Die Erfolgsgeschichte einer Institution
05.06.2008, 00:00 Uhr Eine lockere Runde überwiegend heimatvertriebener Künstler traf sich alle 14 Tage an einem Freitagabend im Gasthof «Zum Goldenen Hufeisen». Sängerinnen, Maler, Bildhauer und Kunstfreunde lauschten meist einem Vortragenden und ließen den Abend gesellig ausklingen.
Am 3. Januar 1948 entstand aus dieser lockeren Runde ein Verein. Als Gründungsmitglieder sind verzeichnet: Soltan Sipos, Kurt Severin, Walter Schölei, Hans Gigl, Dr. Emil Seiler, Andreas Krüppelt, Max Renner, Kurt Walther, Wolfgang Hemschick, Anton Stradmann, Grete Vath, Inge Rost-Richter, Willi Nass, Ernst Vogl, Josef Peters, Max Friese und Dr. Kurt Beil. Treibende Kraft der Vereinsgründung war der Architekt Soltan Sipos, der auch zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde.
Auf die Vereinsgründung folgten musikalisch-lyrische Abende, Vorträge, Filmvorführungen und Feste, zu denen dann mit gedruckten Einladungs- und Platzkarten auch Freunde eingeladen wurden. Sommerausflüge, zunächst in die nähere Umgebung, später häufiger nach München, um gemeinsam Ausstellungen zu besuchen, wurden unternommen. Ausflüge und Adventsfeiern wurden zur festen Einrichtung.
Erste Ausstellung 1951
Zu Ostern 1951 präsentierte der Künstlerbund in der Luitpoldschule zum ersten Mal Arbeiten einiger Mitglieder der Öffentlichkeit. Die ausgestellten Werke waren von Friese, Schölei, Severin, Renner, Zillich, Hellmuth und Sipos. Zur Eröffnungsfeier spielte das Bub-Quartett. 1952 kamen mit Dr. Werner Trautmann und Rosalinde Weber-Hohengrund zwei weitere Maler zur Gruppe. Zum Vereinslokal wurde nun der «Goldene Stern» am Marktplatz bis man 1956 erneut umzog. Diesmal in das Parkhotel an der Bahnhofstraße.
Am 17. November 1957 feierte der Künstlerbund sein zehnjähriges Bestehen. 22 aktive und passive Mitglieder nennt die Anwesenheitsliste.
Die wichtigsten Jahresveranstaltungen wurden nun die Faschingsbälle, die sich bald großer Beliebtheit erfreuten. Zunächst im «Bärensaal», dann in einer Scheune in der Nördlinger Straße.
Anfang der siebziger Jahre machten sich auch beim Künstlerbund die gesellschaftlichen Veränderungen stark bemerkbar. Hervorgerufen durch die Fernsehkultur schwand der Besucherzulauf. Eine dringend nötige Belebung brachte die Aufnahme einer neuen Generation von Künstlern wie Gudrun und Hans-Vitus Gerstner, Sigmund Spitzner, Heinrich Mangold, Fritz Kaiser und Horst Heidolph. In unregelmäßigen Abständen fanden Ausstellungen statt in Bamberg, Eichstätt und Rothenburg, meist als Gast bei besser gestellten Vereinen.
In einem leer stehenden Laden, später in einem Büro, richtete der Verein eine Galerie ein - und löste sie bald wieder auf.
Streit um Nutzung der Galerie
Als 1983 ein Neubau für die Stadtbibliothek und das Archiv der Stadt Schwabach entstanden, ergab sich die Möglichkeit, von der Stadt einen Raum zur Einrichtung einer ständigen Galerie zu bekommen. Mit der neuen «Städtischen Galerie Bürgerhaus» kamen allerdings auch größere Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Vereins auf. An der Art der zukünftigen Nutzung der Galerie schieden sich die Geister. Es kristallisierte sich eine Mehrheit heraus, die in der Galerie ausgewählte, einheimische und auswärtige Künstler in abwechslungsreichen Ausstellungen präsentieren wollte. Einige Mitglieder waren jedoch nicht bereit, dieses Galeriekonzept mitzutragen und verließen den Verein.
Hubert Vogl wurde neuer Vorsitzender. Der Maler und Kunsterzieher führte den Verein erfolgreich, bis er 2006 die Leitung aus gesundheitlichen Gründen abgab.
Die Geschichte des Künstlerbundes ist seit 1983 die Geschichte der Galerie Bürgerhaus. Der Verein trifft sich alle fünf bis sechs Wochen bei den Vernissagen. Sommerausflug und Weihnachtsfeiern werden veranstaltet. Seit 1985 wird jährlich zur Weihnachtsfeier eine Jahresgabe, meist eine Grafik eines Mitglieds, vorgestellt und vergeben. Auf den ersten Katalog des Vereins im Jahr 1980 folgten weitere 1985, 88 und 93. Ausstellungen wurden unter anderem durchgeführt in Straubing, Linz, Asbach, Passau, Weißenburg, Wuppertal, Limoges, Paris, Ansbach, Les Sables und im Kunsthaus Nürnberg.
Mitglieder des Künstlerbundes haben die erfolgreiche Ausstellungsreihe «Ortung» mit auf den Weg gebracht und begleiten dieses Kunstfest kontinuierlich. Es beschert der Stadt Schwabach immer mehr kunstinteressierte Besucher.
Darüberhinaus bekommt der Gewinner dieses Kunst-Wettbewerbs im darauffolgenden Jahr eine Einzelausstellung in der städtischen Galerie.
Die städtische Galerie, die vom Künstlerbund ehrenamtlich betrieben wird, hat sich zu einem wesentlichen Bestandteil des Schwabacher Kulturlebens entwickelt.
Kennzeichnend für die erfolgreiche Arbeit des Künstlerbundes sind seine restriktive Aufnahmepolitik und ein breit gefächertes, offenes und qualitativ hochwertiges Ausstellungsangebot. Durch gute Kontakte zu der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg stellen auch regelmäßig Professoren mit ihren Schülern aus.
Der Künstlerbund besteht zur Zeit aus 34 aktiven und 29 fördernden Mitgliedern.
60 Jahre Künstlerbund - ein Zwischenstopp:
Samstag, 7. Juni, 11 Uhr, Festakt im Rathaus mit musikalischer Begleitung durch die Adolph-von-Henselt-Musikschule der Stadt Schwabach. Begrüßung durch Oberbürgermeister Matthias Thürauf. Ansprachen von Roland Schmid, Leiter des Kulturamts, und Wolfgang Harms, Vorsitzender des Künstlerbundes. Anschließend Vernissage der Jubiläumsausstellung des Künstlerbunds Schwabach mit Büfett in der städtischen Galerie im Bürgerhaus.
,Memoralia‘: Präsentation von Zeitzeugnissen, Plakaten und zeitgenössischen Arbeiten des Künstlerbundes Schwabach im Rathaus (Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr; Samstag, 9 bis 12 Uhr).
Jubiläumsausstellung des Künstlerbundes (7. bis 29. Juni) «Bis heute»: Präsentation aktueller Arbeiten des Künstlerbundes Schwabach, Städtische Galerie im Bürgerhaus (Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag, 15 bis 18 Uhr; Samstag, 10 bis 14 Uhr; Sonntag, 11 bis 14 Uhr).