Ende einer Tradition
06.01.2010, 00:00 Uhr «Ein Tanzlokal, das ist eine Kultur, die es so nicht mehr gibt», sagt Rudi Nobis im Gespräch mit unserer Zeitung. Und erinnert sich sogleich an eine schöne Zeit, die in Kürze zu Ende sein wird: «Toll war es für uns, die Freude unserer Gäste daran mitzuerleben, wenn sie einen glücklichen Abend bei uns verbracht haben.»
Doch seit Jahren schon spüren Senior-Chef Rudi Nobis und seine Tochter Birgit Nobis-Schrödel einen Rückgang bei den Besucherzahlen. Und überdies hat sich in den letzten Jahren das Konsum-Verhalten der Gäste stark gewandelt: Ein Glas Wasser statt einige Glas Bier oder Wein, Zurückhaltung, Speisen zu bestellen. Letztlich, so Rudi Nobis, habe auch der Steuerberater immer wieder mehr oder weniger deutlich darauf hingewiesen, das sich der Betrieb eines Tanzlokals nicht mehr rechne. Andere Angebote, wie Tanznachmittage für Senioren oder Tanzkurse, konnten die Ausfälle nicht auffangen. Mit ähnlich gelagerten Problemen haben auch weitere etablierte Tanzlokale in der Region zu kämpfen (siehe auch Bericht auf Seite 17 des Mantelteils, Metropolregion Nürnberg).
Wohnungen geplant
Wie’s weitergeht? Zumindest die Familie Nobis hat die Entscheidung getroffen. Das Tanzcafé wird abgerissen, an dessen Stelle sowie auf einem Teil des Beachvolleyballbereichs werden 43 Wohnungen entstehen. Wie bei der benachbarten Wohnanlage Am Wehr mit dem Angebot der Betreuung durch die Diakonie. Und für den letzten Tanzabend bei Nobis am 13. März steht auch bereits fest, dass dann die Band «Tropics» aus Amberg spielen wird, jene Formation, die in den vergangenen Jahren in dem Lokal am häufigsten für den guten Ton gesorgt hat.
Unsere Zeitung unterhielt sich mit der Familie Nobis über die Hintergründe der Schließung des Lokals.
Warum musste die Schließung des Tanzcafés Nobis kommen?
Birgit Nobis-Schrödel: Bevor wir Gründe nennen, wollen wir erst einmal einen ganz großen Dank aussprechen an all die wunderbaren Gäste der letzten sechs Jahrzehnte, die in unserem Lokal schöne Stunden verbracht haben. Beim Tanzen, Flirten und auch Unterhalten.
Rudi Nobis: Der Hauptgrund der Schließung ist die nicht mehr gewährleistete Wirtschaftlichkeit des Betriebes, und das schon seit Jahren. Aber das geht nicht nur uns so. Vor 30 Jahren gab es im Großraum Nürnberg noch mehr als 100 Tanzlokale, jetzt sind es in ganz Deutschland keine 200 mehr. Leider hat sich das Ausgehverhalten total verändert.
Birgit Nobis-Schrödel: Ob Jung oder Alt, Tanzen in einem Tanzcafe hat leider nur noch wenige Anhänger.
Liegt es denn nicht auch daran, dass die Tanzlokale starke Konkurrenz durch Diskotheken bekamen?
Birgit Nobis-Schrödel: Das stimmt schon auch, aber nur zum Teil.
Warum haben Sie dann nicht ihr Tanzcafe in eine Diskothek umgewandelt?
Uwe Schrödel: Wir hatten ja im Haus zusätzlich zum Tanzcafe seit den 70er Jahren eine Diskothek. Aber das ganze Haus als Disco zu führen hätte bedeutet, viele Probleme mit Jugendlichen im Haus aber vor allem auch vor dem Gebäude mit Jugendlichen, die zum Teil schon vorgeglüht kommen. Das wollten und wollen wir nicht, auch im Interesse unserer Nachbarn und Anwohner.
