Josef Felser für jeden guten Zweck zu haben
06.02.2019, 08:41 Uhr"Ich schau zu, wie alles abgewickelt wird", sagt Felser mit einem Augenzwinkern auf die Frage nach seiner Geburtstagsfeier. In kleinem Kreis werde gefeiert. Seine beiden Geschwister, die auch in Auerbach wohnen, werden kommen. Natürlich auch Gattin Marianne, die vier Kinder Konrad, Maria, Clemens und Gabi, sieben Enkel und vier Urenkel. Die Familie steht zusammen.
Mit seiner Frau kümmert sich der Jubilar seit 63 Jahren um die Pflege seiner behinderten Tochter Maria. Der Humor blieb nicht auf der Strecke. "Er hat früher nicht gefolgt und folgt heute auch noch nicht", sagt Marianne Felser, eine geborene Ringl, schmunzelnd. Kleine Neckereien machen dem Paar, das vor zwei Jahren das 65-jährige Ehejubiläum feiern durfte, noch immer Spaß.
Josef Felser ist ein Auerbacher. Sein Großvater war aus Hopfenohe gekommen und hatte sich am Unteren Markt als Schreiner niedergelassen. Auch der Vater war in diesem Beruf tätig. Josef machte seine Lehre in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges bei einem Auerbacher Fachbetrieb. Bis 1948 blieb er als Geselle, und machte sich dann mit 20 Jahren 1949 selbstständig. Eine uralte Hobelmaschine hatte ihm sein Großvater hinterlassen. Bei einer Maschinenausstellung in Nürnberg erwarb Felser eine kombinierte Kreissäge, Bohr- und Fräsmaschine. Nach einer Sportverletzung entließ sich Felser selbst um 5.30 Uhr aus dem Krankenhaus, um noch mit Kopfverband auf die Messe zu kommen.
Seine Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit machte sich bezahlt. 1954 machte der Jubilar die Meisterprüfung. Die Schreinerei lief gut, viele Aufträge waren zu bearbeiten. Unter anderem war Josef Felser 20 Jahre der "Hausschreiner" bei Cherry. Bei großen Aufträgen arbeitete er auch mit Mitbewerbern zusammen. Irgendwann kam ein Möbelhandel dazu. Im Erdgeschoss des Wohnhauses wurden entsprechende Räume mit einem großen Schaufenster geschaffen. Bis 1993 führte er seinen Betrieb, in dem 15 junge Leute ausgebildet wurden.
Der Jubilar engagierte sich auch im Vereinsleben. Schon als junger Mann spielte er Fußball beim SC Glückauf, gewöhnlich als Linksaußen. Später war er in der Vereinsleitung: Fünf Jahre zweiter und sechs Jahre erster Vorsitzender. Er ist Gründungsmitglied der Kolpingfamilie, sang viele Jahre als Tenor im Männergesangverein und war aktiv beim Schützenverein 1890 Auerbach. 26 Jahre gehörte Felser dem Vorstand des Stadtverbands an. Ein Jahr leitete er den Dachverband der Vereine kommissarisch. Lange Zeit war er auch der Nikolaus des Stadtverbands und besuchte unter anderem Adventsmarkt, Altenheime und Regens Wagner.
Früh zeigte Josef Felser seine soziale Ader. Er hatte spontan die Idee, mit einer Drehorgel Spenden für die Aktion Sorgenkind zu sammeln. Gesagt, getan. Den Holzkasten mit Drehvorrichtung baute er selbst und ließ ihn bemalen. Im Inneren war ein Kassettenrekorder mit Liedern wie "Ach, du lieber Augustin", die Heinz Kreisl am Klavier gespielt und aufgenommen hatte. Mit einem Zylinder war Felser bei Vereinen, im Fasching und bei Veranstaltungen unterwegs und sammelte 33 000 Mark für die Aktion. Das Geld wurde an die "Lebenshilfe" in Amberg, Sulzbach-Rosenberg und Irchenrieth überwiesen.
Dumme Sprüche
"Es war eine harte Zeit, aber ich habe es nicht bereut", erinnert er sich. Er musste sich oft dumm anreden lassen oder bekam keine Auftrittserlaubnis. "Für die Krüppel gebe ich nichts", musste der Auerbacher manchmal hören. Später sammelte er etwa 16 Jahre Lebensmittel in Supermärkten und brachte diese anfangs in das Mutterhaus und zu Regens Wagner, später in den Archeladen.
Vor wenigen Jahren war Josef Felser noch täglich in der Kirche und danach beim Einkaufen. Nach sieben Operationen in den vergangenen drei Jahren ist er nun etwas mehr zuhause, liest die Zeitung, löst Kreuzworträtsel oder kümmert sich um das Brennholz. Als er 2011 für sein Wirken mit der Bürgermedaille geehrt wurde, war er überrascht. Anfangs habe er daran gedacht, die Auszeichnung abzulehnen. Dann sei ihm bewusst geworden, dass die Bürgermedaille eine Ehre ist.
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