Berufsschule Weißenburg wirbt um Handwerker
26.02.2016, 08:48 Uhr
Während des gesamten Vormittags strömten Acht- und Neuntklässler aus dem gesamten Landkreis durch die Unterrichts- und Schulungsräume am Römerbrunnenweg. Im gesamten Gebäude roch es nach frisch gebratenen Bratwürsten, Brötchen und Brezen. Denn der Aktionstag wollte die Schüler nicht nur mit vielen Informationen versorgen, sondern vor allem durch Mitmachaktionen vom vielleicht zukünftigen Beruf überzeugen.
So stellten die technischen Berufe eine Signalpfeife aus Aluminium her, montierten einen Kolbenkompressor oder bauten eine pneumatische Schaltung auf. Selbst Arbeiten am Industrieroboter durften die Schüler mitverfolgen. Bei den Metzgern und Bäckern konnte, wer wollte, Brezen oder Zöpfe flechten oder Bratwurstgehäck in den in Franken typischen Bändeldarm einfüllen oder aber die fertigen Würste in der Pfanne braten.
200 Schüler aus der Region
Ein Infotag für Herz und Hand also, der rund 200 Schüler aus der ganzen Region nach Weißenburg lockte und insgesamt 18 verschiedene Mitmachaktionen bot. Das Hauptziel des Infotags: die Mittelschüler in ihrer Berufsfindung unterstützen und vielleicht das eine oder andere Vorurteil abbauen. Denn gerade die Metzger haben in der heutigen Zeit ein eher schlechtes Image, weiß Fleischermeister und Ausbilder Oskar Wölfl zu berichten.

Auch Anna-Lena Otte kennt die Vorbehalte, die immer mehr junge Menschen gegenüber dem Fleischerhandwerk haben: „Immer mehr ekeln sich vor Fleisch und haben ganz falsche Vorstellungen von unserem Beruf. Die Weißenburgerin lernt Metzgereifachverkäuferin im zweiten Ausbildungsjahr und hat sich ganz bewusst für den Beruf entschieden. Auch ihre ältere Schwester ist Metzgereifachverkäuferin. Nach einem Schnupperpraktikum entschied auch sie sich für diese Ausbildung.
Alexander Beckler aus Pleinfeld, der im zweiten Lehrjahr Metzger lernt und bei der Metzgerei Nüßlein angestellt ist, hat seine Entscheidung noch nicht bereut: „Ich wollte schon immer etwas mit Lebensmitteln machen.“ Nach einem Praktikum in der Bäckerei und einem in der Metzgerei entschied er sich dann für das Fleischerhandwerk: „Es gefiel mir einfach besser, weil Metzger abwechslungsreicher ist.“
Buhlen um Azubis
Und so buhlten am gestrigen Infotag die verschiedenen Berufszweige um potenzielle Auszubildende und warfen sich auch in Sachen Werbung mächtig ins Zeug. Bei den Bäckern lief beispielsweise ein Werbefilm in Dauerschleife. In dem professionell gemachten Film, den der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks in Auftrag gab, werden neben knusprigen Brötchen, leckeren Snacks und tollen Torten auch Sätze wie diese serviert: „Deutschland ist Bäckerland. Die Aufstiegschancen sind vielfältig. Du kannst Dich selbstständig machen – überall auf der Welt.“
Ausbildungsplätze gäbe es jedenfalls genug: Allein im Umkreis von 25 Kilometern suchen derzeit laut Jobbörse der Agentur für Arbeit 15 Bäckereien Auszubildende zum Bäcker oder zur Bäckerin. Bei den Metzgereien werden im Umkreis von 25 Kilometern um Weißenburg aktuell zwölf Auszubildende gesucht. Beste Voraussetzungen, um sich zu bewerben. Corinna Vogl aus Treuchtlingen, die im zweiten Lehrjahr bei der Metzgerei Geißelmeier Fleischereifachverkäuferin lernt, hat ihre Entscheidung jedenfalls noch nicht bereut: „Der Beruf ist abwechslungsreich und und vielseitig.“
Botschaften, die ankommen. Auch Biniam und Medhanie, die beide aus Eritrea kommen und in die Übergangsklasse für Flüchtlinge gehen, könnten sich nach ihren ersten Versuchen beim Brezenschlingen vorstellen, Bäcker zu werden. Während sie genau das nachmachen, was ihnen Sabrina aus dem zweiten Lehrjahr vormacht, bestätigen sie: „Das macht echt Spaß!“
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