Radstreifen-Experiment: Hitzige Debatte im Stadtrat

Marco Puschner

Lokalredaktion Nürnberg

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02.11.2020, 07:36 Uhr
Radstreifen-Experiment: Hitzige Debatte im Stadtrat

© Foto: Jo Seuß

"Wir haben unser Ziel nicht erreicht, aber vom Scheitern sollte man nicht sprechen", sagte zum Beispiel SPD-Stadtrat Nasser Ahmed, der den Pop-up-Radweg als Antragsteller gemeinsam mit Max Müller (CSU) auf den Weg gebracht hatte. "Wir können daraus lernen."


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Auch Baureferent Daniel Ulrich (parteilos) verwies auf "Erkenntnisgewinne" durch den Verkehrsversuch. Zwischen Juli und Oktober war der Radweg auf dem Stück zwischen der Bertha-von-Suttner-Straße und der Wredestraße eingerichtet worden. Ulrich referierte, dass gerade stadteinwärts, wo die Strecke nur durch eine gelbe Markierung abgetrennt war, wenig zusätzliche Fahrräder hinzugekommen seien. Stadtauswärts platzierte man Baken zwischen Autofahrer und Radler. Insgesamt geht aus den Unterlagen für den Ausschuss hervor, dass die Zahl der Radfahrer auf der Strecke durch den nunmehr beendeten Versuch von 300 auf 700 gestiegen ist. Die angestrebte Menge von 800 bis 1000 Radlern sei daher verfehlt worden, hält der Bericht fest.

Ausgebremste Busse

Zudem habe man die Busse vor Probleme gestellt, wie es Ulrich formulierte. "Eine Lösung, die den ÖPNV benachteiligt, ist hochkritisch." Aus dem Bericht geht hervor, dass die Linie 90 ausgebremst wurde. Es könne freilich nicht Sinn der Sache sein, dass sich die umweltfreundlichen Verkehrsmittel Fahrrad und öffentlicher Nahverkehr gegenseitig behinderten, sagte Ahmed.

Sowohl der SPD-Verkehrsexperte als auch die Räte Max Müller (CSU) und Titus Schüller (Die Linke) betonten aber, dass durch den Versuch auch viel Geld gespart worden sei – 2,5 Millionen Euro könne man nun an anderer Stelle investieren sagte Ahmed. Sie wären ansonsten nämlich in einen festen Radweg an dieser Stelle investiert worden. Man benötige keine "Wohlfühlpolitik für eine Gruppe, die es gar nicht gibt", sagte Ulrich, und Müller meinte, dass die Summe von 50 000 Euro für den Verkehrsversuch aus dieser Perspektive sehr gut angelegtes Geld gewesen sei.

Fahrspuren fielen weg

Der CSU-Rat gab auch zu bedenken, dass es schwer vermittelbar sei, wenn Tausende Autofahrer wegen einiger hundert Radfahrer Einschränkungen hinnehmen müssten. In beiden Richtungen ist eine Fahrspur für den provisorischen Radweg weggefallen.


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Nicht in diesen Tenor einstimmen wollte Mike Bock von den Grünen. "Wir brauchen eine richtige Verkehrswende", sagte er. Die Bevorteilung der Autofahrer müsse aufhören. Und für jene zusätzlichen 400 Radler, die während des Verkehrsversuchs an der Rothenburger Straße unterwegs waren, benötige man eine Lösung.

"Was wollen wir ihnen anbieten?" Mit seiner Frage, ob denn nun die Verwaltung oder die Politik auf der Bremse stehe, rief er freilich den Ausschussvorsitzenden Andreas Krieglstein auf den Plan. Der Chef der Rathaus-CSU betonte, dass die Verwaltung "einen guten Job macht". Zudem diskutiere man im Rat sehr intensiv über den Radverkehr und die Frage, wie zum Beispiel Lückenschlüsse im Radwegenetz hergestellt werden können. Ahmed sprang Krieglstein bei und verwies auf den Etat für den Radverkehr, dessen Verdreifachung auf dann zehn Millionen Euro im Jahr 2023 SPD und CSU beschlossen hätten.

Unterdessen hat sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club zu Wort gemeldet. Aus einer "guten Lösung ohne gute Anschlüsse" könne "keine gute Radroute" entstehen, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung. Er stellte außerdem zur Diskussion, ob eine Streckenführung entlang der Rothenburger Straße wirklich die beste Lösung für den geplanten Radschnellweg von Oberasbach/Stein nach Nürnberg ist.

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