Legenden, Helden, Ikonen
Club-Fans wählen Jubiläums-Mannschaft - diese Legenden aus 125 Jahren sind dabei
04.04.2025, 10:47 Uhr
125 Jahre Tradition, 125 Jahre Leidenschaft, 125 Jahre Bangen, 125 Jahre Liebe, 125 Jahre Ärgern, 125 Jahre Träumen - 125 Jahre 1. FC Nürnberg: Der ruhmreiche Altmeister feiert im Mai sein Jubiläum. Im Vorfeld des Geburtstags befragte der Verein seine Mitglieder nach Spielern, die die vergangenen 125 Jahre des Club gebührend abbilden.
Eine Jury, bestehend aus Vereinsikonen wie Andy Wolf oder Horst Leupold, hatte im Vorfeld eine Vorauswahl getroffen und pro Jahrzehnt drei Spieler festgelegt, die den Mitgliedern zur Auswahl stehen sollten. In einem Social-Media-Beitrag stellt der 1. FC Nürnberg das Kernkriterium klar: „Es wurde nicht die beste, erfolgreichste, coolste oder fränkischste Elf gesucht, sondern Spieler, die gemeinsam mit Max Morlock (der war gesetzt) für 125 Jahre FCN stehen.“ Die Mitglieder entschieden sich für folgende Jubiläumself.
Heinrich Stuhlfauth (1920er Jahre)
Er ist neben Max Morlock, nach dem die Nürnberger Heimspielstätte benannt ist, wohl jener Spieler, der noch immer am präsentesten ist. Vor jedem Heimspiel werden seine Worte verlesen: „Es ist eine Ehre für diese Stadt, diesen Verein und die Bewohner Nürnbergs zu spielen. Möge all dies immer bewahrt werden und der großartige FC Nürnberg niemals untergehen.“ Torhüter Stuhlfauth, der insgesamt 606 Spiele für den Club absolvierte, wurde vom bekannten Sportjournalisten Peter Luginsland wie folgt beschrieben: „Stuhlfauth stand wie ein Erzengel in seinem Tor und kein Stürmer wagte es, diesem unerschrockenen Kämpen auch nur zu nahe zu kommen.“
Hans Übelein (1930er Jahre)
Als „Maschine“ würde man Hans Übelein wohl heutzutage beschreiben: Der rechte Außenläufer stand für Ausdauer, Kampfgeist und Einsatzfreude – und trug damit maßgeblich zu einigen großen Erfolgen des 1. FC Nürnberg bei. Mit dem Club gewann Übelein je zweimal die deutsche Meisterschaft sowie den Vorgänger des DFB-Pokals.
Trotz dieser Erfolge blieb ihm ein Einsatz in der Nationalmannschaft verwehrt – wegen des Einzugs in die Armee, aber auch wegen Bier: „Einmal schickte er (der Reichstrainer, Anm. der Redaktion) mich vom Kurs wieder heim, ohne dass ich den Grund dafür wusste. Sigi Haringer verriet ihn mir lange danach: Nerz war sauer gewesen, dass ich auch bei dem Lehrgang mein gewohntes Bier getrunken habe.“
Eduard Schaffer (1940er Jahre)
Mit Eduard Schaffer listet sich ein weiterer Torhüter neben Heiner Stuhlfauth in der Jubiläumself: Der Torhüter aus Böhmen war zu seiner Zeit der einzige „Zugereiste“ unter lauter Nürnbergern. Der Sudetendeutsche kam auf 413 Partien im Clubtrikot und präsentierte sich dabei stets als zuverlässiger Rückhalt: „Mit ihm im Tor hätten wir zu unseren Zeiten jedes Jahr die Weltmeisterschaft gewonnen“, adelte der Verteidiger Karl Stich einst Torwart Schaffer.
Heinz Strehl (1950er Jahre)
Mit 76 Toren in der Bundesliga ist Heinz Strehl noch immer Rekordtorschütze des 1. FC Nürnberg im Fußball-Oberhaus. Der Blondschopf aus Kalchreuth lief in 534 Spielen im weinroten Trikot auf und führte sein Team über viele Jahre hinweg als Kapitän aufs Feld. Der Stürmer wurde mit dem Club zweimal deutscher Meister und einmal Pokalsieger, außerdem holte er sich in der Saison 1961/62 den Titel als Torschütze im Europapokal der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League.
