Treuchtlingen dankt seinen sportlichen Botschaftern

Patrick Shaw

Redaktionsleiter Schwabacher Tagblatt / Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung / Hilpoltsteiner Zeitung

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06.05.2019, 06:04 Uhr
Treuchtlingen dankt seinen sportlichen Botschaftern

© Patrick Shaw

"Ehrungen, das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren guten Tag hat", zitierte Bürgermeister Werner Baum eingangs Konrad Adenauer. In Teilen von Politik und Gesellschaft verlören Gerechtigkeit und Gemeinsinn aber zunehmend an Boden, es gehe nur um eigene Interessen. Als Beispiele nannte Baum Trumps Grenzmauer, Wirtschaftssanktionen zum Schaden anderer und den Brexit, aber auch Rechtspopulismus, Rassismus und Fremdenhass "aus Angst, selbst kürzer treten zu müssen". Viele Menschen würden vergessen, dass sie selbst "nicht an der Stelle dieser Menschen stehen möchten, die unsere Hilfe tatsächlich benötigen".

Nirgendwo werde indes so viel für Integration und Gemeinschaft getan wie im Sport, betonte der Rathauschef. "Der Sport kennt keine Herkunft, Religion oder sozialen Status." Er vermittle Respekt, Toleranz, Fairness, Teamgeist, Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen und schaffe damit grundlegende Werte – oft "unbemerkt und nebenbei". Dieses Engagement sei "nicht nur unbezahlt, sondern auch unbezahlbar".

Weitere positive Seiten des Sports sind Baum zufolge die Gesundheit und die Persönlichkeitsbildung. Beim Sport lerne man Niederlagen wegzustecken, Teil eines Teams zu sein und dass sich Anstrengung und Ausdauer lohnen. Damit gehöre er "zur Identität unserer Stadt".

Freiwillig, aber unverzichtbar

Auch wenn die Unterstützung der Vereine nur eine "freiwillige Leistung" sei, hält der Bürgermeister sie für "einen unverzichtbaren Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge". So werde die Stadt auch künftig den Übungsleiterzuschuss beibehalten, in bestehende Sportstätten investieren sowie neue schaffen, wie etwa aktuell den Bolzplatz in Wettelsheim. Durch die Eröffnung des Mountainbike-Parcours im Heumöderntal sei zudem kürzlich die Breite des Sportangebots gewachsen.

Die Treuchtlinger Sportler selbst waren laut Baum im vergangenen Jahr "wieder viel unterwegs, nahmen an hochkarätigen Wettkämpfen teil und trugen damit zur Bekanntheit unserer Heimatstadt bei".

Zwölfmal Gold, Silber und Bronze

Die städtische Goldmedaille gab es unter anderem für Elena Avgoustis. Die Treuchtlinger Sportakrobatin holte vergangenes Jahr für den TSV Friedberg erste Plätze bei den offenen Schweizer Meisterschaften in Winterthur, beim Fürst-Carl-Cup sowie bei den Vereinsmeisterschaften in Friedberg. Außerdem wurde Avgoustis bayerische Vizemeisterin sowie mit ihren Partnerinnen Emily Langenmayr und Alexandra Vugmann Dritte bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften in der Meisterklasse.

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Städtisches "Gold" erhielt auch Mikola Matewosjan von der Karate-Abteilung des ESV Treuchtlingen. Er holte den internationalen Landesmeister- und den deutschen Vizemeistertitel im Kyokushin-Karate.

Tennis-Urgestein Stefan Eggmayer vom Tennisclub des ESV gewann für den TC Blau-Weiß Fürstenzell die 65. Tennis-Classics der Senioren in Bad Neuenahr und wurde damit deutscher Meister bei den Herren 50. Auch für ihn gab es "Gold". Eggmayer trainiert beim ESV zudem die Kinder bei der Aktion "Sport nach 1".

Olympia und sechsmal Meister

Die vierte Goldmedaille ging heuer an Para-Reiterin Elke Philipp, die mit Pferd Regaliz zum sechsten Mal in Folge den deutschen Meistertitel im Dressurreiten holte. Außerdem belegte sie bei der Weltmeisterschaft in den USA mit Nachwuchspferd Fürst Sinclair im höchsten Behinderungsgrad Rang drei in der Championatsaufgabe, Platz vier in der Kür und am Ende den dritten Platz mit der Mannschaft. Damit qualifizierte sie sich für die Paralympics 2020 in Tokio.

Mit "Silber" zeichnete die Stadt Alisa Eder aus. Die junge Mountainbikerin errang für den RC Germania Weißenburg in der Klasse U13 Platz drei bei den bayerischen Meisterschaften und wurde Vizemeisterin im Cross-Country. Beim Franken-Cup gewann sie alle sieben Rennen und wurde Zweite beim oberfränkischen Cube-Cup. Der oberbayerische Titel beim Pölz-Cup wurde Eder wegen ihres Wohnorts nicht anerkannt.

