Ort zu ziehen, sagt Tourmanager Reto Hütter.
Kraftprotz und Schwergewicht
Die Zeiten sind schwieriger geworden, die Kosten für Miete, Strom und Wasser würden sich ständig erhöhen, „das können wir nicht einfach so ans Publikum weitergeben“. Das kriegt auch nicht mit, dass allein der Aufbau der kleinen Zirkusstadt volle drei Tage in Anspruch nimmt, es möchte sich nur gut unterhalten, und diesen Wunsch erfüllen die drei Busch-Kinder nach wie vor, dafür greifen sie tief in die Trickkiste: Kraftprotz Carlo Triberti biegt Eisen und sprengt Ketten, die Elefantendame Klara — Schwergewicht im Programm — gibt Pfötchen. Dazu Artistik und Akrobatik in der Luft oder auf Rollschuhen, ein dreifacher Salto Mortale auf dem Trampolin. Stolze Friesenpferde tanzen in der Manege, süße Shetlandponys werden bestaunt, große Kamele und flinke Lamas toben über den Sandboden.
Das ist bestes Entertainment in 3D, staunen, klatschen, die Luft anhalten oder lauthals jubeln, so muss Zirkus sein. Hervor sticht bei alledem aber das Trio Tony Tonito, eigentlich Pausenfüller zwischen zwei Stücken, während im Hintergrund aufgeräumt wird. Den drei Clowns genügt eine Trillerpfeife oder ein Luftballon, um minutenlang das Publikum zu unterhalten, in klassischer Besetzung als August, dummer August und Weißclown fast ganz ohne Worte, aber dafür mit viel Witz und Esprit.
Der rote Faden im aktuellen Programm ist dabei ein musikalischer, wenn die Clowns Saxofon spielen im Publikum etwa, der Dudelsack die nachfolgende Nummer begleitet und erst recht, wenn Alexandra Gerbey kopfüber unter dem Dach baumelt und dabei noch eine Arie schmettert. Zum Finale singen dann übrigens alle zusammen — die ganze Zirkus-Familie und das begeisterte Publikum im Duett.
Vorstellungen bis Dienstag, 23. Oktober, immer wochentags (15 und 20 Uhr) und sonn- und feiertags (15 und 18 Uhr). Dienstag ist spielfrei. Montags, mittwochs und donnerstags ist um 15 Uhr Familientag (Plätze, außer Loge, kosten dann nur zehn Euro).
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