Blühende Wand ziert modernes Firmenbüro

14.10.2011, 12:30 Uhr
Blühende Wand ziert modernes Firmenbüro

© I. Lenk

Ihr erstes Gründach entwarf die Firma Lenk vor 20 Jahren für den Bayreuther Schließdienst. Ihr schönstes bekam die Bayerische Beamtenbank in Nürnberg, mit aufmodellierten Hügeln und einem Wasserlauf. Nur pflegt es seither keiner. Ihr kompliziertestes Gründach schwebt über Martin Lenks Kopf, auf dem Dach seines Büros. Und an dessen Steilwand mit 70 Grad-Winkel.

Dieses Büro ist ein futuristischer Anbau, komplett „natur“: Auf einem dicken Eichenbodensockel sind nur noch effektvoll rostende Edelstahlplatten zu finden, Glas und Schiefer. Entsprechend wohlig ist das Klima innendrin. Und das bleibt auch bei heißen Sommern so. Denn Martin Lenk knobelte ein halbes Jahr lang herum, wie er Erde und Pflanzen drauf bekommt, die isolieren.

Hängender „Wandgarten“

„Am Ende war es so, wie ich es mir vorgestellt hab.“ Dies klappte, weil er erstmal eine wurzelfeste Abdichtung auflegte („das A & O“), dann eine dicke Wasserspeichermatte drüber zog, und ein unverrottbares Netz mit großen Maschen aufhängte. Das alles ist an der Oberkante der Steilwand mit Edelstahlbolzen gehalten, damit nichts abrutscht.

Dann trafen die „Eierbecherkästen“ ein, sprich vorgepflanzte Module im Format 30 mal 30 Zentimeter. Die mussten laut Hersteller mit UV-beständigen Kabelbindern an das Netz geknotet werden. „Wir haben alle Finger kaputt gehabt. Zwei Tage waren wir drüber.“

„Da geht die Post ab!“

Am Besten erledigt man so etwas bei Regen, weil es dann gleich gegossen ist. Wirft man noch Dünger drüber, „dann geht die Post ab“. Und die Natur: Sie schlug bei diesem Dach mit extrem viel Thymian zu; beim grünen Gartenhausdach 50 Meter weiter mit einer Walderdbeerplantage; beim Carport mit Schnittlauch. „Wir haben einen halben Kräutergarten hier.“

Mit solchen Dächern erlebte Martin Lenk schon einiges: Bei der Sammethalle mussten nämlich „Flachballenpflanzen“ verwendet werden. Bei der neuen Sport- und Kulturhalle ist ein externer Begrüner billiger, der auf die Dacherde (fachlich „Substrat“) mit großen Saugern Sprossen bläst, die er des Winters, wenn die Preise unten sind, in Riesenmengen kauft.

Auf der Gymnasiums-aula entwickelte sich meterhoch Unkraut, weil die Maurer dazwischen kamen und die Erstpflege verhinderten.

Beim Böllgraben steht „die“ Lenk’sche Musterbegrünung überhaupt: Seit 1993 ruht hier der Spielplatz auf einer meterdicken Humusschicht über einer Tiefgarage.

„Es gibt inzwischen Industriegebiete“, sagt Martin Lenk, „wo die Dachbegrünung sein muss. In Stuttgart zum Beispiel.“ Bloß halten die Pflanzen oft nicht lange, weil sie nur angeblasen werden, nicht von Hand gesetzt. Nach drei Jahren ist dann alles braun.

Aktuell legt Martin Lenk pro Jahr zwischen 500 und 1000 Quadratmeter Dachgrün an. Er tut es gern. „Jedes Gründach ist schön. Weil du der Natur oben zurückgibst, was du ihr unten wegnimmst.“

Wenn seine Firma 2012 ihre 75-Jahrfeier hat, werden im Hof begrünte Gartenhausdächer aufgebaut — „und am Ende des Tages für einen guten Zweck versteigert“.

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