Silbermedaillen hängte Bürgermeister Baum noch drei weiteren Treuchtlinger Sportakrobatinnen um. Lena Wössner erreichte für den TSV Monheim Platz vier bei den bayerischen Meisterschaften in der Schülerklasse, Sophia Wirth (ebenfalls TSV Monheim) wurde beim Wettkampfnachwuchs Dritte. Beide werden von den Treuchtlinger Trainerinnen Bianca Zischler und Nina Lechner betreut. Bayerische Meisterin beim Wettkampfnachwuchs (A2) wurde Maja Fabis, die zusammen mit ihren Partnerinnen Sophia Hüttl und Julia Brzezinska für den TSV 1860 Weißenburg startet.

Mini-Meister ganz groß

Mit "Bronze" belohnte der Rathauschef Patrizia Christoph von der Tischtennissparte des VfL Treuchtlingen. Bei den Mini-Meisterschaften holte sie nach Siegen beim Orts- und Kreisentscheid sowie Platz drei auf Bezirksebene den neunten Rang in Bayern.

Gleich dreimal gab es Mountainbike-Bronze: Julian Eder ging für den RC Germania Weißenburg in der Klasse U11 beim Cube-Cup, beim Franken-Cup und beim Bayernliga-Rennen in Altenstadt an den Start und holte die Ränge zwölf, drei und vier. Korbinian Krügl wurde für den UFC Ellingen Zweiter beim Cube-Cup in der Klasse U7, und Kilian Krügl belegte dort auf dem KMC-Geschicklichkeitsparcours in der Klasse U13 für den UFC Ellingen Platz drei.

Eine Ehrenurkunde erhielt schließlich Dominik Christoph von der Tischtennisabteilung des VfL Treuchtlingen, Er kam bei den Mini-Meisterschaften nach zwei zweiten Plätzen bis zum Bezirksentscheid, bei dem er den fünften Rang belegte.

Keine Begegnung verloren

Als herausragende Mannschaft ehrte Rathauschef Baum das gemischte Tennis-Team Knaben/Mädchen 14 des ESV-Tennisclubs. Ohne Niederlage holten die Teenager in der Sommerrunde 2018 die Meisterschaft und den Aufstieg in die Bezirksklasse 1. Dafür ernannte der Tennisclub das Team um Julia Herter, Luisa Karg, Laurin Hiepe, Simon Heger, Julia Stettinger, Julian Bösel und Vitalj Paßchalow zur Jugendmannschaft des Jahres.

Ähnlich erfolgreich waren die Tennis-Knaben 16 des ESV Treuchtlingen. Sie stiegen mit der Meisterschaft ebenfalls in die Bezirksklasse 1 auf. Zur zweiten Jugendmannschaft des Jahres im Tennisclub gehören Marc Politowski, Daniel Seuferling, Simon Heger, Laurin Hiepe, Alexander Heberlein und Christian Pangels.

Meister wurden schließlich auch die neu gemeldeten "Damen 40" des ESV-Tennisclubs. Siespielen damit nun in der Bezirksliga. Das Erwachsenen-Team des Jahres besteht aus Ilona Döbler, Ludmilla Bartenschlager, Petra Lutz, Urda Vontz, Brigitte Fröhlich, Celia Fischer, Marika Aurnhammer, Monika Wolshöfer, Maria Zürrlein und Corinna Haberler.

Über 30 Jahre dem Verein gedient

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Für besonders vorbildliches Engagement im Sportbereich gibt es darüber hinaus stets eine Sonderehrung. Sie ging heuer an Rudolf Mayer von der Tischtennisabteilung des ESV. Zusammen mit dem langjährigen Spartenleiter Jürgen Heger hat er seit seinem Beitritt im Jahr 1970 nicht nur mehr als 900 Spiele absolviert, sondern übernimmt auch seit über 30 Jahren Verantwortung im Verein.

So leitete Mayer von 1987 bis 1999 die Tischtennisabteilung und steht nach einer Auszeit seit 2010 erneut an deren Spitze. In seine Amtszeit fiel der Aufstieg der ersten Mannschaft von der Kreisliga bis in die Landesliga. In den 1980er und 90er Jahren umfasste "seine" Sparte zeitweise bis zu sechs Herren-, ein Frauen- und mehrere Jugendteams.

"Rudolf Mayer war und ist immer für die Abteilung da, organisiert Ausflüge und Feierlichkeiten und ist der Macher des seit vielen Jahren stattfindenden Volksfestturniers", so Rathauschef Baum. Daneben kümmere er sich mit viel Zeit und Elan um den Wiederaufbau der Nachwuchsmannschaft. Die Schützlinge des 73-Jährigen gaben bei der Sportlerehrung auch eine von Mayer kommentierte Kostprobe ihres Könnens. Daniel und Patrick Hüttinger begleiteten die Feier musikalisch.

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