Orientalistik erfreut sich großer Beliebtheit

08.06.2009, 00:00 Uhr
Orientalistik erfreut sich großer Beliebtheit

© Holland

Die musikalische Lesung der bis zu 4000 Jahre alten Gedichte, die Ott in ihrer Anthologie «Gold auf Lapislazuli» veröffentlicht hat, bietet eine «Facette des Orients, die uns von den Nachrichten oft vorenthalten wird». Von Liebe und Vereinigung, sowohl fleischlich als auch mit Gott, ist da die Rede. Andere Gedichte wiederum sind ein Loblied auf den Rotwein oder wenden sich gar gegen politische Herrscher.

Auch die traditionellen orientalischen Instrumente werden dem Publikum vorgestellt: Die Trommel, «Darabukka», die Schellentrommel «Riqq», die Kniegeige aus Kokosnuss, «Joza», und die «Nay», die Schilfrohrflöte, das wichtigste orientalische Instrument.

Die Lesung bietet einen kleinen Einblick in die Orientalistik, deren Lehrstuhl zum Institut für Außereuropäische Sprachen an der Universität Erlangen-Nürnberg gehört. Die zurzeit 111 Studenten lernen dort zunächst Arabisch, die Lingua Franca des Orients. Im Laufe ihres Studiums kommen dann wahlweise noch Persisch oder Türkisch dazu.

Ein weiterer Studiengang ist die Semitistik, die Hebräisch, Äthiopisch und Aramäisch umfasst, wobei Aramäisch einen großen Forschungsschwerpunkt in Erlangen bildet. Arabisch wird außerdem auch vom Sprachenzentrum für Hörer aller Fachbereiche angeboten. Hierzu meint Ott allerdings: «Es wird viel Wert darauf gelegt, die Sprachausbildung der Orientalistik-Studenten am Lehrstuhl zu halten. Die Sprache ist für uns der Schlüssel zur Ausbildung in der Orientalistik.»

Der Lehrstuhl für Orientalische Philologie ist seit der Emeritierung von Prof. Otto Jastrow vakant. Seitdem ist Prof. Hartmut Bobzin geschäftsführender Leiter des Instituts. Er befasst sich mit Islamwissenschaften und arbeitet gerade an einer neuen Koranübersetzung. Prof. Shabo Talay vertritt das Fach Semitische Philologie und erforscht insbesondere lebendige orientalische Sprachen. Die klassische und moderne Literatur wird den Studenten von Claudia Ott vermittelt, die auch arabische Musik studiert hat. Und für die Sprachausbildung im Arabischen sorgt der aus dem Irak stammende Lektor Salah Fakhry.

Somit ist das Fach Orientalistik in breiter Ausrichtung vertreten und bereitet die Studierenden auf unterschiedlichste Berufslaufbahnen von Verlag und Museum über die Forschung bis zum Diplomatischen Dienst vor.

Die Orientalistik-Studentin Renée Safarowsky kommt eigentlich aus Bamberg und findet es gut, dass «die Erlanger Orientalistik ein relativ kleiner Studiengang und deshalb auch sehr persönlich gehalten ist». Elena Shin studiert im vierten Semester Orientalistik. Ihr Interesse für diesen Studiengang wurde geweckt, «weil der Orient ständig in den Medien ist und ich einmal wissen wollte, was hinter den meist negativen Schlagzeilen steckt. Ich persönlich bin weniger an Politik interessiert und möchte vor allem mehr über die Kultur dieser Länder erfahren.»

Einen weiteren Aspekt der Orientalistik bildet die Sozialwissenschaft. Die Studenten können beispielsweise Politikwissenschaft, Ökonomie und Kulturgeographie wählen und dadurch ihr Studium ergänzen. Claudia Brunner, die im fünften Semester Islamwissenschaften studiert, unterstreicht: «Ich habe mit Politikwissenschaften angefangen und später Orientalistik dazugenommen. In Erlangen sind beide Fächer wunderbar aufeinander abgestimmt.» Ein Auslandsaufenthalt ist zumindest für die Bachelor-Studenten Pflicht. «Viele Studenten gehen aber auch darüber hinaus noch öfter ins Ausland», so Ott.

Die Orientalistik kann sich über die ständig steigenden Studentenzahlen freuen, obwohl viele Anfänger an der Schwierigkeit, die arabische Sprache und Schrift zu erlernen, scheitern: «Viele Studenten geben auf, weil sie falsche Erwartungen an das Studium gestellt haben oder mit der arabischen Sprache nicht klarkommen», meint die Studentin der Islamwissenschaften, Anna Chrzan.

Den Lehrstuhl für orientalische Philologie gibt es in Erlangen bereits seit 1818. Damals wurde er von Friedrich Rückert, dem berühmten Professor für morgenländische Sprachen, besetzt. Das mittlerweile moderner ausgerichtete Fach wird die Erlanger Geisteswissenschaften auch in Zukunft weiterhin bereichern, glaubt Safarowsky: «Dafür, dass man in der Schule nur wenig von der Orientalistik mitbekommt, gibt es jedes Semester doch wirklich viele Neueinsteiger.»

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