Warum hat sich denn Ihre Ertragssituation so verschlechtert in den vergangenen Jahren?
Birgit Nobis-Schrödel: Da spielen mehrere Gründe eine Rolle. Zum Beispiel: Als die Promillegrenze auf 0,5 beziehungsweise 0,3 Promille gesenkt wurde, war der erste große Einbruch. Seitdem wird leider nur noch ganz wenig getrunken. Natürlich ist auch ein Grund, dass viele Leute ganz einfach sparen müssen. Wie sollen wir da dann die vielen Kosten erwirtschaften?
Was sind denn Ihre Hauptkosten?
Birgit Nobis-Schrödel: Ich nenne Ihnen gleich die Schlimmsten: Die Mehrwertsteuer, die Versicherungen, die Heizung und die Gema.
Rudi Nobis: Die letzte Mehrwertsteuererhöhung konnten wir nicht mal weitergeben. Auch die jährlichen Erhöhungen von Gas, Strom, Gema, Versicherung, GEZ, Müllabfuhr, Wasser, Werbung, Künstlersozialabgabe und viele Gebühren sind einfach nicht mehr zu schaffen. Schauen Sie, allein die Versicherung kostet uns, nur weil wir ein Tanzcafe sind, das zehnfache einer Police für ein normales Geschäftsgebäude. Und die Bürokratie in unserem kleinen Unternehmen ist kaum noch zu finanzieren.
Sie sind doch Besitzer Ihres Gebäudes, hatten also kein Pacht zu zahlen?
Birgit Nobis-Schrödel: Ja, Gott sei Dank, sonst hätten wir schon vor Jahren schließen müssen.
Warum haben Sie die jährlichen Erhöhungen nicht immer gleich an Ihre Gäste weitergegeben?
Uwe Schrödel: Dann wären auch die letzten noch ausgeblieben. Denn sind wir uns doch einig, jeder muss sparen.
Ihre Zufahrtsstraße, die Limbacher Straße, wurde jüngst erneuert und dadurch zeitweise gesperrt. Hat sich das bei Ihnen auch ausgewirkt?
Uwe Schrödel: Selbstverständlich, obwohl es wichtig war, die Straße zu sanieren, uns hat es viele Gäste gekostet.
Was haben Sie denn nach dem 14. März mit Ihrem Gebäude vor?
Uwe Schrödel: Eigentlich wollten wir das Tanzcafé-Gebäude in Wohnungen umbauen, um diese schöne Wohnanlage im Schwabachtal zu nützen. Aber aus Kostengründen kommt es günstiger, das Gebäude abzureißen und ein neues Haus mit Wohnun- gen für betreutes Wohnen zu errichten. Die Lage im Wiesengrund ist für Wohnungen einfach bestens geeignet.
Was haben Sie denn jetzt noch vor in Ihrem Tanzlokal bis zum 14. März?
Rudi Nobis: Ja, wir hoffen, dass viele unserer langjährigen und ehemaligen Gäste noch einige schöne Stunden bei uns verbringen werden.
Birgit Nobis-Schrödel: Wie schon die letzten Jahre werden bis 14. März verschiedene Veranstaltungen für jedes Alter stattfinden. Natürlich auch unsere Faschingsveranstaltungen, Kinderfasching und ganz besonders der Weiberfasching. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag unsere Tanzkursveranstaltungen und Freitag und Samstag größere Tanz- und Unterhaltungsabende.
Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken dan die Schließung?
Birgit Nobis-Schrödel: Uns wird es noch einige Tränen kosten, auch wegen der wunderbaren Gäste und Mitarbeiter, aber das Leben geht weiter. Mit neuer Kraft wird sich unsere Familie den Anforderungen durch die Erweiterung der Anlage «Betreutes Wohnen am Wehr» mit Freude und Zuversicht stellen. Und gastronomisch sind wir ja nach wie vor aktiv in unserem Café am Wehr.