Georg Volkert (1960er Jahre)
Georg Volkert war Bestandteil der legendären Meistermannschaft von 1968: Der gebürtige Ansbacher begann seine Lizenzspieler-Karriere in Nürnberg, lief in den Folgejahren für den FC Zürich, den Hamburger SV und den VfB Stuttgart auf – und kehrte zum Ende seiner Laufbahn dorthin zurück, wo alles begann. Nach seiner aktiven Karriere war Volkert zudem Manager beim Club.
Dieter Nüssing (1970er Jahre)
Als „Stimmungskanone, Kampfmaschine und Matchwinner“ bezeichnet das Portal „glubberer.de“ Dieter Nüssing, der mit seiner Unbekümmertheit, Kopfballstärke und Spielfreude regelmäßig der beste Mann auf dem Platz gewesen sei. Allerdings wurde Nüssing damals nicht nur zum Idol der Jugend, sondern auch zu einer tragischen Figur, blieb ihm doch der Aufstieg mit dem 1. FC Nürnberg über Jahre hinweg verwehrt. Der Stürmer debütierte im Alter von 19 Jahren für den Club, für den er insgesamt 544 Partien absolvierte.
Dieter Eckstein (1980er Jahre)
Er war der Zweite: Dieter Eckstein war nach Max Morlock der zweite FCN-Spieler, der in die deutsche Nationalmannschaft berufen wurde. Und er ist nach Heinz Strehl der zweitbeste Bundesliga-Torschütze des Club. Für die Fans war er damals einer der Publikumsliebe und zählt noch heute, das belegt seine Berufung in die Jubiläumself, zu den Legenden des Vereins. Rückblickend sagt der ehemalige Stürmer, der unter anderem auch für Frankfurt, Schalke und West Ham auflief, in einem Interview auf der vereinseigenen Website: „Beim Club hatte ich auch einfach meine schönste Zeit.“
Andreas Köpke (1990er Jahre)
Man kann mit einem Stürmer spielen oder mit zwei Angreifern, mit einer Dreierkette oder Viererkette, mit einer Doppelsechs oder einem alleinigen Abräumer vor der Abwehr, aber man spielt immer mit exakt einem Torwart. Für die Jubiläumself gilt das nicht, Andreas Köpke komplettiert das von den Fans gewählte Torhütertrio an Legenden.
Der Welttorhüter des Jahres 1996 war in den 80er und 90er Jahren der wohl beliebteste und zugleich prominenteste Nürnberger Fußballer: Acht Jahre hütete Köpke das Club-Tor, ehe er sein täglich Brot bei Frankfurt und in Marseille verdiente. Im Jahr 1998 kehrte der Torwart nochmal zurück an den Valznerweiher und beendete seine Karriere schließlich 2001. Zu Buche standen dabei 362 Partien für den Club, ein WM- und ein EM-Titel, die Zweitliga-Meisterschaft 2001 und sogar zwei Tore in der Bundesliga.
Marek Mintal (2000er Jahre)
Er war der einzige Torschützenkönig des 1. FC Nürnberg in der Bundesliga, ein Ausnahmestürmer, aber vor allem war er: das Phantom. Der Slowake wechselte im Jahr 2003 zum Club, nachdem ein Autohändler den Verein einen entsprechenden Tipp gegeben hatte. Was folgte, war eine Erfolgsgeschichte: Der Angreifer wurde mehrmals Toptorschütze, feierte mit dem Club auch den Aufstieg in die Bundesliga und auch dank seiner 24 Treffer in 34 Spielen den Klassenerhalt.
Javier Pinola (2010er Jahre)
Der Inbegriff des Kämpfens, die fleischgewordene Grätsche, das Musterexempel für Mentalität: Javier Pinola gewann nach seinem Wechsel zum Club schnell die Herzen der Fans. Der argentinische Publikumsliebling, der von 2005 bis 2015 über 250 Partien für den 1. FC Nürnberg bestritt und der Pokalsieger-Mannschaft 2007 angehörte, zählt inzwischen zum Trainerteam um Miroslav Klose und versicherte bei seinem Amtsantritt, „dass ich wie früher als Spieler auch jetzt als Co-Trainer alles dafür geben werde, dass unser Club erfolgreich sein wird.“
Max Morlock
Der letzte im Bunde ist der erste, der feststand. Keine großen Begründungen, keine Auflistung der Erfolge, keine Bilanz der Spiele. Der Name reicht, der Rest ist Geschichte und er eine Legende, die keine Erklärung braucht. Max Morlock.
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