Dolomit wäre geeignet
20.02.2012, 08:30 Uhr
Dies sehen zumindest Rainer Strobel, Eigentümer der Weißenburger Firma Naturstein Direkt, sowie Hans-Jochen Zech und Karl Tratz, die beiden Geschäftsführer von Franken-Schotter in Dietfurt so. Im dortigen 200 Hektar großen Steinbruch wird der Dolomit aus den Schichten über dem Dietfurter Kalkstein gewonnen.
Das Material ist frost- und tausalzbeständig, versichert Zech. „Vielerorts wird unser Dolomit zum Pflastern von Plätzen, Straßen und Wegen verwendet“, berichtet sein Kollege Tratz. Aus einer Vielzahl an Referenzen nennt er einen Straßenzug in der historischen Altstadt von Freyburg in Sachsen-Anhalt, Freiflächen am Schloss Linderhof, den Innenhof von Schloss Höchstädt und den Kirchenvorplatz in Karlstadt am Main.
Auf Letzterem liegen die Dolomit-Pflastersteine auf einer Fläche von rund 1300 Quadratmeter, gut vergleichbar also mit dem Weißenburger Marktplatz, für dessen Mittelbereich nach dem jüngsten Stadtratsbeschluss nun rund 1400 Quadratmeter rötlich gefärbter chinesischer Granit geordert werden soll.
Die Dolomit-Pflastersteine fänden sich aber auch in der Schweiz in Zufahrten zu Prominenten-Villen, die sicher großen Wert auf Qualität legen und wo man sich Reklamationen nicht leisten könne. „Wir liefern Pflaster in die ganze Welt und hier weiß es keiner“, schildert Tratz.
Der Natursteinhandel läuft eben mittlerweile global, sagt der Geschäftsführer, und so verschickt Franken-Schotter verschiedenste Natursteinprodukte nicht nur in ganz Europa, sondern sogar von Kanada bis Argentinien, von Australien über Japan, Russland und Saudi Arabien bis nach China. Tratz: „Deshalb bin ich keinem böse, der Steine aus China kauft. Wir liefern ja auch weltweit.“ Für Rainer Strobel, seit 28 Jahren im Natursteingeschäft tätig, ist es ebenso ein wichtiges Anliegen „klarzustellen, dass es hier geeignetes Pflastermaterial gibt.“
Probleme behoben
Unumwunden räumt man bei Franken-Schotter ein, dass es Probleme mit dem Dolomit gegeben hat. Beispielsweise mussten einige Quadratmeter auf einem Eichstätter Platz ausgetauscht werden, weil das Pflaster Frostschäden aufwies. Doch diese Schwierigkeiten gehören der Vergangenheit an, betont Hans-Jochen Zech. Seit 1989 produziert Franken-Schotter – das Unternehmen beschäftigt übrigens mittlerweile über 300 Mitarbeiter – Naturwerksteine. Anfänglich hat man im Dietfurter Bruch die Dolomitrohblöcke herausgesprengt. Das verursachte feinste Risse quer durch das Gestein – die Schäden waren somit vorprogrammiert.
Allerdings hat man aus diesen Fehlern gelernt und heute werden die mächtigen Steinblöcke mit großen Seil- und Schwertsägen gewonnen. Damit entfallen die Erschütterungen, die Haarrisse entstehen nicht und letztlich werden die Pflastersteine, die in den Werken Petersbuch und Wegscheid bei Eichstätt aus dem Dietfurter Rohmaterial hergestellt werden, allen Anforderungen und Tests gerecht. Tratz zufolge werden derzeit circa 7000 Quadratmeter Pflastersteine für die Münchner Innenstadt produziert, die vor Auftragsvergabe weitere, zahlreiche Prüfungen bestehen mussten.
Wichtig ist beim Dolomit die korrekte Verarbeitung. Das Pflaster sollte mit wasserdurchlässigem Beton eingebaut werden, weiß der Geschäftsführer. Zum einen würden so Ausblühungen verhindert. Zum anderen bekommen die Steine keine Risse durch die Rüttelmaschinen, zum Beispiel bei der Verlegung auf Splitt.
Zu haben sind die Dolomitpflastersteine in den unterschiedlichsten Größen, Stärken und Formen. Nach den Kundenwünschen werden sie in den Werken in Petersbuch und Eichstätt zugeschnitten. Und wenn die exakt gesägten Kanten stören, werden sie in großen, mit Kieselsteinen gefüllten Trommeln gebrochen. „Damit wird das Pflaster optisch auf alt getrimmt“, erläutert Strobel.
Der gelernte Natursteinfachwirt, dessen Firma seit 18 Jahren in Weißenburg und seit 15 Jahren im Industriegebiet beheimatet ist, importiert Steine aus aller Welt, auch aus der Provinz Fujian im Südosten Chinas und exportiert unter anderem Frankenschotter-Material in die Schweiz, wo qualitativ hochwertige Produkte sehr gefragt sind. Er glaubt, dass am Weißenburger Marktplatz mit dem bräunlich-grauen Dolomit auch der gewünschte Kontrast für den Mittelbereich zu erzielen gewesen wäre. Außerdem hätte man mit Frankenschotter eine Fachfirma vor Ort, die im Gegensatz zu den chinesischen Produzenten, eine verlängerte Gewährleistung über die gesetzlichen Vorgaben hinaus für ihre Produkte übernimmt.
Nach Angaben des Weißenburger Natursteinfachwirtes bewegt sich der Dolomit preislich zwischen dem jetzt ausgewählten Granitstein aus der chinesischen Provinz Shandong im Nordosten und dem ursprünglich gewünschten Stein aus dem sächsischen Mittweida.
Kurzer Lieferweg
Strobel verweist ferner darauf, dass das Dietfurter Material nur einen sehr kurzen Lieferweg nach Weißenburg gehabt hätte, und dass, je nach dem aktuellen Verarbeitungsbedarf, die Steine sehr flexibel, sozusagen just in time, hätten geliefert werden können. Somit entstünde kein Risiko einer Bauverzögerung durch einen eventuellen Materialengpass, der bei einem Import aus China in der noch kurzen, verbleibenden Zeit nicht auszuschließen sei. Auch wäre absolut sicher gewährleistet, dass der Dolomit nicht durch Kinderarbeit produziert werde, was gerade im Nordosten Chinas niemand hundertprozentig überwachen könne.
Drängt sich nur die Frage auf, warum niemand früher auf den Dolomit aufmerksam wurde? „Unser Material ist bei allen Architekten bekannt“, sagt Karl Tratz. Er glaubt nur, dass „der Prophet im eigenen Lande – wie so häufig – nichts gilt“.
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