Sicher und souverän
24.03.2010, 00:00 Uhr
Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten sehr aufmerksam und interessiert die exzellente Aufführung, bei der rund 80 Sängerinnen und Sänger sowie die Solisten Corinna Schreiter (Sopran), Kira Petry (Alt), Erwin Feith (Tenor und Evangelist) und Andreas Czerney (Bass) mitwirkten.
»Bei der Lukas-Passion handelt es sich mit Sicherheit um kein Werk von Bach», meinte Kirchenmusikdirektor Klaus Peschik im Gespräch mit dem Tagblatt. Die einzige Quelle der Lukas-Passion sei eine von Johann Sebastian Bach begonnene und von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel fertig gestellte Partiturabschrift, die sich heute in der Staatsbibliothek in Berlin befindet. Das Titelblatt und der Kopftitel weisen keine Autorenangabe auf, und so lag es nahe, die von Bachs Hand stammende Partitur – die Mitwirkung des Sohnes wurde erst später entdeckt – ihm zuzuschreiben.
Wer war der Autor?
Obwohl Bach nicht der Komponist der Lukas-Passion ist, hat er das Werk offensichtlich so geschätzt, dass er es in seiner Zeit als Kantor der Leipziger Thomaskirche mehrfach aufführte. Als Autor käme für den Karlsruher Musikwissenschaftler Klaus Häfner der Eisenacher Hofkapellmeister Johann Melchior Molter (1696- 1765) in Frage.
Die Textgrundlage der Lukas-Passion bilden drei Schichten: aus dem mit drei Rollen vorgetragenen biblischen Bericht, aus Choralstrophen und aus freier Dichtung in Form von acht Dacapo-Arien-Texten. Vertont sind sie als Chor, Terzett und als Solo-Arien. Arien und Choräle unterbrechen den Evangelienbericht in betrachtender Weise.
In den Chorälen klingen eine ernste Schlichtheit und eine warmherzige, fast pietistische Frömmigkeit an, die von den 80 Sängerinnen und Sängern der Kantorei Schwabach hervorragend herausgearbeitet wurde. Sicher und souverän meisterten die Sängerinnen und Sänger die teilweise recht schwierigen Chorpassagen und Choräle. Die kommentierenden Chöre und Choräle des erzählenden Werks wurden klangrein und in einwandfreier Mehrstimmigkeit dargeboten. Das kleine Orchester unterstützte die erregende Szenerie vom Leiden und Sterben Jesu Christi durch ein kongeniales Begleitspiel.
Hochkarätige Solisten
Dreh- und Angelpunkt dieses schlichten, jedoch großartigen Werkes war natürlich Kirchenmusikdirektor Klaus Peschik, der sowohl den Chor als auch das Orchester mit großer Umsicht leitete. Hervorragende Leistungen vollbrachten auch die vier hochkarätigen Solisten.
Corinna Schreiter (Sopran) studierte Gesang am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg und vervollständigte ihre Ausbildung in München. Beim Dr.-Drexel-Wettbewerb 1989 in Nürnberg erhielt sie den Preis für Gesang.
Erwin Feith (Tenor) studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule des Saarlandes in Saarbrücken. Er ist Preisträger beim Walter-Gieseking-Wettbewerb und ist Opern- und Konzertsänger. Neben seiner Tätigkeit als Opernsänger ist er gefragter Solist für das gesamte lyrische Konzertfach, sowie für das Liedrepertoire.
Kira Petry (Alt) studierte Gesang in Gießen, bevor sie 1995 an die Musikhochschule Mannheim wechselte. Ihr Gesangsstudium dort schloss sie mit Auszeichnung ab. 1995 war sie Preisträgerin des 2. Bundeswettbewerbs für Gesang und Klavier in Chemnitz, danach 1999 beim Wolfgang-Hofmann-Wettbewerb für Liedgesang in Mannheim. 2004 erhielt sie den Sonderpreis des Internationalen Wettbewerbes für Operngesang »Spazio Musica», Italien.
Andreas Czerny studierte an der Musikhochschule Frankfurt. Seine Zusammenarbeit mit dem Philharmonic Choir of Israel in Jerusalem 1998 war so erfolgreich, dass weitere Konzerte und Rundfunkaufnahmen mit diesem Ensemble folgten. Neben der Literatur der Alten Musik, der Klassik und Romantik gehören vor allem auch die Werke der Neuen Musik zu seinem umfangreichen Repertoire.
104 Nummern umfasst die Lukas-Passion. Sie wurden von den Akteuren dynamisch und mit hoher Präzision in Szene gesetzt. Im Schlusschor wurden eindringlich die Vergänglichkeit des Menschen und das Vertrauen in die Auferstehung präzisiert.
Begeisterter Applaus
Der begeisterte Applaus der Zuhörerinnen und Zuhörer zeigte, dass zum einen die Lukas-Passion als Edelstein aus den Bach-Passionen herausragt und dass zum anderen die Schwabacher Kantorei mit einem überragenden Klaus Peschik in der Lage ist, schwierige Konzertliteratur von Weltrang zu stemmen.
ROBERT UNTERBURGER