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Die schönsten Laufstrecken: Die "Noris-Seenplatte"

Michael Fischer

Sportredakteur

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26.05.2021, 05:58 Uhr
Laufen vor geschichtsträchtiger Kulisse: Pfarrer Günter Kusch auf seiner Lieblingsstrecke am Dutzendteich, im Hintergrund die Kongresshalle.

© Roland Fengler, NNZ Laufen vor geschichtsträchtiger Kulisse: Pfarrer Günter Kusch auf seiner Lieblingsstrecke am Dutzendteich, im Hintergrund die Kongresshalle.

Die Lust aufs Laufen packte Günter Kusch bei einer Hochzeit. Vor einigen Jahren traute er als Pfarrer zwei Frauen im Bootshaus des Yachtclubs Nürnberg, nach dem Ja-Wort, viel gutem Essen und noch viel mehr gemeinsamer Glückseligkeit ging der 56-Jährige ein bisschen am Dutzendteich spazieren. Überall sah er dann die Menschen joggen - bis er selbst vor Ort mal seine Laufschuhe schnürte, dauerte es aber ein paar Jahre.

Inzwischen läuft Kusch immer wieder gerne dort, wo er einst nur ein paar Schritte gehen wollte. "Die Runde um den Dutzendteich ist recht kurz, weshalb ich sie immer mehr ausgeweitet habe", sagt der Pfarrer, der auch gerne am Wöhrder See oder im Marienbergpark läuft. Seine Lieblingsstrecke verbindet er oft mit der Arbeit, von seinem Büro beim Amt für Gemeindedienst ist es nicht weit bis ins kleine Naherholungsgebiet.

Das Laufen ist für Günter Kusch immer auch eine Erfahrung, bei der er seine Nähe zu Gott sehr gut spürt. "Es geht darum, die Natur wahrzunehmen und sich selbst als Bestandteil der Natur zu sehen", sagt er, beim Sport fühlt er sich als "Teil der Schöpfung", das gleichmäßige Atmen entspannt, er kommt in einen Rhythmus, die Gedanken werden frei und schwirren nicht mehr wie wild durch den Kopf. "Spirituelles Laufen" nennt Günter Kusch das - doch auch, wer weniger christlich lebt und denkt, kommt bei der Runde auf seine Kosten.

"Rund um die Noris-Seenplatte" hat er die Strecke genannt. Los geht es an "Walter's Imbiss", dann den Alfred-Hensel-Weg entlang bis zur Großen Straße, dort weiter, vorbei am Messe-Parkplatz und dann durch den Sofie-Keeser-Weg. Kusch passiert den Flachweiher und den kleinen Dutzendteich, läuft vorbei am Silbersee, einem weiteren Gewächser auf der "Noris-Seenplatte". Über die Große Straße und den Kanuverein sowie den Serenadenhof geht es zurück Richtung Yachtclub zum Ausgangspunkt. "Das ist eher eine Acht als eine Null", sagt Kusch.

"Das Leben blüht auf, die Natur auch"

Manchmal winkt er auf seiner Runde auch dem Club zu, ins Max-Morlock-Stadion kann ja seit Monaten niemand. Zuletzt war es noch ein bisschen schöner an der Seenplatte, erzählt Kusch, "das Leben blüht auf, die Natur auch, da blüht man auch selbst auf", sagt er, "meditativ" sei seine Feierabendrunde. Doch nicht nur deshalb will er werben für dieses sehr schöne Stück Nürnberg, das ihm so gut tut.

Hier geht es zur Lieblingsstrecke von Günter Kusch. © OpenStreetMap-Mitwirkende

Hier geht es zur Lieblingsstrecke von Günter Kusch. © OpenStreetMap-Mitwirkende © OpenStreetMap-Mitwirkende

Das ganze Gelände rund um den Dutzendteich ist ja auch ein sehr geschichtsträchtiger Ort; Günter Kusch stellt sich diese eine Frage, die sich viele Menschen in Nürnberg stellen: Wie geht man mit diesem Erbe um? "Ich finde es wichtig, die Gebäude zu erhalten, weil sonst die Erinnerung vergeht", sagt er. Die Erinnerung an die Graumsamkeiten der Nazis, an die Entmenschlichung, all das würde der 56-Jährige gerne verbinden mit dem Laufen.

Auf der Runde kann man "laufend Geschichte" erfahren.

Auf der Runde kann man "laufend Geschichte" erfahren. © Roland Fengler, NNZ

"Laufend Geschichte" am Dokuzentrum?

Es geht ihm dabei auch um "neue Formen an Rechtsradikalismus", man müsse "das Augenmerk auf die jetzige Zeit" richten, in der rechte wieder Menschen terrorisieren. Er hat seiner Idee sogar schon einen Namen gegeben: Laufend Geschichte. "Man könnte Touristen ein Angebot machen, dass man eine gute Stunde Joggen geht und an drei, vier Stationen einen kurzen Stopp einlegt", so Kusch, "am Dokuzentrum oder der Kongresshalle könnte man ein paar Sätze sagen und versuchen, Impulse mitzugeben."

Damit auch in vielen Jahren noch alle Menschen so viel Glück verspüren können wie an diesem schönen Sommertag im Bootshaus - an ​​​​​​​dem Günter Kusch seine Lust am Laufen entdeckte.

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